Alabama Rig – Nein Danke!

Ich habe seit Dezember 2011 mit mir gerungen meine Meinung zum Umbrella Rig / Alabama Rig, und wie diese DAU-Rigs sonst noch benannt werden kund zu tun. Über Twitter kamen zwischenzeitlich mehrfach Tweets bekannter Hersteller, in denen die Alabama / Umbrella […]

Ich habe seit Dezember 2011 mit mir gerungen meine Meinung zum Umbrella Rig / Alabama Rig, und wie diese DAU-Rigs sonst noch benannt werden kund zu tun. Über Twitter kamen zwischenzeitlich mehrfach Tweets bekannter Hersteller, in denen die Alabama / Umbrella Rigs beworben wurden. Kommentiert wurde i.d.R. mit „this rig is not for fishing, thats hunting! #please #stop #tweeting about that #rig“, o.ä.. Es kam wie es kommen musste. Im März 2012 tauchte die erste Info eines Fachhändlers auf:

Zitat, Fachhändler

Umbrella Spin-Rig

Die neue Trend-Montage aus den USA zum Spinnfischen!

Verboten!

Wohl aufgrund seiner Fängigkeit mittlerweile in einzelnen Bundesstaaten der U.S.A. bereits verboten!

Das Umbrella-Rig ist eine der modernsten Montagen überhaupt und sorgt weltweit unter Raubfischanglern für Aufsehen.

Wir präsentieren Ihnen zwei Umbrella-Rigs, die exakt für das heimische Spinnfischen konzipiert wurden! Durch das geringe Gewicht und die spezielle Form, sind diese Montagen hervorragend zum Werfen geeignet, können aber selbstverständlich auch zum Schleppangeln eingesetzt werden.

Der Führungskörper imitiert einen kleinen Beutefisch, der von mehreren Gummifischen verfolgt wird. Dieses Verhalten ist ein Schlüsselreiz, der Raubfische aus der Reserve lockt und extremen Futterneid weckt!

Bevor die frisch eingeschleppte Pest aus Japan / Amerika weiter um sich greift und die Rigs trotzt teilweise klarer Verbote durchs Wasser geleiert werden, wird es Zeit ein paar Zeilen zum Alabama und Umbrella Rig zu schreiben. Eigentlich habe ich gehofft, dass sich die deutschen Shops und Vertriebe an diesem Thema nicht die Finger verbrennen und die Rigs da lassen, wo sie hingehören. Eine weitere Hoffnung bestand darin, an die Moral der Angler zu glauben und davon auszugehen, dass wenn das „Worst Case“ Szenario eintrifft, die Rigs nicht gekauft werden. Ziemlich naiv! Die Berliner Bockwürste haben schon „Angler“ mit den Urinella Rigs am Wasser getroffen, Andi hat das Thema verbloggt und die Stellungnahme von Camo Tackle ist ebenfalls seit einer ganzen Weile auf Facebook zu bestaunen.

Zitat, Camo Tackle auf Facebook (10. Mai 2012)

CAMO-Tackle distanziert sich vom Umbrella-Rig.

Da derartige Multi-Lure-Rigs derzeit hin und wieder heiß diskutiert werden, wollen wir an diese Stelle klarstellen, dass wir nichts von derartigen Systemen halten und diese auch zukünftig nicht in unserem Sortiment führen werden. Uns wurden diese Rigs bereits vor mehreren Monaten in den USA angeboten, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Einmal weil sie mit den meißten Gewässerordnungen nicht in Einklang zu bringen sind aber auch weil sie unserer Meinung nach nichts mit dem modernen Kunstköderangeln zu tun haben. Im Übrigen sind sie in der US-Turnierszene nicht verboten, weil damit plötzlich alle Turniersiege errungen wurden, sondern weil im Profibetrieb die Devise gilt:

Eine Rute, eine Rolle, Ein Köder

Daher sind dort auch Systeme mit 2 Softjerks, Dropshot-Systeme mit mehreren Ködern und ähnliche Montagen verboten.

Daher ordnen wir für uns die wilden Geschichten um die vermeintliche Fängigkeit dieser „Supersysteme“ in die Rubrik: „Es war einmal …“ ein.

Wer auf den Flasher-Effekt setzen will, kann ganz leicht Spinnerbaits nutzen.

Euer Team von CAMO-Tackle

Um noch ein paar Kohlen ins Feuer zu werfen habe ich zusätzlich um die Meinung meiner liebsten Händler, Vertriebler, eMags, Blogs, Forenbetreiber und Hersteller gebeten und eine Antwort incl. klarer und deutlicher Stellungnahme bekommen. Lest selbst:

Scale Magazine (21. Mai 2012):

Das SCALE Magazine wird das Umbrella-Rig nicht bewerben und unterstützt alle Händler die sich ebenfalls davon distanzieren. Darüber hinaus sprechen wir uns für die Verwendung von Einzelhaken statt des obligatorischen Drillings aus.

Nippon Tackle (22. Mai 2012):

Kein Alabama-Rig bei Nippon-Tackle
Der Hype um das Alabama-Rig / Umbrella-Rig ist auch in Japan während der Osaka Fishing Show 2012 nicht zu übersehen gewesen, denn selbst namhafte Hersteller wie Megabass und co. sind auf den Zug aufgesprungen und bieten mittlerweile eigene Versionen an, die teilweise um Eigenschaften wie rotierende Ausleger ergänzt wurden und nach der reinen Nachahmung nun also auch im „Innovationsprozess“ angekommen sind.

Vor Ort habe ich während einer Guiding-Tour am bekannten Lake Biwa nicht verstanden, was den Reiz dieser Methode ausmachen soll und aus Neugierde um den Hype kurzerhand die Rute des Guides mit montiertem Alabama-Rig ausgeliehen und ein paar Würfe gemacht. Zugegeben kann ich den Siegeszug in Japan nicht recht nachvollziehen, denn von allen diskutierten Aspekten wie moralische Werte, Waidgerechtigkeit und Anzahl an Anbissstellen einmal abgesehen, halte ich das Alabama-Rig auch technisch für unbrauchbar:

– zum Werfen und Führen sind Ruten mit hohem Wurfgewicht notwendig, die nicht unbedingt zum Zielfisch passen
– die Wurfweite ist weit geringer als beim Einzelköder, da der „Schirm“ eine sehr schlechte Aerodynamik aufweist
– die vielen Ausleger verheddern sich beim Wurf und behindern sich gegenseitig
– die Köderführung ist monoton und bis auf die Lauftiefe und Einholgeschwindigkeit gibt es wenig Aktionsmöglichkeiten
– die langen Ausleger sind echte Krautfänger und sammeln jede Alge und Wasserpest ein

Insbesondere im Hinblick auf den Trend hin zu Finesse-Techniken und feinstem Angelgerät widerspricht das Alabama-Rig all dem, was mich in den letzten Jahren an Innovationen und dem Angeln selbst gereizt hat. Denn gerade die moderne Köderführung ist es ja, die wir auf Erfolg hin prüfen wollen.

An dem besagten Angeltag am Lake Biwa konnte übrigens der einzige Schwarzbarsch des Tages auch nicht mit dem Alabama-Rig, sondern mit dem Neko-Rig überlistet werden. Und wer einmal selbst durch feinste Impulse aus dem Handgelenk einem kleinen unscheinbaren Gummiwurm derart Leben eingehaucht hat, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen noch ein Biss provoziert werden kann, wird hoffentlich von selbst erkennen, dass die Angelei mit dem Alabama-Rig nicht nur „unsportlich“, sondern ganz einfach langweilig und unnötig ist.

In der aktuellen Diskussion besonders schade ist die Tatsache, dass die irreführende Werbung eines deutschen Großhändlers auch noch zitiert wird und somit der Eindruck entsteht, dass das Alabama-Rig wirklich „extrem fängig“ (und deswegen verboten) sei. Dabei sind andere Angelmethoden je nach Situation ohnehin erfolgreicher und das Alabama-Rig nur deswegen verboten, weil es durch die eingeschränkte Köderführung kaum Bezug zu persönlichem Können und Professionalität aufweist, welche einem Turnierteilnehmer zum Sieg verhelfen soll.

Von daher wird es bei Nippon-Tackle auch keine Alabama-Rigs dieser Art zu kaufen geben, denn es gibt in jeder Hinsicht bessere Angelmethoden, die zudem weitaus schonender für den Fisch sind. Und nicht ohne Grund gibt es bei uns auch ein breites Sortiment an Einzelhaken und Drillingen ohne Widerhaken zur Umrüstung von Wobblern, um diese ebenfalls schonender zu gestalten.

Fabian Kraft

Predator Fishing (21. Mai 2012):

Die extreme Verletzungsgefahr im Drill durch die Mehrfachhaken -vor allem im Augenbereich der Raubfische- macht dieses Rig für mich schlichtweg unbenutzbar und müsste deswegen auf breiter Front verboten werden! Es unterstützt wieder mal nur die „Catch&DeepFreze“- Angler unter uns, um deren Kahlschlag in den Gewässern weiter zu perfektionieren.
Euer stone

Capt. Rusty Hook (23. Mai 2012):

What a think about the Umbrella?
ins’t easy, because there is a internal fight in myself
i’m a fisherman and i love catch fish, i love feel the bite
for this way i can think, yes the alabama can be a great weapon in the hands of fisherman
ins’t a great innovation for sure, in the tuna trolling fishing is normal to use this kind of solution, daisy chain and spreaders bar is a must for bluefin fishing in the med sea, and sure this is not a news!
But then i think, i’m an angler, a sportfisherman, i chose to catch the fish in the best and more hard way, with lure casting, just lures not more of this, and in my poor opinion this is the great difference, the essence of fishing with lure (when you casting these) is just one lure one rod one lure, then you can have all the lures and all the best rods in all the colors of the world but this is another issue.
The lure caster stay on the shore, on the boat, with just one lure and the sea in front off!
The umbrella is just for the rain, and i prefer feel the rain on my head……

Gummitanke, Hamburg (22. Mai 2012):

Wer damit fischt angelt der darf sich auch nicht über seinen Kneipenwirt aufregen, der die Getränke mit der Gabel aufschreibt (…)

Wie auch von den netten Kollegen von Camo-Tackle so treffend betont, sagen auch wir: Eine Rute – Ein Köder!

Noch ein Wort zur Gestaltung der Werbung des Fachhändlers „Verboten Fängig“: Die Ausrichtung und die damit verbundene Suggestion der Werbeaussage ist unerhört. Sie trifft aber einen scheinbaren „Werbetrend“, vgl. DAM Toxic mit „Nur Gift fängt mehr Fische“. Demnächst sollte man dann auch konsequenterweise von diesen Herstellern und Händlern begehbare Kühlzellen ordern können.

Bei uns kommt das Ding nicht an die Wand. Wir haben auch keinen Bock auf die „Pest“!

Hans, Admin im – Fishing for Men – Forum (22. Mai 2012):

Auf unserer Seite gab es zum Thema Umbrella-Rig eine heftige Diskussion. Nicht pro oder contra, sondern ging es mehr um das „warum gibt man seinen guten Namen dafür her?“ Unverständlich und mit Kopfschütteln haben sich die User über die Präsentation und den Sinn darüber unterhalten. Zumal es in vielen Bundesländern gar nicht erlaubt ist, mehr als eine Anbissstelle beim Spinnfischen an einer Handangel zu verwenden. Die Profs, die die neue „Wunderwaffe“ vorstellen, denken nicht nach sondern sind einzig und allein ihrem Profit erlegen. Es interessiert sie nicht was aus den Gewässern und den Beständen werden wird.

Aber mal ganz ehrlich. Wunderwaffe, wie das Rig angepriesen wird, ist doch stark übertrieben. Wir fischen mittlerweile so fein wie möglich, um bei unseren glasklaren Seen, zumindest noch einen Fisch an die Leine zu bekommen. Und die meisten Forenuser schützen mittlerweile ihre Bestände. Das Ding wird wohl ein Ladenhüter werden. was auch nicht schlimm sein wird.

rest in peace!!

Gruß
Hans von F4M

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Leser des Blogs eine ähnliche Einstellung zum Umbrella / Alabama Rig vertreten wie oben zu lesen ist. Ich erhebe mich keinesfalls zum Wächter über Moral und Anstand und frei von Fehl und Tadel bin ich erst recht nicht, aber:

Meine Art zu Angeln und das Verständnis davon, wie man den Fang des Lebens überlistet ist schlicht und ergreifend eine völlig andere, wie die der Alabama und Umbrella Rigs – Ende!

Ich denke, dass das Kochtopfangeln 2.0 nur dann verhindert werden kann, wenn sich potenzielle Käufer und Nutzer darüber im klaren sind, was sie da gerade in der Hand haben. Meine Position ist nicht verhandelbar und als Diktator und alleiniger Herrscher in meinem Blog wird hier nicht diskutiert! „Alabama und Umbrella Rig – Nein Danke! Da hinten is’n Forellen-Puff und falls es da auch nicht funktioniert, geb ich dir 2€ für eine Packung Fischstäbchen“

Wer genügend Arsch in der Hose hat, der darf sich gerne an den „teilen Knöpfen“ vergreifen, den zahlreichen Diskussionen in Foren und Blogs beiwohnen und / oder ein klares Signal im Kommentarfeld hinterlassen. Vielleicht erreichen wir dadurch eine ausreichend breite Masse und bewirken ein Umdenken, ein schlechtes Gefühl beim Kauf, oder wenigstens großes Gelächter beim Einsatz der Rig’s am Wasser?

Alabama Rig – Nein Danke!

Alabama Rig – Nein Danke!