Die ersten Etappen im Projek X sind erfolgreich abgerackert, daher nehme ich mir heute mal die Freiheit einen kurzen Bericht über die Session am 17.04.2012 zu verfassen. Wer meinen Twitter Stream, oder die Facebook Pinnwand im Auge behalten hat, weiß schon was kommt. Die Rahmenbedingungen waren mit max. 11°C und steifer Nord-Ost-Briese nicht wirklich erträglich, aber für 4 Stunden angeln gerade noch akzeptabel. Die Tage zuvor bin ich bereits mehrmals mit gesenktem Haupt und als Voll-Schneider nach Hause gedackelt, da das komplette West- und Ostufer des Templiner See wie ausgestorben war. Das einzig wirklich positive an der erfolglosen Angelei waren die neuen Erkenntnisse bezüglich Bodenbeschaffenheit jenseits der 20m Marke.

Die Rocksweeper ist schon ein echt komischer Stock und in Worten nur sehr schwer zu beschreiben. Was jedoch ganz vorzüglich funktioniert, ist das abfeuern von schweren Carolina und Drop Shot Rigs. Leider sieht es bei den Führungsqualitäten dann wieder anders aus, denn die enorme Kopflastigkeit der Rute zollt in der Form ihren Tribut, dass man die Hand vollständig um den Foregrip legen muss, um die Rigs dauerhaft und ohne Verkrampfung über den Boden zupfen zu können.  Sind die Köder ausgebracht und der Griff perfektioniert, meldet die 1002 MH jeden Stein und jede Änderung der Bodenbeschaffenheit zurück. Ob man hierbei schon, bzw. noch von einer sensiblen Rute sprechen kann, lasse ich im Raum stehen. Die gelieferten Informationen reichen für mich jedenfalls aus und werden bei der Jagd auf die Havelbarsche berücksichtig.

Viel gebracht haben mir die neuen Erkenntnisse am heutigen Tag nicht viel. Der Wind kam streckenweise so heftig, dass eine vernünftige Führung trotz monströser Gewichte und „Rutenspitze ins Wasser“ unmöglich war und daher der Rückzug an die windgeschützten Hot Spots am Ostufer des Templiner See eingeleitet wurde. Clever wie ich war, habe ich die Wetterbedingungen natürlich vor der Session geprüft und mich für Wathose und Watrucksack entschieden. Beim packen des Tackles sind Digicam und The Scale v2 im heimischen Lager verblieben, da ich mit so viel Fisch wie die letzten Tage gerechnet habe – mit keinem einzigen.

Die Havel und ihre Barsche sind nicht unbedingt für ihr konstantes Verhalten bekannt. Wo an einem Tag noch die Post abgeht, herrscht am nächsten Tag absolute Funkstille. Wer der ganzen Angelegenheit noch eins oben drauf setzen möchte, nimmt sich genau zur Laichzeit Urlaub und schnallt die Köder der 5 Inch Klasse an den Haken. Man könnte fast meinen, dass man dämlicher nicht auf Barsche angeln kann und das stimmt teilweise auch. Unter diesen Rahmenbedingungen hilft nur das unbedingte Vertrauen in die Köder, Spots und Methoden. Wer jetzt anfängt alle 5 Würfe die Baits, oder gar die komplette Montage zu wechseln, kann gleich nach Hause fahren – verschenkte Zeit und Mühe. Für mich gibt es zur Laichzeit der Barsche nur eine Strategie, um die Havelpunks an den Haken zu bekommen.

Barsch aus der Laichzeit 2011

Methode

Nach etlichen Kämpfen um die beste Statistik standen zu dieser Jahreszeit immer die grundnahen Gummianwendungen auf dem Siegertreppchen. Ob gejiggt, oder geriggt bleibt euch überlassen. Meine Top-Methode auf Barsch ist das Carolina Rig und basiert einzig und allein auf den bisher erzielten Erfolgen. Die knapp 970 Barsche im Jahr 2011 sprechen eine eindeutige Sprache und gingen zu 60% auf das Konto der Südstaatlerin. Der größte Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie extrem vielseitig einsetzbar ist und dem Fisch beim Biss quasi keinerlei Widerstand entgegen setzt.

Das C-Rig funktioniert sowohl im Flachwasser, als auch im Flussbett perfekt. Ob leicht über den Grund gezupft, oder ordentlich angejiggt bestimmt einzig die Fresslaune der Barsche. Eine der beiden Varianten funktioniert fast immer. Da ich bereits schrieb, dass das Vertrauen das Wichtigste ist, bleibe Ich beim Carolina Rig und Ihr bei eurer Quotenqueen.

Köder

Minibarsch in der Laichzeit - Wrong format!

Wer es auf die dickeren Burschen abgesehen hat, sollte bei der Wahl der Köder ruhig eine Nummer größer wählen. Die Barsche haben sich noch längst nicht auf die Brutfische eingeschossen. Die Umstellung erfolgt erst nach der Laichzeit, dann aber in großen Schritten. Von welchem Hersteller euer Verführer ist, spielt keine Rolle. Wie bei der Wahl der Methode gilt auch hier: Schnappt euch den Köder der eurer höchste Ansehen genießt und die beste Statistik vorweist. Wer sich gar nicht entscheiden kann, nimmt einfach 2 der besten Stücke in ausreichender Anzahl mit und lässt den Rest zu Hause. Schützt vor zeitraubenden Bastelarien und hilft dabei sich auf des Wesentliche zu konzentrieren.

Eine gute Größe für dicke Laichzeit-Barsche sind die Köder in der 5 Inch Klasse. Sofern das Material weich und flexibel genug ist, passen die Dinger sogar in den Schacht eines gleichlangen Barsches. Meine Favoriten sind die 5″  No-Action Shads von Keitech und Fish Arrow im „4 für alle Fälle“ Design.

Barschangeln in der Laichzeit 2011

Spot

Ich habe ganze Weile gebraucht, um festzustellen das die sommerliche Spot-Hatz während der Laichzeit wenig Aussicht auf Erfolg hat. Es mag natürlich gut möglich sein, dass man ab und zu einen Glückstreffer landet, aber im Normalfall angelt man ehr an ihnen vorbei, als sie tatsächlich am Haken zu haben.

Angeln in der Laichzeit - Hot or not?

Wesentlich erfolgreicher gestaltet sich die Angelei auf Laichzeit-Barsche, wenn man es den Ansitzanglern gleich tut. Sucht euch ein, maximal zwei Spots die das letzte Jahr gut liefen und bewirtschaftet diese in alle Himmelsrichtungen. Flachwasserbereiche solltet ihr wenn möglich vermeiden, da sich dort noch nicht viel abspielt.

Der Barsch kehrt immer wieder an die gleichen Stellen zurück, um sich den Wanst vollzuschlagen. Während der Laichzeit besteht die Herausforderung einzig und allein darin, genau den Moment abzupassen, an dem sie am Platz sind. Wer glaubt, dass es während ihrer sexuell aktiven Phase keinen Fressrausch gibt, liegt weit daneben. Die Zeitspannen sind einfach nur wesentlich kürzer und sehr punktuell über den Tag verteilt. Die Orgie dauert i.d.R. nicht länger als 10 Minuten und danach ist der Spot wieder wie leergefegt.

Egal wie schwer es fällt und egal wie laut der nächste Spot ruft. Bleibt am Ball und fächert die Stelle wenn nötig den ganzen Tag ab. Die Ausdauer wird am Anfang vielleicht nicht jeden Tag belohnt, aber wenn ihr einmal den Dreh raus habt, stellt sich der Erfolg von ganz alleine ein.

Resultat

Da wir gerade beim Thema Erfolg sind und ich euch nicht noch 5 Meter Text an die Backe nageln möchte, gibt es heute die ersten Resultate zu feiern. Ich habe meinen Eingangs erwähnten windgeschützten Hot Spot fast 2 1/2 Stunden am Stück beackert und dabei 5 komplette Montage in die ewigen Jagdgründe geschickt. Ob sich die „neue“ Strategie auf lange Sicht bestätigt bleibt abzuwarten. Wichtig ist für mich bis heute nur eins: Sie funktioniert! Das Resultat der Anstrengungen waren insgesamt 3 Laichzeit-Barsche die innerhalb von ca. 10 bis 15 Minuten an Haken hingen. Es ging Schlag auf Schlag kaum war der erste 30er Barsch der Saison am Haken, folgte auch schon der nächste Brocken mit 38cm.

38er Barsch aus der Havel während der Laichzeit

Da ich mal wieder den ganzen Tag mit meiner androiden Handyknipse in der Weltgeschichte rumgeblitzt habe, stand der Akku auf unter 20% und es konnten nach dem 38er keine weiteren Fotos geschossen werden. Natürlich kam es wie es kommen musste. Kaum war der letzte Brocken abgehakt und das Rig noch nicht mal am Grund angekommen, gab es einen „fürchterlichen“ Einschlag. Mein Gegner hatte gegen die Rocksweeper natürlich keine Chance und nach einer gefühlten Sekunde lag das Schlachtschiff vor meinen Füßen. Wer bereits einen ü40er Barsch gefangen hat und den das erste Mal sieht, weiß wovon ich spreche.

Die Proportionen sind gigantisch. Der hohe Rücken und die riesigen Flossen sind kein Vergleich zu einem 20er oder 30er Barsch. Da liegen Welten dazwischen! Das „Notfallmaßband“ aus Muttis Nähkiste zeigte exakt 41,5cm an – Punkt. Ich will den Fisch gar nicht weiter ausschlachten, denn es fehlen mir jegliche Beweise, bzw. greifbare Erinnerungsstücke an die Murmel. Ab jetzt gehe ich nur noch mit 2 Knipsen und vollen Akkus aus dem Haus. So ein hirnverbrannter <Parental Advisory Explicit Lyrics> passiert mir definitiv kein zweites Mal. Ich könnte jetzt noch <Parental Advisory Explicit Lyrics>! Abschließend dürft ihr alle nochmal winken…

Schiffahrt in Potsdam Belvedere