Gestern noch proklamierte ich sonnige Aussichten für die nächsten 14 Tage. Keine Minute später Stand ich während der ersten von drei Sessions im Küchennebel der Templiner West Side Auen. Gut, der Altweibersommer wird wohl doch erst ab Mittwoch seinen Kittel übersteifen und gibt mir die Möglichkeit unter anglerisch anspruchsvolleren Bedingungen im Trüben zu fischen. Die Wettersituation gestaltet sich den Tag über sehr durchwachsen.

Das grauen nahm 6 Uhr seinen Lauf. 14 Grad Außentemperatur gepaart mit einem lauen Lüftchen bei 280% Luftfeuchtigkeit und Nebel mit Sichtweiten von bis zur Nasenspitze. Die anvisierten 3 Morgen-Spots boten strukturell das übliche Potsdam-Allerlei. Sandiger Boden, Steinschüttung, Spundwand, 1 bis 3 Meter Wassertiefe, Schilfgürtel, Seerosen, Fähranleger und nicht zu vergessen das Fallobst und die Krähenschar. Letzterer machte es mir am ersten Angelplatz unmöglich auch nur einen einzigen Wurf in Richtung Fahrrinne zu machen, ohne das es von oben Birnen regnete. Ja, ich rede von den handgranatengroßen Dinger die üblicherweise zum Verzehr gedacht sind.

Fallobst

Fallobst

Die „Uferpromenade“ ist auf den interessanten 10 von 150 Metern mit Birnenbäumen bestückt. Bis zum ersten Wurf verhielten sich die Bäume wie es Bäume im „Herbst“ eben tun. Sie stehen da, werfen ihr welkes Blattwerk ab und strecken das Geäst nach vorbeifliegenden Kunstködern aus. Doch sobald der erste Überschallklick des Mag-Drive Weight-Transfer-Systems die Luft durchbrach, regte sich was. Den Bäumen wuchsen förmlich Flügel und der bisher zurückhaltend ruhige Schwarm stieg in die Luft und ließ einen Platzregen aus überreifen Birnen auf mich nieder gehen. Da meine Fjällraven Allwetterpanzerung nicht für einen derart heftigen Beschuss geeignet ist, durfte sich der Trick Shad noch geschlagene drei Würfe am Hot-Spot versuchen, danach war Schluss. Erfolglos geschlagen überließ ich das Schlachtfeld dem Federvieh und zog samt Angelausrüstung von dannen.

Die vielversprechende Wettersituation brachte in den Morgenstunden leider keine weiteren Erfolgsmeldungen hervor. Bis auf eine handvoll gummierter Opfergaben nahm die derzeit extrem langsam fließende Havel dankend meine Softbaits entgegen und schenkte mir dafür Null Barsche. Weder mit untenrum gezuppeltem Gummifisch, noch mit Wobbler im Mittelwasser und schon gar nicht upstairs via. Topwater-Baits war irgendwas zu reißen. Einzig die nach Treibgut schnappenden Weißfische signalisierte das es in der Havel überhaupt noch Fische gibt. Zeit die Rute einzupacken und dem Duft der Brötchen zu folgen – Frühstückszeit! (…) Vollgestopft mit frischen Backwaren und einem Kaffeepegel der dem Elbhochwasser von 2002 in nichts nachsteht, ging es dann per Drahtesel den Europaradweg entlang. Das Fahrrad ist im übrigen die schnellste aller Fortbewegungsmöglichkeiten, um die weit auseinander liegenden Hot-Spots der West Side Auen zu erreichen. Das gilt auch für die Nutzung stark motorisierter Angelboote! Die Entenpolizei hat ihr Nest im nördlichen Teil des Templiner See errichtet und hält liebend gern auf Höhe der Pirschheidebrücke ausschau nach Verkehrssündern. Also Hebel vom Tisch und damit back to topic ;)

Baby Seals - Retter in der Not!

Baby Seals - Retter in der Not!

Na, wer erkennt die beiden Superhelden? Richtig, es handelt sich hierbei um den Illex Deep Diving Chubby und den SPRO BBZ-1 Baby Shad. Den Namen „Baby Seals“ habe ich ihnen im Laufe der Nachmittags- und Abend-Session verpasst. Beide Runden begannen wider erwartend so, wie der Vormittagsdurchlauf endete. Das Wetter hat sich zwischen 12 und 20 Uhr von seiner vermeintlich besten Seite gezeigt – bedeckt. Ihr kennt das sicherlich. Der Fuß ist kaum vor die Tür gesetzt und schon riecht die Luft nach fetter Beute. Gedanklich ist bereits der erste Wurf ein Treffer und die Traumschiffe landen Meterweise im Langzeitspeicher. Wie weit der gedachte Größenwahn von der Praxis entfernt ist, wisst ihr vermutlich auch. Es wird Strecke gemacht, die Spots werden ausgiebig abgefächert und die anfängliche Euphorie weicht der blanken Realität – weit und breit kein Fisch. Die Tacklebox wird umgegraben und plötzlich hängen Köder am Vorfach die noch nie einen Biss provoziert haben oder einfach immer fangen.

Illex Deep Diving Chubby 38

Illex Deep Diving Chubby 38

Nummer 1 im Bunde der gestrigen Fangmaschinen ist der Deep Diving Chubby von Illex. Die kleine Wunderkugel misst gerademal 38 Millimeter und ist entgegen den flach laufenden Standardversionen mit ohne Doppel-D in den Regionen einsetzbar, die jenseits der 2 Meter-Marke liegen. Obwohl ich in meinem District nur eine einzige Angelstelle vorzuweisen habe, an der ich den Tieftaucher vom Ufer aus einsetzen kann, hat er heute alle Rekorde gebrochen! Langsam durchgeleiert entwickelt die ausladende Aktion des Mini-Crankbaits derart viel Druck, dass die Barsch für knapp 20 Minuten keinen Durchlauf verpasst haben und reihenweise am Drilling baumelten. Typisch Barsch endete die kurzweilige Beißphase genau so schnell wie sie begonnen hat. Wie viele es waren? Keine Ahnung, hab nicht gezählt. Wie groß sie waren? Keine Ahnung, hab nicht gemessen. Zeit ist Barsch und Barsch gab’s die Stunden davor viel zu wenig. Alle weiteren Versuche doch noch einen Punk aus den tiefe hervorzuzaubern schlugen barschgemäß fehl. Hier die Tec. specs. und dann auf zum nächsten Spot.

Illex DD Chubby 38 – Deep Diving Mini-Crankbait
Länge 38mm
Gewicht 4,7gr
Aktion Wobbl ‚N Roll
Tauchtiefe 2,0m+
Verhalten Floating
Drillinge 2
Farben Ablette, Albino Rainbow, Ayu, Bone, Brown Suji Shrimp, Dark Perch, Green Squash, Gold Trout, Chartreuse, NF Ablette, Perch, Red Craw, Truitelle, Visible Trout
Preis ca. 14€
Bezugsquellen Angeljoe

Der letzte Spot des Tages gehörte den Flachläufern. Komplett anders strukturiert läuft die Uferzone diesmal sehr langsam aus und bricht nach ca. 10 bis 15 Metern steil in eine etwa 3 Meter tiefe abfallende Kante ein. Da die Stelle prädestiniert dafür ist, sich einen Köder nach dem anderen abzuhängen, setze ich hier nur Topwater-Schätze oder ein langsam über den Grund geschliffenes Carolina Rig ein. Auf Gummitiere standen die Barsche überhaupt nicht. Popper wie den Ecogear PP 65F und sämtliches anderes, oberflächennah geführtes Gedöns wurde ebenfalls verschmäht – bis der SPRO BBZ-1 Baby Shad kam!

SPRO BBZ-1 Baby Shad - Fast Sinking Swimbait

SPRO BBZ-1 Baby Shad - Fast Sinking Swimbait

Gekauft vor 2 Jahren im Tackle Warehouse und quasi noch original verpackt, fand der 2,5 Inch kurze Fast Sinking Swimbait nie so richtig den Weg an meine Ruten. Ihn an der Abrisskante einzusetzen und somit den Verlust des Köders in kauf zu nehmen war mir durchaus bewusst und irgendwie auch egal. Die ersten Würfe gingen demnach direkt bis weit über das Ködergrab hinaus. Absinken lassen und dann gejiggt – so das er auch ja hängen bleibt – führen. Blöd nur das das Ding immer wieder zurück kam. Also nochmal raus, und nochmal und nochmal. Beim letzten Wurf des Tages – ha ha, es ist 20 vor 8 – führte ich ihn dann ausnahmsweise so, wie er es mag. Rausfeuern und dann monoton und ganz langsam einkurbeln. Seinem Namen macht der Swimbait jedenfalls alle Ehre. Das Laufverhalten ist in seiner Perfektion nur durch einen Echten Baifish zu übertreffen! Langsam geführt schlängelte sich mein Sub-Surface Wicked Perch also täuschend echt kurz unter der Oberfläche entlang und dann… Hänger? An der Oberfläche? Nein, natürlich nicht – Biss! Erst einer, dann zwei, dann drei dann vier und dann hab ich aufgehört zu zählen. Erfolg auf ganzer Linie und entgegen allen Erwartungen wieder ein neuer Top(water)-Köder zurück in meiner Daily-Tacklekiste.

SPRO BBZ-1 Baby Shad – Fast Sinking Mini-Swimbait
Länge 65mm
Gewicht 6,0gr
Typ Swimbait
Tauchtiefe Sub-Surface bis unendlich tief
Verhalten Sinking
Drillinge 1 (Belly)
Farben Blue Back, Natural Shad, Rainbow Trout, Sexy Lavender, Wicked Perch, Roach, Mat Firetiger, Yellow Perch
Preis ca. 10€
Bezugsquellen Amazon

So ihr lieben. Das war’s dann auch schon – fast. Als Referenz-Wobbler kam immer mal wieder mein 50er Tiny Fry zum Einsatz. Irgendwann zwischen Anfang und Ende vergriff sich einer der Barsche so sehr am 3,7 Gramm schweren Leichtgewicht, dass er die Klappe nicht mehr zu bekommen hat. Wie das aussah, seht ihr hier. Ich mache mich jetzt wieder ran an die Barschfront und wünsche euch einen mindesten so angenehmen Abend, wie ich ihn gleich haben werde. Plug & Play!

Plug & Play