Ich hätte schwören können, dass bei dem gestrigen Wetter wieder nur die Zander beißen. 28°C, leichte Brise, Druckabfall, Niederschlagswahrscheinlichkeit bei 80% und ein wolkenverhangener Himmel. So zumindest der Stand 12 Uhr. 127 Minuten später stand ich dann endlich am Wasser. Rute raus, Baits rin und lange Nase machen.

Bis auf die Bisse der Montagen verschlingenden Raubmuscheln ging 3 Stunden lang genau gar nichts. Weder Barsch noch Hecht oder Rapfen haben sich zum Köder bewegen lassen. Entweder sie waren einfach nicht am Spot oder Wasserblüte, Druckabfall und Sauerstoffgehalt haben ihnen das Maul zugetackert. Anyway, im Ausreden finden sind wir immer spitze und unterm Strich sollte Steffen also Recht behalten – rien ne va plus – nix geht mehr! 6 Jigs geopfert. Eine Packung 5er Bubbling Shaker den Miesmuscheln an die Klappe gehangen und wieder nur der Statistik zugearbeitet. Aus unternehmerischer Sicht sollte man(n) spätestens jetzt aussteigen und den verbleibenden Rest der japanischen Feinkostköder ins trockene bringen.

Reins Bubbling Shaker - R.I.P.

Reins Bubbling Shaker - R.I.P.

Sollte heißt nicht zwingend müssen! Am Wasser bin ich in erster Line Angler und jage dem Fisch, nicht dem ROI hinterher. Gummis sind Verbrauchsgüter und wer richtig aufgepasst hat, der hat den Fehler schon längst gefunden. Also: Es ist heiß, sehr heiß und ich angel 3 Stunden mit 5er Gummis im Hochsommer auf Barsch? Eindeutig Sonnenstich! Der Blick via. Polbrille ins Wasser ergab das gleiche Resultat wie all die Jahre zuvor. Die Brut ist 4 bis 6 Zentimeter lang, silbrig /weiß und mit geschätzten 1000 Exemplaren pro Kubikmeter massenhaft in der Havel vorhanden. Als Barsch tut man gut daran, sich auf genau dieses Frischfleisch zu konzentrieren – jung, unerfahren, leichte Beute! Quasi wie im echten Leben (…)

Die Jungfischschwärme ziehen Abseits von schattigen Plätzen rastlos, ufer- und oberflächennah umher und picken sich dort ihren Teil aus dem unteren Bereich der Nahrungskette heraus. Der Barsch ist bei so reichhaltig gedecktem Tisch oft nicht weit weg und sprengt im Normalfall jede dieser Fischschulen auseinander. Das Wetter hat sich aber innerhalb der letzten Stunden geändert. Der Planet brennt wieder und weit und breit keinerlei Aktivitäten von Raubfischen an der Oberfläche – Totentanz. Was oben nicht ist, liegt oft – nicht immer – lethargisch am Boden oder zieht in die Bereiche mit hohem Lichtschutzfaktor ab. Brücken, Unteführungen, Stege und strömungs- bzw.  sauerstoffreiche Bereiche sind jetzt die Hotspots.

Dem Zielfisch, der Beute und den Standplätzen hinterher fiel die Wahl der passenden Montage nicht schwer. Das Carolina Rig macht sich grundnah in der leichten Havelströmung hervorragend und fliegt mit einer 1/4 oz. Patrone so weit raus wie es nötig ist, um „echten“ Hotspots abfischen zu können. Die Illex The Artist fängt im übrigen genau da an zu performen und tut ihren Teil zur Wurfweite bei. Gepaart mit der GTP S1 auf der Vanquish ein Weitwurfwunder! Selbst mit dem C-Rig Klimbim am Ende der Hauptschnur.

Carolina Rig klimbim

Carolina Rig klimbim

Fehlt nur noch eine wichtige Komponente: Das passende Imitat zum Beutefisch. Klein und möglichst hell wäre optimal. Und siehe da, ein Griff ins heiß geliebte Behr Back-Pack der ersten Generation und der perfekte Barschköder war sofort zur Stelle – 3 Inch, Perlmutt mit schwarzen und silbernen Glitzerpartikeln. Das der Griff in den Angelrucksack kein Griff ins Klo wurde, war reine Glückssache. Ich bin seit Anfang des Jahres nur noch mit den Restbeständen der letzten und vorletzten Saison unterwegs. Das Gummitier dürfte daher bekannt sein und wurde hier auch schon vorgestellt. Es handelt sich um den Kazuha. Mit einem Klick auf das Bild (siehe unten) gelangt ihr in den Showroom incl. kurzer Beschreibung zum Mini-Softbait.

Der Rest vom Schützenfest ist Show und muss nicht weiter mit Fangbildern dokumentiert werden. In den sozialen Netzwerken geistern derzeit so viele rum, dass ihr euch dort satt sehen könnt. Mit dem Wechsel von Montage & Köder waren schlagartig alle Barsch am Spot. Von handlang bis kurz über die 30er Marke ergab fast jeder Wurf einen Biss. Jeder ~ Dritte einen Fisch. Bis kurz vor 18 Uhr wurde der Kazuha ausschließlich am Carolina Rig über den Grund gezupft. Je später es wurde, um so aktiver haben sich die Barsche an der Oberfläche bemerkbar gemacht. Was die können, kann ich auch! C-Rig abgetüddelt und den Liberty im Nosehook-Verfahren weightless an den ultra leichten Decoy Worm11 Größe #4 verfrachtet. Probiert das mal! Die Barsche rasten aus wenn ihr den Kazuha langsam und mit leichten schlägen in die Rute einkurbelt. Mit Barschangeln hatte das nicht mehr viel zu tun. Das war Ernten im Hochsommer. Stay tuned!

Liberty Kazuha - Miniköder zum Barschangeln im Hochsommer

Liberty Kazuha - Miniköder zum Barschangeln im Hochsommer