Nach der erleuchtenden Besichtigung des Bigfish Angelshops in Erkner sollte es Punkt 14 Uhr zum Guiding auf den Berliner Müggelsee gehen. Mit dem Zielfisch Barsch im Kopf, der Muddy im Gepäck und Steffen auf dem Fahrersitz, war schon bei der Anfahrt zum Liegeplatz des  Bigfish-Kahns klar, dass wir mit einer ordentlichen Portion Regen zu rechnen haben. Es hieß also wiedermal „Angeln im Regen“, und beten das Thor seine Blitze und Donnerschläge möglichst weiträumig um den Müggelsee verteilt.

Den ersten Einschlag gab es direkt bei der Ankunft am Liegeplatz. Nicht aber im Umland, sondern direkt „in your face“. Als gestandener Ankerwerfer und Decksmann von Seppls 4PS Anka erschrickt man schon ein wenig, wenn die Bootsplane als erstes den Blick auf einen 60 PS Mercury Außenbordmotor freigibt. Am Bug offerierte mir dann der „Minn Kota – Terrova“ mit „iPilot – GPS Trolling System“, dass ich heute definitiv keinen Anker werfen muss, um das 5,50m lange Lund-Aluminiumboot am Spot zu halten, und wir uns zu 100% auf das Barschangeln konzentrieren können. Ausgestattet mit Echolot, GoPro und mindestens vier weiteren Kameras konnte es losgehen: Session 19 – Das Bigfish Müggelsee Guiding!

  • Das Bigfish Guiding am Müggelsee in Berlin

Das Bigfish Müggelsee Guiding - Los gehts!

Wie es sich für einen ordentlichen Guide gehört, hat mir Steffen erstmal ein paar Randinformationen zum Gewässer und den darin enthaltenen Fischbeständen gegeben. Das die Chancen auf einen ordentlichen Barsch gar nicht so schlecht stehen, hat zumindest Sören vom „Dicht am Fisch“ Team bei seiner letzten Spinnvisite bewiesen. Die ersten von Steffen auserkorenen Spots lagen natürlich am anderen Ende des Müggelsee. Also Hebel auf den Tisch, und ab ging’s. Kaum angekommen lag auch schon das Texas Rig im Wasser, oder besser gesagt im Heavy Cover. Während Steffen schon einen Barsch nach dem anderen aus dem Gestrüpp zuppelte, wusste ich noch nicht so recht wohin mit mir und meiner 2,30 m langen Tailwalk Muddy Walker.

Für die Uferangelei in umgekehrter Richtung ist die Rute eindeutig zu lang, daher entschied ich mich dazu die Wasserfläche um den Spot herum mit Crankbaits und 2″ Weighted Flash Js zu bewirtschaften. Mit einer Quote von schätzungsweise 2 x 10 : 1 war Steffens T-Rig jedoch unschlagbar! Stellvertretend für die Größe der gestreiften Perca fluviatilis haben wir folgendes Bild geschossen und die Minis sofort nach dem Biss, ohne Fotosession schonend zurückgesetzt.

Steffen beim Barschangeln auf dem Müggelsee

Steffen beim Barschangeln auf dem Müggelsee

Im Grunde genommen ging es bis ca. 18 Uhr an fast jedem Ufer-Spot genau so weiter. Die dicken Barsche hatten irgendwie keine Lust auf unsere Reins und Fish Arrow Köder. Hing dann doch mal ein etwas größeres Exemplar an Steffens Haken, schlug ihm das Schicksal ein Schnippchen und der Barsch ist kurz vor dem Boot ausgestiegen. Die Aussichten auf fette Beute reduzierten sich sukzessive bis auf die blanke Hoffnung herunter. Zwischenzeitlich konnte ich noch meinen ersten Hecht der Saison im ungefähr gleichen Sichtbarkeitsformat, wie dem der Barsche fangen. Das es der Topwater-Entenschnabel am 2 Inch Softjerk und 28er Fluorocarbon Schnur dabei überhaupt bis ins Boot geschafft hat, glich ehr einem Wunder (…)

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die 19er Session um Punkt 18 Uhr ihr jähes Ende gefunden. Ob Steffen das mit Absicht so getaktet hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Eins muss man dem Fuchs vom Müggelsee jedoch lassen. Den Dreh mit dem Spannungsbogen hat er definitiv raus, denn ab jetzt hieß es „Angeln auf dem Müggelsee“ in seiner reinsten Form! Ziel der Reise war das Irgendwo, mitten auf dem Teich. Als Uferangler tue ich mich extrem schwer damit, ohne Anhaltspunkte und somit quasi fast im trüben zu fischen. Steffen navigierte das Boot zielsicher an einen seiner Hot-Spots und wies mich darauf hin, mal einen Blick auf das Echolot zu werfen.

Echolotbild vom Müggelsee

Echolotbild vom Müggelsee

Wohoooo! Ich bin wirklich kein Profi bezüglich der Auswertung von Echolotbildern, aber es roch förmlich nach fetter Beute. Das komplette untere Drittel der Wassersäule war voll mit Futterfisch! Zwischendrin ein paar große Sicheln (nicht im Bild) im Mittelwasser und am Grund – da geht was! Bevor die Köder ins kühle Nass durften, weihte mich Steffen in das Geheimnis des Müggelsees ein und lieferte den Beweis. Ich habe echt mit viel gerechnet, aber nicht damit! Was es ist, wo sich der Spot befindet und ob es überhaupt das ist, was Steffen da Fotografiert hat erfahrt ihr von mir nicht. Vielleicht verrät Er es euch in den Kommentaren? (…)

Nachdem wir einige Runden über dem Spot gedreht haben, und mir langsam die Dimension der Futterfischwolke klar wurden, hieß „iPiolot“ an und raus mit den Rigs. Die ersten 2 bis 3 Meter freien Fall haben die Köder noch unbeschadet überstanden. Kaum war die Wolke durchbrochen, hämmerten auch schon die ersten Minibarsche auf unsere 2 bis 3 Inch großen Gummis ein. Die Biester standen gestapelt unterhalb der Futterfische und sind auf alles losgegangen, was im mundgerechten Format serviert wurde.

Mitten im Barsch-Inferno erspähte Guide Steffen mehrere an der Oberfläche „raubende“ Rapfen. Wir waren Teilweise so dicht am Fisch, dass man sie hätte streicheln können. Solch einer Einladung folgt man natürlich. Zeit sich einen dieser Silberbarren zu schnappen! Die Umrüstung auf Topwater Baits brachte leider keinen Erfolg. Wie so oft wurde alles ignoriert und wir haben uns wieder den Barschen zugewandt.

Am Ende der Rute baumelten jetzt nur noch Gummis im 4 und 5 Inch Format. Als Übermittler der frohen Botschaft musste bei mir das Drop-Shot Rig herhalten. Ziel der geänderten Taktik war es, selektiv die großen Burschen aus dem Schwarm zu locken. Um der Angelegenheit etwas mehr Würze zu verleihen sind wir an den Rand der Futterfischwolke gefahren und haben die Gummis dort versenkt, wo hoffentlich die großen Brocken auf ihren Anteil der Beute warten.

Währen Steffen munter mit den Barschen tanzte, gab es bei mir den ersten ordentlichen Kontak. Rute krumm, Bremse surrt, jetzt konnten Muddy und Smoke zeigen was sie auf dem Kasten haben. Die Tailwalk Rute hat sich extrem gut geschlagen und das Defizit der grottenschlecht einstellbaren Smoke Bremse hervorragend kompensiert. Nach einigem hin und her lag dann der erste 70er Rapfen im Kescher.

Bis zum Ende der Angeltour haben sich noch weitere Drop-Shot Rapfen an den 5er Gummis von Reins (Bubbling Shaker, Watermelonseed) und LunkerCity (Fin-S Fish, Texas Chili) vergriffen – und dem Setup die Sporen gegeben. Das man mit einem ehr gemütlich geführten Drop-Shot Rig und 12 cm+ Gummis so gut auf kapitale Rapfen angeln kann, hat sich schon beim Barsch- und Zanderangeln an der Havel herausgestellt. Das äußerst wankelmütige Beissverhalten ähnelt mehr und mehr dem meines eigentlichen Zielfischs und wird weiter beobachtet.

Bei Steffen lief es mit den Rapfen leider nicht ganz so gut. Aber das ist wohl das Leid eines guten Guides, oder schlicht und ergreifend mein Anfängerglück als Müggelsee-Frischling?!? Kaum surrte meine Bremse, flog bei ihm die Rute aufs Boot und alle Objektive waren auf mich und den Fisch ausgerichtet. Eines der besten Erinnerungsbilder möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Wer darauf am dümmsten glotzt, dürft ihr selbst entscheiden. Bitteschön:

Havelritter vs. Müggelsee Rapfen

Havelritter vs. Müggelsee Rapfen