Funktionsbekleidung hat sich in den letzten Jahren unübersehbar zu einem Mainstream-Produkt entwickelt. Die Einkaufspassagen der deutschen Innenstädte befinden sich fest im Würgegriff der gelben Tatze und auch sonst ist es fast unmöglich, dem uniformierten Wolfsrudel zu entkommen. Verstehen kann ich sie! Bei der Jagd nach dem heißesten Schnäppchen kommt man gehörig auf Temperat(o)uren. Überrascht einen dann noch der Monsunregen, während die Trampelpfade zwischen den Konsumtempeln ausgelatscht werden, muss man schon verdammt gut angezogen sein. Aber egal. Lassen wir den Schafen ihren Wolfspelz und kümmern uns nicht weiter um derlei Belanglosigkeiten.

Dresscode Funktionsbekleidung

Dresscode Funktionsbekleidung

Funktionsbekleidung muss im Grunde genommen nur einen Zweck erfüllen. Sie soll den Träger so lange es geht vor Kälte, Wind und Nässe schützen. Eine Methode dieses Ziel zu erreichen, war schon zu Kaisers Zeiten bekannt. Das Zwiebelschalenprinzip dürfte jedem ein Begriff sein und wird beim „Dress Code Funktionsbekleidung“ weiter verfolgt. Die Zwiebeln sind zwar noch die gleichen wie damals, aber die Analogie in Bezug auf die Anzahl der Schutzschichten ist längst überholt.

Unter Verwendung moderner Kunstfasern reichen 3 Bekleidungslagen aus, um einen Basisschutz vor äußeren Einflüssen zu gewährleisten. Die Dicke, bzw. die Anzahl der einzelnen Schichten richtet sich nach der Wetterlage und dem Belastungszustand.

Jede der Lagen besteht aus funktionellen Materialien und nur die richtige Kombination / Stapelung der einzelnen Schichten bewirkt, dass das Prinzip Zwiebelschale wie gewünscht funktioniert. Funktion bezieht sich hierbei auf die Fähigkeit der Textilie, Feuchtigkeit (Schweiß) von innen (Hautoberfläche) nach außen (Umgebung) abzuleiten und dadurch den Wärme- und Feuchtigkeitshaushalt des Körpers zu regulieren.

Wie unangenehm nicht abtransportierter Schweiß auf der Haut in Kombination mit Wind ist, brauch ich keinem erzählen. Im schlimmsten Fall führt das zum vorzeitigen Abbruch eines lange geplanten Angeltripps und nicht selten zu einer richtig fetten Erkältung. Damit euch weder das eine, noch das andere passiert, hier die einzelnen Schichten im Detail.

1. Schicht (Base Layer)

Die Hauptaufgabe des Base Layer besteht darin, überschüssige Feuchtigkeit direkt von der Hautoberfläche aufzunehmen und sie an die nächste Bekleidungsschicht weiterzuleiten. Der Base Layer wird auch Schweisstransportschicht genannt und sollte möglichst eng am Körper anliegen. Die atmungsaktive Funktionsunterwäsche besteht i.d.R. aus Kunstfasern, oder Merinowolle. Baumwolle, bzw. Textilien mit mehr als 15% Baumwollanteil sollten nicht gewählt werden. Baumwolle leitet die Flüssigkeit nicht weiter, sondern speichert sie und unterbricht somit die Flüssigkeitstransport.

2. Schicht (Warmth Layer)

Der Warmth Layer dient in erster Linie dazu, die von der ersten Schicht weitergeleitete Feuchtigkeit an die dritte Schicht zu übergeben und den Körper vor Kälte zu schützen. Der Warmth Layer wird auch Isolationsschicht genannt. Hier werden hauptsächlich großporige Stoffe verwendet. Das beste Beispiel sind die klassischen Fleece Jacken, Pullover und Shirts die es in unterschiedlichen Gewichtsklassen zu kaufen gibt. Je voluminöser, um so isolierender die Wirkung. Wie bei der ersten Bekleidungsschicht gilt auch hier: Auf die Verwendung von Baumwolle sollte verzichtet werden.

3. Schicht (Outer Shell)

Hier geht’s richtig zur Sache! Der Outer Shell, bzw. die Witterungsschicht ist die am stärksten strapazierte Lage im 3-Schicht-Modell. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Zum einen soll sie natürlich die von der zweiten Schicht übergebene Flüssigkeit nach außen transportieren und gleichzeitig vor Wind und Regen von außen schützen. Die dritte Schicht ist oft die teuerste im Verbund der Funktionsbekleidung, denn hier werden fast ausschließlich Hightech-Materialien mit mikroporöser Beschichtung, oder Membrane von Gore-Tex & anderen Herstellern verwendet.

Wie sinnvoll es ist, sich im Hochsommer mit allen 3 Schichten zu bekleiden lasse ich dahingestellt sein. Funktionsbekleidung funktioniert nur dann, wenn die Außentemperatur geringer als die im inneren der Schutzhülle ist, da die Feuchtigkeit nur von der warmen zur kalten Seite transportiert wird. Damit es richtig läuft, wird der Einsatz des 3-Schiten-Modells ab unter 20°C empfohlen.

Nice to know

I. Leitsatz: Die Schichten lieber etwas dünner wählen, dafür aber mehrere gleichzeitig tragen. Zum einen erhöht sich dadurch die wärmeisolierender Wirkung und zum anderen kann man so wesentlich schneller auf eventuelle Wetterumschwünge reagieren, ohne eine wichtige Schicht komplett ablegen zu müssen.

II. Voll im Trend sind die sogenannten Softshelljacken. Sie folgen zwar nicht der gerade ausgesprochenen Empfehlung, sind aber besonders praktisch, da sie die Isolations- und Witterungsschicht in sich vereinen.

III. Weiter oben im Text fiel das Wort „Merinowolle“. Merinowolle besitzt eine stark geruchsneutralisierende Eigenschaft. Wer dolle schwitzt, oder nicht die Möglichkeit hat seine Funktionsklamotten jeden Tag zu waschen (Ansitzangeln/lange Angeltouren), der sollte in der ersten und zweiten Bekleidungsschicht nach Textilien aus Merinowolle ausschau halten.

Die passende Funktionsbekleidung läuft einem nicht einfach so über den Weg. Wer die richtige Klamotte für den harten Einsatz am Wasser sucht, sollte sich unbedingt in eines der zahlreichen Outdoor-Fachgeschäfte begeben. Ich selbst war in „Der Aussteiger“ in Potsdam und habe nach einer vorgelagerten Recherche im Netz und einer umfangreichen Beratung vor Ort dort zugeschlagen. Die Typen sind echt fit und der Bericht über die Bekleidungsstücke folgt natürlich im HR-Blog. Funktionsbekleidung lässt sich im Sommer schwieriger verkaufen, als im Frühling, Herbst, oder Winter. Sowohl im Stationär- als auch im Online-Handel sind jetzt satte Rabatte drin!