Es ist nach wie vor in aller Munde. Finesse-Fischen mit der Baitcaster, also der Castrute. Das Ding mit dem Triggergriff. Euch muss ich das ja nicht erklären. Seit einigen Jahren ist das Baitcast Fieber bei uns in Deutschland auf dem Höchststand. Es gibt die abgfahrensten Rollenmodelle. Für die Cracks muss es ein Modell aus Japan sein immer auf der Jagd noch weniger Gewicht werfen zu können. Dafür werden dann auch gerne Summen jenseits der drei- vierhundert Euro Marke investiert. Viele treiben dann noch ihre Rolle mit diversen Tuningteilen zur Höchstform an. Das reicht von Kugellagern bis hin zu Handle Knobs. Die Dinger wo man anfässt wenn man kurbelt. Wie gesagt viel davon um noch weniger Gewicht werfen zu können. Moment. Muss da wirklich so sein?

Wie ich zur Baitcaster kam

Ich selbst bin 2009 das erste Mal mit Baitcastrollen in Kontakt gekommen. Damals ging es für mich zum Urlaub in die USA und da war schon bei der Planung klar, im BassPro Shop wird die erste Baitcaster zum Schwarzbarschangeln angeschafft. So ist es dann auch geschehen. Es gab dann eine Shimano Curado 201E7 für die heimische Sammlung. Für schwarzbarschangeln Prima. Texas Rig‘s mit fünft oder sechs Zoll größen Ködern ließen sich an der 10-27 Gramm Rute hervorragend führen. Zurück in Deutschland dann ein wenig Ernüchterung. Auf heimische Flußbarsche machte diese Combo irgendwie nur bedingt Spaß. Geringe Wurfweiten und ständigen Perrücken. Kurz um mich hat das Finesse-Fischen mit der Baitcaster erstmal nicht so überzeugt. Meine Schwarzbarschcombo wurde hier dann meine leichte Hechtkombo für Wobbler ab 10gr aufwärts.

Finesse mit der Baitcaster

Finesse mit der Baitcaster

Seither bin ich der festen Überzeugung Finesse-Fischen mit der Baitcaster ist eine „Erfindung“ der Deutschen. Schaut man sich das internationale Angelgeschehen an, ich meine Damit Japan und Deutschland, wird man feststellen das absolut niemand Finesse Techniken mit der Baitcaster angelt. Wenn ich hier von Finesse rede meine ich in diesem Fall Rigs und Köder unter 5g. Denn ein Texas Rig mit 5 Gramm und 4 Zoll Köder landen dann auch gerne jenseits der 10g Marke. International wird bei der leichten Angellei immer auf eine Spinncombo zurückgegriffen. Für mich auch total nachvollziehbar. Die Wurfweiten sind einfach viel Besser und auch das kontrollierte absinken des Köders ist mit der Spinnrolle in diesem Fall meines Erachtens leichter. Aber auch ich lasse mich gerne eines besseren Belehren.

DEL Sol C632L Special Edition

Dank Fabi und dem Nippon Tackle Team durfte ich jetzt nochmal in den Selbstversuch. Finesse mit der Baitcaster. Fabi hat uns zwei neue DEL Sol Ruten aus der Special Edition zukommen lassen. Marco kümmerte sich liebevoll um die S632ML und für mich gab es eine C632L, also die leichteste Cast Version. Bestückt wurde die Gute bei mir mit einer Shimano Chronachr 51E. Natürlich hat diese nicht mehr die originalen Lager sondern wurde tiefergelegt mit neuen Spulenlagern. Zum Einsatz kommen hier ABEC 7 Keramiklager von Boca Bearings mit je einem einzigen Tropfen Rocket Fuel in Yellow. Die Chronarch machte bereits beim Fischen auf Schwarzbarsche mit 5g Tungsten Bullets und 4“ Bait Breath Rush Craws an einer Tailwalk Mud Seen Walker Style mit einem Wurfgewicht von 5-21gr eine sehr gute Figur. Ausreichende Wurfweiten beim Texas Rig oder mit Spinnerbaits brachten Fische bis 8 Pfund zum Fototermin.

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Die Daten der neuen Finesse Baitcast Flitsche sehen eigentlich super aus. Bei einem Wurfgewicht von 3,5-7g sollte das Finesse fischen doch gut von statten gehen. Das ganze wird durch den geschmeidigen Blank unterstützt der es ermöglicht auch leichteste Köder auf weite zu bringen. Auch die Anbauteile überzeugen. Hochwertige Fuji SIC Guides der verwicklungsfreien K-Serie und der ECS Rollenhalter mit Triggergriff, ebenfalls von Fuji sorgen für Spaß am Sportgerät und trösten über die fehlende Hakenöse hinweg. Abgerundet wird dies durch schöne Carbon Optik, Rote Zierwicklungen und den durchgehenden Duplon Griff.

Tailwalk DEL SOL Special Edition C632L
Länge 1,91m / 6’3″
Gewicht 96g
Aktion regular-fast
Wurfgewicht 3.5g – 14g. 1/8 – 1/4 OZ
Schnurklasse 6lb – 12lb
Teile 2
Transportlänge 98cm
L1 / L2 320mm / 180mm
Griff Duplon, durchgehend
Rollenhalter Fuji ECS
Lackierung (Blank) ja
Tec. specs aus Nippon Tackle Shop. Zur C632L SP

Die Praxis

Frohen Mutes zog es mich also an das Gewässer meines Vertrauens. Voll bepackt mit Ködern verschiedenster Gewichtsklassen. Im ersten Test befand sich auf meiner Rolle noch Fluorocarbon mit einer Stärke von 0.22mm. Dies war eindeutig zu Dick, so dass ich hier auf eine Geflochtene mit 13mm gewechselt bin. Nennt mich Amateur oder Perrücken Paule. Mit meinem können und meiner Chronarch habe ich einen 61er Squirrel, der mit 4.5g zu Buche schlägt um die 15-20m geworfen. Das ist nett aber kommt an die Wurfweiten mit einer Statio nicht ran. Ebenfalls auf gute 15m flog der Ecogear PX 55 mit 4.0g. Dabei lädt sich der Blank der DEL Sol C632L Special Edition durchaus ausreichend auf. Mit einer hochleistungs Baitcaster a la Pixy sind da bestimmt noch einige Meter mehr drin. Spaß hatte ich mit Ködern in der Pointer 78 Klasse. Diese ließen sich für mich im Wurf super kontrollieren und machten auch beim Twitchen eine gute Figur. Hierbei sollte man sich nicht von dem recht weichen Blank verunsichern lassen. Natürlich habe ich auch Texas Rigs getestet. Hier kam ein 5g Tungsten mit einem 3“ Easy Shiner zum Einsatz. Diese Kombination brachte mir am meisten Spaß. Ich bekam gutes Feedback und konnte locker flockig aus dem Unterarm ins gewünschte Fanggebiet schlenzen. Auch bei Jigs um die 5gr ließ die Rute keine Wünsche offen.

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Aufgefallen ist mir, dass die Köderform und die verbaute Gewichtstechnik entscheidenden Einfluss haben auf die Leichtigkeit beim werfen. So ließen sich der Ecogear PX 55 oder der DUO Realis Shad auf Grund ihrer Bauform bzw. beim DUO aufgrund des nachhinten rutschenden Gewichts beim werfen besser kontrollieren. Der Lucky Craft Pointer aus Japan in 78 und Silent hingegen musste etwas bedachter auf weite gebracht werden.

Ein Fazit

Geht nun Finesse auch mit der Baitcaster? Ich möchte sagen JEIN. Im daily Business wird die DEL Sol C632L Special Edition meine Station Finesse Combo nicht ersetzen können. Dafür werfe ich einfach nicht weit genug. Wie oben erwähnt komm ich an den Finesse Baitcasthype einfach nicht ran. Aber Spaß macht die Combo allemal. Ich für meinen Teil hatte am diesen am meisten bei Wurfgewichten zwischen 7-14g, was mich dazu bringt das angegebene Wurfgewicht eher ein wenig nach oben zu schrauben. Ich werde sie künftig dafür einsetzen wo es nicht so auf Wurfweiten ankommt bzw. wo es nötig ist „kunstvoll“ in geäst oder unter stege zu werfen, denn mit etwas Übung legte man Köder mit der richtigen Baitcast Combo einfach besser an fängigen Plätzen ab. Bei mir wird die DEL Sol C632L Special Edition zukünftig ein Begleiter auf dem Belly Boot werden. Hier brauche ich eine Rute mit der ich gezielt versunkene Bäume treffe und genügend Kontakt zum Köder habe um zu spüren ob ich Unterwasser einen Ast treffe oder ob sich ein Barsch meinen Köder eingesaugt hat.

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Wie ist das bei euch? Seid ihr eingefleischte Baitcast Finesse Angler? Wenn ja welche Combo fischt ihr? Was sind eurer Meinung nach die Vor- / Nachteile? Wurfweiten? Es würde mich freuen wenn wir darüber diskutieren können denn dieses Thema geistert schon eine ganze Weile bei mir im Kopf herum. Ich freue mich auf eure Kommentare.

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