Hecht Schonzeit — Alle Bundesländer auf einen Blick

Die Hecht Schonzeit ist für jeden Angler in Deutschland bindend — und sie unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland erheblich. Wer im Februar in Brandenburg ans Wasser geht, darf keinen Hecht entnehmen. Wer am gleichen Tag in Baden-Württemberg fischt, muss erst ab dem 15. Februar darauf verzichten. Diese Unterschiede führen zu Verwirrung, und genau deshalb habe ich hier alle Daten in einer einzigen Tabelle zusammengefasst.

Grosser Hecht im klaren Wasser der Havel — Unterwasseraufnahme

Dieser Artikel liefert dir die kompletten Schonzeiten und Mindestmaße aller 16 Bundesländer, den biologischen Hintergrund zur Hechtschonzeit, Sonderregelungen an bestimmten Gewässern und Praxis-Tipps für den Saisonstart. Alle Angaben basieren auf den aktuellen Landesfischereiverordnungen (Stand 2026).

Hecht Schonzeit: Die große Bundesländer-Tabelle

Die folgende Tabelle zeigt die gesetzlichen Schonzeiten und Mindestmaße für den Hecht in allen 16 deutschen Bundesländern. Wichtig: An einzelnen Gewässern können abweichende Regelungen gelten — immer die Gewässerordnung des jeweiligen Vereins oder Pächters prüfen.

Infografik: Hecht Schonzeiten in Deutschland nach Bundesland — Kartenansicht

Nord- und Ostdeutschland

Bundesland Schonzeit Mindestmaß Rechtsquelle
Brandenburg 01.01.–30.04. 50 cm BbgFischO, § 14
Mecklenburg-Vorpommern 01.01.–30.04. 50 cm BiFischO MV
Berlin 01.01.–30.04. 45 cm Berliner LFischO
Schleswig-Holstein 15.02.–30.04. 45 cm BiFischO SH
Niedersachsen 15.02.–30.04. 45 cm BiFischO NDS
Hamburg 15.02.–31.05. 45 cm Hamburgische FischO
Sachsen 01.02.–30.04. 50 cm SächsFischO
Sachsen-Anhalt 15.02.–30.04. 50 cm FischO LSA
Thüringen 15.02.–30.04. 45 cm ThürFischO

Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzen den frühesten Schonzeitbeginn an — bereits am 1. Januar. Das liegt daran, dass Hechte in den flachen, kalten Gewässern Norddeutschlands früher mit dem Laichgeschäft beginnen können. Ich angle seit über zehn Jahren an der Havel und kann bestätigen: Schon Ende Dezember sehe ich große Hechte in den flachen Buchten stehen.

West- und Mitteldeutschland

Bundesland Schonzeit Mindestmaß Rechtsquelle
Nordrhein-Westfalen 15.02.–30.04. 45 cm LFischO NRW
Hessen 15.02.–30.04. 45 cm Hessische FischO
Rheinland-Pfalz 15.02.–15.04. 50 cm LFischO RP
Saarland 15.02.–30.04. 50 cm SaarFischO
Bremen 15.02.–30.04. 45 cm Bremische FischO

Rheinland-Pfalz fällt hier auf: Die Schonzeit endet bereits am 15. April — zwei Wochen früher als in den meisten anderen Ländern. Das Mindestmaß liegt dafür mit 50 cm über dem NRW-Wert von 45 cm.

Süddeutschland

Bundesland Schonzeit Mindestmaß Rechtsquelle
Bayern 15.02.–30.04. 50 cm AVBayFiG
Baden-Württemberg 15.02.–31.05. 50 cm LFischVO BW

Baden-Württemberg hat mit Abstand die längste Schonzeit: Erst am 1. Juni darf dort wieder gezielt auf Hecht geangelt werden. Der Grund: In den tieferen, kühleren Voralpenseen laichen Hechte später als im norddeutschen Flachland. Bayern setzt auf ein hohes Mindestmaß von 50 cm bei moderater Schonzeit.

Biologischer Hintergrund: Warum der Hecht geschont wird

Die Schonzeit ist kein bürokratischer Selbstzweck. Sie schützt den Hecht in seiner verwundbarsten Phase — dem Laichgeschäft. Wer die Biologie des Hechts versteht, versteht auch, warum die Schonzeit so wichtig ist.

Laichverhalten: Hechte als Frühlaicher

Der Hecht (Esox lucius) gehört zu den Frühlaichern unter den heimischen Süßwasserfischen. Während Zander und Barsch erst bei 12 bis 18 Grad Wassertemperatur laichen, beginnt der Hecht bereits bei 6 bis 12 Grad Celsius mit der Eiablage (Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow). In milden Wintern kann das schon Ende Februar passieren, in kalten Jahren zieht sich das Laichgeschäft bis in den April.

Ein weiblicher Hecht (Rogner) produziert dabei enorme Mengen an Eiern: Pro Kilogramm Körpergewicht legt sie etwa 15.000 bis 20.000 Eier ab. Ein großer Rogner von 10 kg bringt es somit auf bis zu 200.000 Eier (Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg, LAZBW). Das klingt nach viel — ist aber nötig, denn die natürliche Mortalität der Hechtbrut liegt bei über 99 Prozent. Nur etwa 0,1 bis 1 Prozent der geschlüpften Larven erreichen das erste Lebensjahr (Craig, 2008, Hydrobiologia).

Krautlaicher: Warum Flachwasserbereiche wichtig sind

Hechte sind sogenannte Krautlaicher (Phytophile). Sie heften ihre klebrigen Eier an untergetauchte Wasserpflanzen in Flachwasserbereichen — bevorzugt in überfluteten Wiesen, Altarmen und krautreichen Buchten. Die Wassertiefe beim Laichen beträgt oft nur 20 bis 60 Zentimeter.

Genau das macht Hechte während der Laichzeit besonders verwundbar: Sie stehen an gut zugänglichen, flachen Stellen und sind für Angler leicht zu finden. Ohne Schonzeit würden gezielt laichende Hechte befischt — mit verheerenden Folgen für die Bestandsreproduktion.

Die Zerstörung von Flachwasserbereichen durch Uferverbau, Gewässerregulierung und fehlende Überflutungsflächen ist neben der Befischung die größte Bedrohung für die Hechtreproduktion. Schonzeiten allein reichen nicht — der Lebensraum muss stimmen.

Ökologische Bedeutung des Hechts

Der Hecht ist der wichtigste Top-Prädator in den meisten deutschen Binnengewässern. Als Spitzenräuber reguliert er die Bestände von Weißfischen (Rotaugen, Brassen, Ukelei) und sorgt so für ein ökologisches Gleichgewicht. Fehlt der Hecht, kommt es häufig zu einer Massenentwicklung von Kleinfischen, die wiederum das Zooplankton dezimieren — mit der Folge, dass Algen überhandnehmen und die Wasserqualität sinkt.

Diese sogenannte trophische Kaskade ist wissenschaftlich gut belegt. Ein gesunder Hechtbestand ist deshalb nicht nur für Angler interessant, sondern für das gesamte Gewässerökosystem essenziell.

Hecht Mindestmaß nach Bundesland

Das Mindestmaß (auch Schonmaß genannt) gibt an, ab welcher Körperlänge ein Hecht entnommen werden darf. Untermаßige Fische müssen sofort schonend zurückgesetzt werden.

Mindestmaß Bundesländer
45 cm Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, NRW, Schleswig-Holstein, Thüringen
50 cm Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt

Die Tendenz geht klar Richtung 50 cm — biologisch sinnvoll, da Hechte mit 45 cm häufig noch nicht geschlechtsreif sind. Vor allem weibliche Hechte erreichen die Laichreife erst bei 50 bis 55 cm Körperlänge.

Vergleich Hecht vs. Zander — Schonzeiten und Mindestmaße:

Kriterium Hecht Zander
Typische Schonzeit 15.02.–30.04. 01.04.–31.05.
Frühester Schonzeitbeginn 01.01. (BB, MV, Berlin) 01.03. (vereinzelt)
Spätestes Schonzeitende 31.05. (BW, HH) 30.06. (vereinzelt)
Mindestmaß (Bandbreite) 45–50 cm 40–50 cm
Laichtemperatur 6–12 °C 12–18 °C
Laichtyp Krautlaicher Substratlaicher (Hartboden)

Für eine ausführliche Übersicht zu den Zander Schonzeiten findest du alle Details im separaten Artikel.

Sonderregelungen an bestimmten Gewässern

Die Landesfischereiverordnung bildet nur den gesetzlichen Rahmen. An vielen Gewässern gelten zusätzliche oder abweichende Regeln.

Illustration: Hecht beim Laichen im Flachwasser zwischen Krautpflanzen

Verbandsgewässer mit abweichenden Zeiten

Angelvereine und Fischereipächter können strengere Schonzeiten festlegen als das Landesrecht vorschreibt — aber niemals lockerere. An Verbandsgewässern des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV) und der Landesanglerverbände gelten deshalb häufig längere Schonzeiten oder höhere Mindestmaße. Beispiel: Einige DAV-Gewässer in Sachsen-Anhalt verlangen ein Mindestmaß von 60 cm statt der gesetzlichen 50 cm.

Immer die Gewässerordnung im Erlaubnisschein lesen — sie ist verbindlich.

Naturschutzgebiete und Sperrungen

In Naturschutzgebieten und an bestimmten Gewässerabschnitten gelten zusätzliche Einschränkungen. Das kann ein generelles Angelverbot während der Laichzeit bedeuten oder ein Befahrungsverbot für Boote in Flachwasserbereichen. Besonders betroffen: Altarme und Überflutungsflächen, die als Laichhabitate dienen.

In Brandenburg gibt es beispielsweise an Teilen der Unteren Havel eine erweiterte Sperrung, die über die reguläre Schonzeit hinausgeht — zum Schutz der Laichgebiete.

Künstliche Besatzgewässer

An Gewässern mit künstlichem Hechtbesatz können abweichende Regelungen gelten. Manche Vereine setzen nach einem Besatz eine verlängerte Schonzeit von 6 bis 12 Monaten an, um den Besatzfischen Zeit zur Akklimatisierung zu geben. Andere Gewässer mit reinem Put-and-Take-Betrieb kennen keine Schonzeit — das ist allerdings die Ausnahme und betrifft fast nur kommerzielle Forellenteiche.

Strafen bei Verstoß gegen die Hecht-Schonzeit

Wer einen Hecht während der Schonzeit entnimmt oder einen untermаßigen Hecht nicht zurücksetzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Sanktionen variieren je nach Bundesland:

  • Bußgeld: 50 bis 5.000 Euro, je nach Schwere und Bundesland
  • Wiederholungstäter: Höhere Bußgelder, Entzug des Fischereischeins möglich
  • Vorsatz vs. Fahrlässigkeit: Vorsätzliche Entnahme während der Schonzeit wird deutlich schärfer geahndet
  • Fischereischeinentzug: In schweren Fällen oder bei Wiederholung droht der Entzug für bis zu 5 Jahre

Besonders teuer wird es in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Bußgelder am oberen Ende der Skala liegen. In NRW und Niedersachsen fallen die Strafen tendenziell moderater aus, können aber bei Wiederholung ebenfalls empfindlich steigen.

Mein Rat: Kein Fisch ist ein Bußgeld wert. Wer sich unsicher ist, misst nach und setzt im Zweifel zurück.

Wann fängt die Hechtsaison an?

Nach Monaten ohne Hechtangeln juckt es jedem Raubfischangler in den Fingern. Aber wann genau darf man wieder los — und wann lohnt es sich wirklich?

Direkt nach Schonzeit: Frühsommer-Hechte

In den meisten Bundesländern startet die Hechtsaison am 1. Mai. Die Hechte haben gerade gelaicht und befinden sich im sogenannten Nachlaich-Fressrausch. Vor allem die Rogner sind nach dem kräftezehrenden Laichgeschäft ausgehungert und fressen aggressiv.

Die ersten zwei bis drei Wochen nach Saisonstart gelten unter erfahrenen Anglern als eine der produktivsten Phasen des Jahres. Die Hechte stehen noch flach, oft in 1 bis 3 Metern Tiefe in der Nähe ihrer Laichplätze. Spinnfischen mit Gummifischen, Wobblern oder Jerkbaits in den frühen Morgenstunden bringt jetzt die besten Ergebnisse.

Für mehr Taktik-Tipps zum Saisonstart schau in den Havelritter Hecht-Guide — dort gehe ich detailliert auf Köder, Führungsstile und Spots ein.

Die Hochsaison im Herbst

Der Herbst — speziell September bis November — ist die klassische Hechtsaison. Die Wassertemperaturen sinken, die Hechte fressen sich Reserven für den Winter an. Die Fische stehen jetzt tiefer (3 bis 8 Meter) und reagieren gut auf größere Köder: 15 bis 20 cm Gummifische, große Swimbaits und Deadbaits.

Die Durchschnittsgröße der gefangenen Hechte steigt im Herbst deutlich. Wer gezielt auf Großhechte über 80 cm angelt, hat im Oktober und November die besten Chancen.

Winterhechte: Große Fische bei Kälte

In Bundesländern ohne erweiterte Winter-Schonzeit (also überall außer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin) darf bis zum Schonzeitbeginn am 15. Februar auf Hecht geangelt werden. Die Wintermonate Dezember und Januar bieten Chancen auf kapitale Fische — die Hechte sind träge, fressen seltener, aber wenn sie zubeißen, sind es häufig die großen Exemplare.

Langsam geführte Köder, Deadbaits am Grund und Finesse-Methoden bringen im Winter die besten Resultate. Geduld ist Pflicht.

Häufig gestellte Fragen zur Hecht Schonzeit

Wann ist Schonzeit für Hecht?

Die Hecht-Schonzeit beginnt in den meisten Bundesländern am 15. Februar und endet am 30. April. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gilt eine erweiterte Schonzeit vom 1. Januar bis 30. April. Baden-Württemberg und Hamburg schützen den Hecht sogar bis zum 31. Mai.

Was passiert wenn man in der Schonzeit einen Hecht fängt?

Ein während der Schonzeit gefangener Hecht muss sofort schonend zurückgesetzt werden. Wer einen Hecht in der Schonzeit entnimmt, riskiert ein Bußgeld zwischen 50 und 5.000 Euro — je nach Bundesland. In schweren oder wiederholten Fällen kann der Fischereischein entzogen werden.

Wie groß muss ein Hecht sein um ihn mitzunehmen?

Das Mindestmaß für Hecht liegt in Deutschland je nach Bundesland zwischen 45 cm und 50 cm. In Bayern, Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg gilt ein Mindestmaß von 50 cm. In NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind es 45 cm. Untermаßige Hechte müssen zurückgesetzt werden.

Warum wird der Hecht geschont?

Der Hecht ist ein Frühlaicher, der zwischen Februar und April bei niedrigen Wassertemperaturen ablaicht. Die Schonzeit schützt die Laichtiere und sichert die natürliche Reproduktion. Als Top-Prädator reguliert der Hecht Weißfischbestände und hält das ökologische Gleichgewicht in Binnengewässern aufrecht.

Wann beginnt die Hechtsaison nach der Schonzeit?

In den meisten Bundesländern beginnt die Hechtsaison am 1. Mai. In Baden-Württemberg und Hamburg erst am 1. Juni. Direkt nach Schonzeitende stehen die Hechte noch im Flachwasser und fressen sich nach dem Laichgeschäft aktiv auf. Viele Angler halten die ersten zwei Wochen nach Saisonstart für die beste Fangzeit des Jahres.

Gilt die Schonzeit auch an privaten Teichen?

An privaten, geschlossenen Gewässern ohne Verbindung zu öffentlichen Fließgewässern können Eigentümer eigene Regeln festlegen. Allerdings gilt: Sobald ein Gewässer unter das Landesfischereigesetz fällt — was bei den meisten Teichen der Fall ist — gelten auch die gesetzlichen Schonzeiten. Im Zweifel immer die untere Fischereibehörde fragen.