Auf Grundlage der Preiserhöhung für die Potsdamer Havelkarte habe ich mich am Dienstag, den 12. Dezember 2017 ins Haifischbecken des Fischereischutzvereins Havel Potsdam e.V. begeben, um dort von Herr Mario Weber (Vereinsvorsitzender) ein paar Antworten auf die dringlichsten Fragen rund um die neue Havelkarte zu erhalten.

In meinem Fragenkatalog befanden sich Notizen mit allgemeinen Fragen zum Fischereischutzverein, der Preiserhöhung für die 2018er Angelkarten sowie Rückfragen zu unklaren Punkten im Bereich des neuen Regelwerks.

Viele haben mich vor diesem Gespräch gewarnt und den Ausgang der Unterhaltung fast auf den Punkt genau vorhergesagt. Das Resultat untermauert leider eindrücklich, wie festgefahren die Fronten zwischen Anglern und Berufsfischern in Potsdam und Umgebung sind.

Das gilt zumindest dann, wenn wir die Aussagen des Vereinsvorsitzenden stellvertretend für alle im Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V. organisierten Mitglieder betrachten. Los geht’s:

Allgemeine Fragen zum Fischereischutzverein

Die Hoffnung stirbt zuletzt

In Vorbereitung auf alle weiteren Fragen wollte ich vom Vereinsvorsitzenden zuerst ein paar grundlegende Informationen zum Fischereischutzverein Havel Potsdam beantwortet haben, um für ein allgemein besseres Verständnis der Struktur, Interessen und Aktivitäten zu sorgen.

1. Was ist das Ziel des Vereins / welche konkreten Interessen werden durch den Fischereischutzverein Havel Potsdam e. V. vertreten?

2. Wie viele Mitglieder sind derzeit im Fischereischutzverein organisiert und welchen Berufsgruppen gehören die Vereinsmitglieder an bzw. sind ausschließlich Berufsfischer im Verein organisiert?
3. Wie viele Jahreskarten wurden 2017 verkauft (normale Havelkarte + Kleine Havelkarte), wofür sind die Einnahmen verwendet worden und wie sehen die Verkaufsprognosen für 2018 aus?

Bis über die erste Fragestellung bin ich nicht hinaus gekommen. Die Anwort auf Frage eins lautete im O-Ton: „Um das Gespräch nicht unnötig in die Länge zu ziehen, werde ich keine Fragen zum Fischereischutzverein Havel Potsdam e. V. beantworten. Das sind interne Informationen, die Sie nicht zu interessieren haben“. Sinngemäße Rückfrage aus meinem Gedächtnisprotokoll:

Herr Weber, Sie sind sich im klaren darüber, dass abseits der spärlichen Auskünfte im Vereinsregister (Amtsgericht Potsdam) praktisch keine Hintergrundinformationen über den Fischereischutzverein Havel Potsdam e. V. existieren, die FSV-Webseite einer inhaltslosen Wüste gleicht und der Verein nicht zuletzt durch Ihre Antwort auf meine erste Frage weiterhin als eine Art „Black Box“ wahrgenommen werden könnte – mit allen negativen Konsequenzen in der Außendarstellung.

Meiner Meinung nach führte u. a. genau diese „mauernde“ Verhaltensweise in der Vergangenheit dazu, dass die Fronten mit Status quo festgefahren sind und ein konstruktives Miteinander zwischen dem Fischereischutzverein und den Potsdamer Anglern, Angelvereinen sowie Angelgeschäften per se ausgeschlossen ist.

Ist das so gewollt? Besteht wirklich keinerlei Interesse daran, die Gesamtsituation wenigstens durch eine etwas transparentere Kommunikation zu verbessern? Perspektivisch könnte sich solch ein Verhalten nämlich nicht nur positiv auf die Bestände, Interessen der Angler und Berufsfischer, sondern auch auf wirtschaftliche Faktoren am Standort Potsdam auswirken.

Als Antwort auf meine Zusammenfassung bekam ich keinen Kommentar. Ob das wirklich im Sinne aller Vereinsmitglieder ist, wage ich insbesondere im Hinblick auf die vielschichtigen Auswirkungen dieser „Strategie“ stark zu bezweifeln. Mir blieb an dieser Stelle jedoch nichts anderes übrig, als tief durchzuatmen und mit der nächsten Frage fortzufahren.

Fragen zur Preiserhöhung für die neuen Angelkarten

Verantwortungslos und egoistisch

Es dürfte kein unbekanntes Phänomen sein, dass immer dann besonders laut gejammert wird, wenn es an das eigene Geld geht. Ich persönlich finde 120 EUR für die Jahreskarte „Tag“ zwar angemessen, Rückfragen gab es dazu aber trotzdem.

3. Bei einer Versechsfachung der Gebühren von 20 auf 120 EUR muss klar gewesen sein, dass diese Entscheidung für erhitzte Gemüter sorgen wird. Warum gab und gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine Stellungnahme zur Gebührenerhöhung bzw. auf welcher Grundlage rechtfertigen Sie die enorme Preissteigerung?

Antwort: Wir legen die Gebühren nach eigenem Ermessen fest und müssen gar nichts begründen – oder uns für unsere Entscheidungen rechtfertigen.

4. Allgemein wird die Gebührenerhöhung als Kompensationsleistung für die mäßige Ausbeute in den Fangeräten der Berufsfischer gewertet. Sie erweckt den Eindruck, als wären allein die Angler an den schlechten Fischbeständen schuld und genau die werden jetzt dafür zur Kasse gebeten. Was sagen Sie zu dem Vorwurf?

Antwort: Kein Kommentar.

5. Bei einer Versechsfachung der Gebühren erwarten nicht nur die Angler eine gewisse Art „Gegenleistung“, z.B. durch verstärkte Besatzmaßnahmen, eine mengenmäßige Reduzierung der Reusen und Stellnetze bzw. einfach ausgedrückt: Eine wesentlich nachhaltigere Bewirtschaftung der Potsdamer Havel durch die Berufsfischer. Wie sieht diesbezüglich die Planung für das kommende Jahr aus?

Antwort: Kein Kommentar.

6. Bis Ende 2016 hielten sich die Kontrollen der Angler im überschaubaren Rahmen. Seit Anfang 2017 scheint sich die Situation jedoch grundlegend geändert zu haben. An den Hot-Spots im Hafen und der alten/neuen Fahrt werden vermehrt Kontrollen durch das Ordnungsamt durchgeführt. Werden die Kontrollen durch Fischereiaufseher, Ordnungsamt, Wasserschutzpolizei und Berufsfischer zukünftig auch an abgelegeneren Stellen durchgeführt?

Antwort: Ja, es wird 2018 noch mehr und weiträumiger kontrolliert, u. a. durch die Berufsfischer. Zu den Kontrollen durch das Ordnungsamt oder die Wasserschutzpolizei kann ich keine Auskunft geben. Da fragen Sie bitte die betreffenden Stellen selbst.

Anmerkung: Das werde ich sehr gerne machen.

7. Die Auswirkungen der Gebührenerhöhung nur in Bezug auf die Folgen für die Berufsfischer zu betrachten finde Ich wohlwollend formuliert etwas „engstirnig“. Haben Sie bei der Festsetzung der neuen Gebühren auch an IHRE soziale Verantwortung (Rentner, Geringverdiener, sozial benachtteiligte Gruppen) und die wirtschaftliche Tragweite, speziell für unsere lokalen Angelgeschäfte gedacht?

Antwort: Niemand muss sich eine Jahreskarte „Tag“ für 120 EUR kaufen. Das sind runtergerechnet auf 365 Tage nur ca. 40 Cent pro Tag. Das sollte es jedem Angler wert sein. Der Rest interessiert uns nicht.

8. Warum wurden im Vorfeld nicht die Angler, Angelvereine oder Angelläden zur Gebührenerhöhung befragt? Spätestens hier wäre doch aufgefallen, dass eine urplötzlich und vor allem unbegründete Preissteigerung in diesem Ausmaß für noch mehr Antipathie gegenüber dem Fischereischutzverein sorgen wird. Denkbar wäre zum Beispiel eine schrittweise Anpassung oder / und die Einführung von Teilstrecken gewesen. Was sagen Sie dazu?

Antwort: Wir müssen überhaupt niemanden fragen. Wir machen das, was wir für richtig halten.

9. Die normale Havelkarte „Tag“ kostet ab 2018 für nicht Vereinsmitglieder 120 EUR pro Jahr. Angler die sich hingegen einem Verein anschließen zahlen nur ca. 85 EUR pro Jahr (Mitgliedschaft inkl. Kleine Havelkarte) und können zusätzlich weitere Vereinsgewässer befischen (~ 35 EUR gespart + mehr Leistung fürs Geld).

Ich denke das ihre Rechnung kurzfristig nicht auf geht und Sie die Angler durch ihr Verhalten förmlich dazu nötigen, sich zwischenzeitlich in einem Verein des LAVB / DAFV zu organisieren. Das wiederum führt dazu, dass der Fischereischutzverein Havel Potsdam e. V. nicht an die vollen 120 EUR eines „Normalzahlers“ kommt.

Haben Sie das bei ihrer Kalkulation berücksichtigt? Wann läuft der Vertrag mit dem DAFV aus / wann werden die Konditionen für die sog. „Kleinen Havelkarte“ neu verhandelt?

Antwort: Die „Umgehung“ der vollen Gebühren haben wir berücksichtigt. Fragen zum Vertrag mit dem DAFV beantworte Ich nicht.

10. (hypothetische Frage): Was passiert, wenn sich eines der Mitglieder vom Verein trennt, z.B. weil wesentlich weniger Angelkarten direkt verkauft werden, und derjenige die Karten für den eigenen Teilabschnitt wieder günstiger anbietet? Wenn ich mich recht erinnere, gab es eine solche Situation in der jüngeren Vergangenheit bereits.

Antwort: Das sehen wir dann.

Rückfragen zu den „Bedingungen“ auf der neuen Havelkarte

Der Teufel steckt im Detail!

Wer sich die sogenannten „Besonderen Bedingungen“ von Punkt 1 bis 27 genau durchgelesen hat, der kratzte sich an der ein oder anderen Stelle verwundert am Kopf. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch den Kombinationsmöglichkeiten der unterschiedlichen Tages- und Nachtanglekarten!

11. Ist es richtig, dass die Jahreskarte „Tag“ nur mit der Jahreskarte „Nacht“ kombiniert werden kann? Ich kann mir als Besitzer der Jahresangelkarte „Tag“ also nicht frei aussuchen, für welchen Zeitraum Ich eine Tages-, Wochen- oder Monats-Nachtangelerlaubnis benötige?

Antwort: Ja, das ist richtig. Die Tages- und Nachtangelerlaubnis kann nur wie folgt kombiniert werden: Tagesangelkarte „Tag“ mit Tagesangelkarte „Nacht“, Wochenangelkarte „Tag“ mit Wochenangelkarte „Nacht“, Monatsangelkarte „Tag“ mit Monatsangelkarte „Nacht“, Jahresangelkarte „Tag“ mit Jahresangelkarte „Nacht“.

12. Unter Punkt 19 werden bei Verstößen gegen die auf der Angelkarte genannten Bedingungen Strafzahlung von bis zu 500 EUR fällig. Wer legt die Höhe der Strafzahlung fest und wo finde Ich den Bußgeldkatalog, z.B. für den Fall „Abstand zur Reuse geringer als 50 m“? Kommt ja nicht selten vor, dass man sich da ohne Echolot mit Kartenplotter etwas verschätzt #räusper.

Anmerkung: Sorry, entweder gab es auf diese Frage keine Antwort oder ich habe das Schulterzucken übersehen. Feedback hole ich mir über die Untere Fischereibehörde und das Ordnungsamt ein. Willkürlich / frei nach Nase dürfte das theoretisch nicht entschieden werden. Sollte es zu solch einer Maßnahme bei Fehlverhalten kommen, kann ich euch nur empfehlen den Sachverhalt genau zu überprüfen und ggf. anwaltliche Unterstützung hinzuzuholen!

13. Unter Punkt 16 ist der Gebrauch von Echoloten zum Fischfinden verboten. Jetzt mal Hand aufs Herz Herr Weber; das Echolot dient auf dem Angelboot nicht nur zum Fische finden sondern auch für eine sichere Navigation bei Nachtfahrten, zum Schutz vor Auflaufen und noch viel wichtiger; das Echolot schützt auch vor pratisch unsischtbaren Fanggeräten und vermoderten Reusenstangen die einfach ihrem Schicksal überlassen wurden, z.B. rechter Hand hinter der Pirschheide Brücke und an unzähligen anderen Stellen direkt in Ufernähe des Templiner und Schwielow See! Mit dieser überflüssigen Regelung halten Sie bestenfalls einen 8-jährigen vom Einsatz eines Echolots ab. Wie wollen Sie die Nutzung des Echolots zum Fischfinden auf einem Angelboot beweisen?

Antwort: Schulterzucken.

Anmerkung: Die sicherheitsrelevanten Aspekte dürften bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung überwiegen / nicht als „Schutzbehauptung“ gewertet werden. Lasst euch nicht einschüchtern und holt euch im Fall der Fälle einen Anwalt zur Hilfe!

14. Über die Schonzeit für Rapfen (01.04. – 30.06.) und das Mindestmaß von 40 cm macht sich die halbe Republik lustig. Ich würde das gerne verstehen. Können Sie mir etwas zu den Hintergründen für diese Sonderbehandlung sagen?

Antwort: Keine Ahnung, steht da so drin. (Schulterzucken)

15. Unter Punkt 11 und 12 sind diverse Fangbeschränkungen für Raub- und Friedfische inkl. „Küchenfenster“ von 35 bis 70 cm für Karpfen hinterlegt. Hervorragend! Das ist zur Laichfischschonung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber was ist mit der Einführung eines Fangfensters für Hecht und Zander? Haben Sie das vergessen?

Antwort: Auf die Einführung eines Küchenfenster für Hecht und Zander wurde unter Berücksichtigung der zahlreichen neuen Einschränkungen bewusst verzichtet. Wenn Sie die Einführung wünschen, kann ich den Vorschlag gerne einbringen.

Anmerkung: Auch wenn ich mich damit unter den Großfisch-Abknüppel-Idioten höchst unbeliebt mache: Ja, das Küchenfenster für Hecht, Zander und Barsch ist aus meiner Sicht notwendig!

16. Unter Punkt 27 ist für die Durchführung geführter Angeltouren / Angelguidings eine besondere Regelung getroffen worden. Warum wurde diese Regelung eingeführt und was kostet die Lizenz?

Antwort: Die Lizenzregelung wurde präventiv eingeführt. Genauere Informationen zu den Kosten sind noch nicht verfügbar.

– Ende der Unterhaltung –

Mein persönliches Fazit

Da half weder Charme noch gute Vorbereitung

Katastrophe! Gesprächsversuch mit dem Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V.

Katastrophe! Gesprächsversuch mit dem Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V.

Aus Sicht des Berufsfischers kann ich den grummeligen und wortkargen Ausführungen von Herr Weber noch ein gewisses Maß an Verständnis entgegen bringen. Er möchte einfach nur in Ruhe seineb Job machen und dabei möglichst nicht mit dem gejammere der Angler konfrontiert werden. Alles cool! Aber:

Das Gespräch wurde nicht mit dem Berufsfischer Weber, sondern mit dem Vorsitzenden des Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V. geführt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet lassen die respektlos abwertenden und eigennützig servierten Antworten doch stark zu wünschen übrig.

Vor diesem „Gespräch“ war ich noch der Meinung, dass meine 120 EUR für die Jahreskarte „Tag“ beim Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V. am besten aufgehoben sind. Glücklicherweise wurde ich durch diese erleuchtende Begegnung eines besseren belehrt und wähle nun einen anderen Weg:

So lange sich der Fischereischutzverein Havel Potsdam e.V. mir / uns gegenüber so verhält, stopfe ich diesem undurchsichtigen Interessenverband keinen Cent mehr in die Tasche, als unbedingt notwendig ist. Meine günstigere Alternative über die „Kleine Havelkarte“ nebst Mitgliedschaft im LAVB ist damit beschlossene Sache – 5 EUR Schutzgebühr für die „Kleine Havelkarte“ zzgl. ca. 80 EUR Vereinsmitgliedschaft = 85 EUR. Stay tuned!