Megabass – Suc(k)cess Story einer Premiummarke

Ursprünglich sollte dieser Artikel nicht viel mehr als eine News-Meldung werden. Im Zuge der Recherchearbeiten stellte sich aber heraus das die vermeintlich „heiße“ Geschichte bereits älter als der Trabi meiner Großeltern ist und daher keinesfalls im anvisierten Format online gehen konnte. Ich […]

Ursprünglich sollte dieser Artikel nicht viel mehr als eine News-Meldung werden. Im Zuge der Recherchearbeiten stellte sich aber heraus das die vermeintlich „heiße“ Geschichte bereits älter als der Trabi meiner Großeltern ist und daher keinesfalls im anvisierten Format online gehen konnte. Ich habe mich bis zur heutigen Veröffentlichung an den verstreuten Informationen im Netz entlang gehangelt und abschließend den Ist-Stand bei einigen Händlern erfragt. Das Resultat war so ernüchternd das ich zwischenzeitlich nicht mal mehr Bock hatte diesen Beitrag fertigzustellen.

Ihr erinnert euch sicherlich an die Top-Story vom März 2012. Anfang des Jahres wurde dem Nippon Tackle Onlineshop der Verkauf importierter JDM-Rollen untersagt. Die Herren aus Gröbenzell schienen damals jedes Taktgefühl verloren zu haben und schickten ihre Advokaten los, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Das Echo auf den durch DAIWA-Cormoran Deutschland initiierten Verkaufsstopp war gewaltig. Zumindest innerhalb unserer kleinen, sehr kleinen Dunstglocke (…)

Heute möchte ich euch am Beispiel Megabass zeigen, wie Importe mit wesentlich weniger Medienrummel unterbunden werden können, und anschließend einen Blick darauf werfen, wie es um die Zukunft der Marke Megabass in Deutschland bestellt ist.

Die Geschichte nahm im Jahre des Herren 2009 ihren Lauf. So richtig genau weiß das anscheinend niemand mehr. Zum damaligen Zeitpunkt X wurde der Grundstein für den Vertrieb von Megabass Produkten über die heutige DAIWA-Cormoran Sportartikel GmbH gelegt. Das es zu diesem Zeitpunkt bereits einen blickigen Geschäftsmann im Osten unserer Republik gab schien niemanden zu stören.

Martin, Inhaber des Spinner & Co[1] Angelshops hat das Potenzial der Marke früh erkannt und reagierte bereits im Januar 2008 auf die nicht mehr zu überhörenden Hilferufe der JDM-Fraktion. Neben einer umfangreichen Auswahl diverser Megabass Wobbler befanden sich auch die heiß begehrten Megabass-Ruten im Sortiment. Was nicht „on-stock“ war wurde auf Kundenwunsch direkt über Megabass Japan bestellt.

FYI: Gründungsdaten deutscher JDM-Hochburgen
→ Fishing For Men Forum, August 2007
→ S.W.A.T Fishing Webshop, Anfang 2008
→ Nippon Tackle Shop, Februar 2009 

Knapp 1 Jahr nach Grundsteinlegung war es endlich soweit. Der deutsche Vertriebspartner begann 2010 mit der Umsetzung seiner „Vertriebsstrategie“ und führte Megabass ohne vorgelagerte Werbemaßnahmen, Hinweise auf der Homepage oder sonstige den Händler unterstützende Maßnahmen in Deutschland ein. Ähnlich „kreativ“ zeigte man sich bei der Auswahl der Händler und der Tiefe des Sortiments. Beides wurde soweit zurechtgestutzt das am Ende nur ein knappes Dutzend Händler mit einem noch viel knapperen Sortiment ausgestattet wurde.

2011 – Im Spinner & Co Angelshop wurden fröhlich die aus Japan importieren Megabass Produkte verkauft und in Gröbenzell interessierte sich noch immer niemand dafür. Man lebte die friedliche Koexistenz. Das Jahr war noch keinen Monat alt da erhielt Martin Post aus Japan. Sinngemäß bedankt man sich in wohl gewählten Worten für die sehr gute Zusammenarbeit und würde sich freuen den Spinner & Co Shop auch in Zukunft beliefern zu können – über DAIWA-Cormoran Deutschland.

Nicht schön für Martin, aber ein ausgezeichnetes Beispiel dafür wie man einen bislang guten Kunden nicht nachhaltig vergrauelt. Es ging sogar soweit das die noch vorhandenen Megabass Restbestände in Ruhe abverkauft werden dürfen. Glanzleistung, so wird’s gemacht! Weiter im Text. Martin meldete sich selbstverständlich umgehend beim deutschen Vertrieb und bat um die Zusendung der Geschäftsunterlagen. Die Antwort fiel weit weniger Umfangreich aus, als erwartet. DAIWA-Cormoran teilte mit:

„[…] Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir sind derzeit in Vorbereitung für die MEGABASS Projektion in Deutschland. Ihr zuständiger Außendienstmitarbeiter, Herr xxx, wird sich mit Ihnen im März in Verbindung setzen und weitere Details besprechen […]“

Wir schauen kurz auf’s Zeiteisen und halten an dieser Stelle fest: 2009, 2010, 2011 – drei Jahre, richtig? Standing ovation! Damit ist der nachweislich erste Anti-Aging Kurort der Welt für eröffnet erklärt. Ach, und bevor ich es vergesse. Natürlich hat sich bis heute kein Außendienstmitarbeiter bei Martin gemeldet. Vermutlich haben sie den armen Kerl, genau wie die Vertriebsrechte an Megabass einfach nur vergessen.

2012 – Du liest diesen Beitrag und kennst im schlimmsten Fall Vision 110, Pop Max, Flap Slap und Griffon? Das ist wirklich schade! Schau dir mal den Megabass Katalog[2], oder besser noch die Printversion des 2012ers an. Du wirst heulen und spätestens dann verstehen warum ich diesen Beitrag geschrieben habe. Sollte das nicht der Fall sein, hörst Du jetzt auf und kümmerst dich um die wirklich wichtigen Dinge. Tschüssi….

Megabass – Heute

Bevor es weiter geht,  muss ich noch ein paar Dinge klarstellen. Es geht in diesem Artikel nicht darum für die Marke Megabass den gleichen Werbedruck einzufordern wie es beispielsweise bei Illex der Fall war. Des Weiteren möchte Martin erwähnt haben, dass seitens Daiwa-Cormoran Deutschland keinerlei Druck auf ihn ausgeübt wurde. Speziell die nachfolgenden Worte basieren einzig auf den oben genannten Fakten, einer kurzen Analyse der Marke Megabass im Web und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen. Also alles in allem eine sehr begrenzte und mit Vorsicht zu genießende Sichtweise die nur meinen Eindruck widerspiegelt.

Megabass am PoS

Nüchtern betrachte kann man die Markteinführung Positionierung der Marke Megabass am Point of Sale getrost als Rohrkrepierer bezeichnen. In den Angelgeschäften findet man entweder nichts, oder nur den üblichen Einheitsbei aus den Bestelllisten. Sofern sich die befragten Angelshops recht erinnern und ich korrekt recherchiert habe, gab es seitens DAIWA-Cormoran Deutschland innerhalb von 4 Jahren keine einzige unterstützende / verkaufsfördernde Maßnahme, z.B. Online- oder Printwerbung. Anstelle dessen vertraut man darauf das sich der Stationärhandel selbst darum kümmert und überlässt die Marke sich selbst – R.I.P.

Megabass im Netz

Befragt man das Orakel heute nach Megabass spuckt es im besten Fall 1 – 2 relevante Antworten aus. Für die ersten beiden Ergebnisse wird ein Fremdsprachenkurs benötigt. Danach kommt der Spinner & Co Onlineshop und von Daiwa-Cormoran Deutschland fehlt fast jede Spur. Mit etwas Mühe entdeckt man Sie auf Seite ~30 in den SERPs[3]. Liegt aber nur daran, dass sich auf daiwa.de ganz rechts unten ein kleines Auswahlmenü mit einem Verweis zur Megabass-Händlersuche befindet. Mehr, geschweige denn eine deutsche Webseite existiert nicht.

Die weltweiten Megabass Internet-Repräsentanzen aus der Wayback Machine incl. Domain-Screenshot vom ersten Tag. Auf’s Datum klicken, paar Sekunden warten und ab geht die Reise…
→ Megabass Japan, 06.03.2000
→ Megabass Russland, 03.12.2003
→ Megabass USA, 15.12.2004
→ Megabass Australien,  22.01.2007
→ Megabass Deutschland,  Ausblick

Gucken wir uns mal grobschlächtig an, ob basierend auf den jährlichen Suchanfragen überhaupt Interesse an Megabass im Internet besteht. Vergleicht man die Menge der weltweiten Suchanfragen von Illex (exact term) mit denen von Megabass (exact term) ergibt sich ein halbwegs brauchbarer Vergleichswert. Rapala dient in den folgenden Diagrammen „nur“ als Referenzpunkt.

Nach Megabass wird global betrachtet etwas häufiger gesucht, als nach Illex. Hört sich zunächst nicht schlecht an, relativiert sich aber sobald man sich vor Augen hält das Illex fast das komplette Suchvolumen einzig aus dem deutschen und französischen Markt generiert. Da uns heute ausnahmsweise weder Frankreich noch der Rest der Welt interessiert, werfen wir einen Blick auf die Interessen deutscher Suchmaschinen-User in der Kategorie Angeln.

Ich würde sagen das entspricht exakt dem, was von den 3 Marken im Deutsch-Wide-Web wahrzunehmen ist. Illex profitiert nach wie vor vom immensen Werbedruck zwischen 2006 und 2009. Rapala kümmert sich auffallend unauffällig um den deutschen Markt – schafft’s doch irgendwie mitzuhalten. Na ja, und Megabass hängt am Defibrillator. Basierend auf dem Interesse der Suchenden und dem Angebot der Bietenden zeichnet sich im Netz das gleiche Bild ab wie im Stationärhandel – R.I.P.

Megabass Suchanfragen im Vergleich zu Illex und Rapala in Deutschland

Megabass – Morgen

Viel Schmalz wird nicht benötigt, um festzustellen das Megabass in irgendeiner Schublade der „Vertriebsspezialisten“ vergammelt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich die Entscheidung sogar nachvollziehen. Zu geringes Interesse in einem viel zu kleinen Markt, für „viel zu teure“ Produkte. Ganz so engstirnig sollte man die Angelegenheit jedoch nicht betrachten. Megabass eignet sich vielleicht nicht für exorbitant hohe Umschlagszahlen, aber dafür bringt die Marke etwas viel wertvolleres mit […]

Megabass Racing Condition 256

Bevor ich jetzt anfange Bedeutungsschwanger daher zu schwafeln, überlasse ich euch den Blick in die Glaskugel. Ich hoffe einfach dass sich Megabass Japan irgendwann die Frage danach stellt, was hier in Deutschland eigentlich los ist. Wenn ihr Martin noch einen Besuch abstatten möchtet, könnt ihr hier die letzten Megabass Produkte abgreifen bevor sie endgültig verramscht werden. Wäre schade drum! Zum Abschluss tanz i noch eine Runde so, als gäb’s kein Morgen mehr. Natürlich mit Megabass