TL;DR – Spinnfischen in 30 Sekunden:
- Spinnfischen ist die aktivste Angelmethode – du wirfst einen Kunstköder aus und holst ihn so ein, dass er einen Beutefisch imitiert.
- Für den Einstieg reichen eine 2,40-m-Rute (7–28 g WG), eine 2500er Stationärrolle und geflochtene Schnur – Gesamtkosten ab 150 €.
- Gummifische sind der vielseitigste Köder: 72 % der deutschen Spinnfischer setzen sie als Hauptköder ein (Quelle: Anglerboard-Umfrage 2024).
- Die drei Hauptzielfische sind Barsch (Einsteiger), Zander (Technik) und Hecht (Power).
- Köderführung schlägt Ausrüstung: Erst wenn du Jiggen, Faulenzen und Twitchen beherrschst, wird dein Tackle wirklich relevant.
Was ist Spinnfischen? Grundlagen erklärt
Spinnfischen bedeutet, einen Kunstköder auszuwerfen und aktiv wieder einzuholen. Du imitierst dabei einen fliehenden oder kranken Beutefisch – und provozierst so den Jagdinstinkt von Raubfischen wie Barsch, Zander und Hecht. Im Gegensatz zum Ansitzangeln, wo du passiv am Wasser sitzt und auf einen Biss wartest, bist du beim Spinnfischen ständig in Bewegung.
Das Prinzip ist simpel: Auswerfen, einholen, Bisse provozieren. Die Kunst liegt in der Köderführung – also darin, wie du den Kunstköder durchs Wasser bewegst. Und genau das macht Spinnfischen so faszinierend: Jeder Wurf ist anders, jeder Einhol-Rhythmus kann den entscheidenden Biss bringen.
In Deutschland angeln rund 6,35 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr, und das Spinnfischen hat sich neben dem Ansitzangeln zur beliebtesten aktiven Methode entwickelt (DAFV Jahresbericht 2024). Der Angelgerätemarkt liegt bei geschätzten 1,2 Milliarden Euro Umsatz, wobei Kunstköder das am stärksten wachsende Segment darstellen (DAFV/GfK 2024).
Ich fische seit 2013 fast ausschließlich mit Kunstködern an der Havel und in Brandenburger Gewässern. Was mich am Spinnfischen am meisten gepackt hat: Du suchst den Fisch aktiv, statt auf ihn zu warten. An einem guten Tag laufe ich 5–8 km am Ufer entlang und mache 200 Würfe. Das ist kein Sitzen und Warten – das ist aktives Jagen.
Die richtige Spinnrute auswählen
Die Spinnrute ist dein wichtigstes Werkzeug. Sie überträgt Köderbewegungen, signalisiert Bisse und wirft den Köder ans Ziel. Drei Parameter entscheiden über die Wahl: Länge, Wurfgewicht und Aktion.
Länge, Wurfgewicht und Aktion
Länge: Kurze Ruten (1,80–2,10 m) sind präziser an zugewachsenen Ufern und vom Boot. Lange Ruten (2,40–2,70 m) werfen weiter und kontrollieren den Köder besser auf Distanz. Für die meisten Situationen in deutschen Gewässern liegt das Optimum bei 2,40 m – laut einem Spinnruten-Vergleich von Fisch & Fang (2024) deckt diese Länge rund 80 % aller Einsatzszenarien ab.
Wurfgewicht (WG): Gibt an, welches Ködergewicht die Rute optimal werfen kann. Für Barsch reichen 1–15 g, für Zander 7–35 g, für Hecht 20–80 g. Mein Tipp: Eine Allround-Rute mit 7–28 g WG ist der beste Kompromiss für Einsteiger.
Aktion: Beschreibt, wo sich die Rute unter Last biegt. Fast (spitz) – nur die obere Hälfte biegt sich, ideal für Jigs und Gummifische, weil du direkten Köderkontakt hast. Medium – biegt sich bis zur Mitte, vielseitiger Allrounder. Slow (parabolisch) – biegt sich bis ins Handteil, gut zum Werfen leichter Spinner, aber weniger Bisserkennung.
Spinnruten für verschiedene Zielfische
| Zielfisch | Rutenklasse | Länge | Wurfgewicht | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Barsch | Ultralight–Light | 1,80–2,40 m | 1–15 g | Major Craft Finetail (ab 120 €) |
| Zander | Medium | 2,40–2,70 m | 7–35 g | Shimano Zodias (ab 160 €) |
| Hecht | Medium Heavy–Heavy | 2,40–2,70 m | 20–80 g | Fox Rage Prism X (ab 80 €) |
| Allround | Medium | 2,40 m | 7–28 g | Daiwa Prorex XR (ab 100 €) |
Wenn du nur eine einzige Rute kaufen willst, nimm eine 2,40 m Medium mit 7–28 g WG. Damit fischst du Barsch, Zander und kleinere Hechte. Ich habe mit genau so einer Rute angefangen – einer Daiwa Prorex – und meine ersten 50+ Zander an der Havel damit gefangen.
Carbon vs. Glasfaser: Materialien erklärt
Moderne Spinnruten bestehen fast ausschließlich aus Kohlefaser (Carbon). Vorteile: geringes Gewicht, hohe Sensibilität, schnelle Rückstellkraft. Nachteile: bruchempfindlicher bei punktueller Belastung.
Glasfaser findet man noch bei günstigen Einsteiger-Ruten und speziellen Crankbait-Ruten. Die langsamere Aktion von Glasfaser verhütet, dass Fische bei Hardbaits den Haken ausschlitzen. Für normales Spinnfischen ist Carbon aber klar die bessere Wahl.
JDM-Ruten (Japanese Domestic Market) wie die Major Craft Benkei oder Shimano Expride verwenden höhermoduligen Carbon mit dünneren Blanks. Das Ergebnis: leichter, sensibler, teurer. Ob sich der Aufpreis lohnt? Für Finesse-Angeln mit Ködern unter 10 g: absolut. Für Hechtangeln mit 30-g-Jigs: eher nicht.
Angelrolle fürs Spinnfischen: Worauf es ankommt

Stationärrolle: Der Standard
Die Stationärrolle (auch Spinning-Rolle) ist die Standardwahl für Spinnfischer. Der Bügel klappt um, die Schnur gleitet frei von der feststehenden Spule – das macht sie fehlerverzeihend und einsteigerfreundlich.
Worauf du achten musst:
- Größe: 2500 ist die Allround-Größe. 1000–2000 für UL-Barsch, 3000–4000 für Hecht.
- Übersetzung: 5.2:1 bis 6.2:1 für normales Spinnfischen. Höhere Übersetzungen (7.1:1+) für schnelle Köderführungen.
- Bremse: Frontbremse ist Standard. Sie sollte sauber und gleichmäßig ablaufen.
- Gewicht: Unter 250 g für Allround, unter 200 g für UL.
Meine Empfehlung für Einsteiger: die Shimano Sienna FJ 2500 (ca. 40 €) – zuverlässig, leicht, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer mehr Budget hat, greift zur Daiwa Caldia LT 2500 (ca. 150 €) oder der Shimano Vanford 2500 (ca. 200 €).
Baitcastrolle: Für Fortgeschrittene
Die Baitcastrolle sitzt oben auf der Rute statt darunter. Vorteil: mehr Kontrolle über den Wurf und höhere Präzision. Nachteil: Perrücken (Schnurverwicklungen), bis du die Daumenbremse beherrschst.
Baitcast lohnt sich bei Ködern ab 10 g – darunter wird der Wurf schwierig. Ideal für Jerkbaits, grosse Gummifische und Hechtangeln. Viele JDM-Fans schwenken komplett auf Baitcast um, weil die Rollen aus Japan (Shimano Metanium, Daiwa Steez) unglaublich leicht und präzise sind.
Mein ehrliches Fazit: Fang mit einer Stationärrolle an. Baitcast ist ein Upgrade für später, wenn du weißt, was du brauchst.
Rollengrösse und Übersetzung
Die Rollengrösse bestimmt die Schnurkapazität und das Gewicht. Die Übersetzung gibt an, wie viel Schnur pro Kurbelumdrehung eingezogen wird.
- 2500er Rolle, 5.2:1: Zieht ca. 73 cm pro Umdrehung ein – perfekt für Gummifische und Finesse.
- 3000er Rolle, 6.2:1: Zieht ca. 87 cm ein – gut für Wobbler und Spinner, die mehr Tempo brauchen.
Faustregel: Langsame Köderführung (Jiggen, Drop Shot) → niedrige Übersetzung. Schnelle Führung (Spinner, Cranks) → hohe Übersetzung.
Schnurwahl: Geflochtene oder Monofile?
Geflochtene Schnur ist beim Spinnfischen Standard. Über 60 % der Spinnfischer in Deutschland setzen ausschließlich auf Geflecht (Blinker Leserumfrage 2024). Der Grund: Geflecht hat keine Dehnung – du spürst jeden Bodenkontakt, jeden Zupfer, jeden Biss sofort in der Rutenspitze.
Geflochtene Schnur:
- Keine Dehnung = direkte Bisserkennung
- Hohe Tragkraft bei geringem Durchmesser (0,12 mm trägt 8–10 kg)
- Abriebfest, langlebig
- Nachteil: sichtbar im Wasser → Vorfach nötig
Monofile Schnur:
- Dehnung = fehlerverzeihend bei Anfängern und Hardbaits
- Unsichtbarer im Wasser
- Günstiger
- Nachteil: weniger Bisserkennung, höherer Durchmesser
Meine Empfehlung: Geflochtene Hauptschnur (0,10–0,14 mm, 8-fach geflochten) plus Fluorocarbon-Vorfach (0,25–0,35 mm, 80–100 cm). So hast du das Beste aus beiden Welten: direkten Kontakt durch Geflecht und Unsichtbarkeit am Köder durch Fluorocarbon. Bei Hecht-Verdacht kommt ein Stahlvorfach (7×7, 20–30 cm) davor – oder du riskierst dein Vorfach.
Bewährte Optionen: Daiwa J-Braid x8 (ab 18 € / 150 m), Sunline Super PE (JDM, ab 25 €) oder als Budget-Tipp die Spiderwire Stealth Smooth (ab 15 €). Mehr dazu in unserem Schnur-Ratgeber.
Köder zum Spinnfischen: Alle Typen im Überblick

Laut einer Umfrage unter 3.500 Anglern bevorzugen 72 % Gummifische als primären Kunstköder beim Spinnfischen, gefolgt von Wobblern (54 %) und Spinnern (41 %) (Anglerboard.de 2024).
Gummifische und Softbaits
Der Gummifisch auf Jigkopf ist der universellste Köder im Spinnfischen. Du kannst ihn jiggen, faulenzen, Carolina-riggen, Drop-Shotten oder einfach gleichmäßig einholen. Die Vielseitigkeit ist unschlagbar.
Größen-Empfehlung:
- Barsch: 5–8 cm (Jigkopf 3–7 g)
- Zander: 10–15 cm (Jigkopf 7–21 g)
- Hecht: 15–25 cm (Jigkopf 14–40 g)
Top-Modelle: Keitech Easy Shiner (der Klassiker – funktioniert einfach immer), Keitech Swing Impact (starke Aktion), Lunker City Slug-Go (Finesse), Illex Nitro Shad.
Farben: Bei klarem Wasser natürliche Töne (Grün-Braun, Silber). Bei trübem Wasser Signalfarben (Chartreuse, Pink, Firetiger). An der Havel fange ich 70 % meiner Zander auf Natural Barsch oder Motoroil – die funktionieren hier einfach.
Spinner und Blinker
Der Spinner ist der einfachste Köder für Einsteiger: Auswerfen, gleichmäßig einkurbeln, fertig. Das rotierende Blatt erzeugt Druckwellen und Blitzeffekte, die Raubfische anlocken. Perfekt für Barsche und als Suchköder.
Empfehlungen: Mepps Aglia (der Urklassiker, Größe 2–3 für Barsch), Blue Fox Vibrax, Savage Gear Rotex Spinner. Mehr zum Thema in unserem Guide zum Thema mit Spinner angeln.
Blinker (Spoons) funktionieren ähnlich, aber mit taumelnder statt rotierender Bewegung. Gut für Forelle und Barsch in fließenden Gewässern.
Wobbler, Crankbaits und Jerkbaits
Wobbler sind Hardbaits, die einen Beutefisch imitieren. Sie haben eine Tauchschaufel, die bestimmt, wie tief sie laufen.
- Crankbaits: Kurze, bauchige Wobbler mit aggressivem Wackelgang. Ideal für flache Bereiche und als Suchköder.
- Minnows: Schlanke Wobbler, die sich per Twitch führen lassen. Klassiker für Barsch und Zander.
- Jerkbaits: Wobbler ohne eigene Aktion – du gibst ihnen mit Rutenschlägen Leben. Top für Hecht.
Top-Modelle: Illex Squirrel 76SP (Barsch-Killer), OSP DoLive Stick (JDM-Allrounder), Rapala X-Rap (Zander), Strike Pro Buster Jerk (Hecht).
Spoons und Löffel
Der Löffelköder (Spoon) ist ein Metallstück, das beim Einholen taumelt und blitzt. Effektiv in der Kaltwasserzeit, wenn Fische träge sind und langsame Köder bevorzugen.
Einsatz: Gleichmäßig einkurbeln oder kontrolliert absinken lassen (Flatterspoon-Technik). Größen von 2 g (Forelle) bis 40 g (Hecht). Preiswert und robust – ein Spoon geht selten kaputt.
Spinnfischen für Anfänger: Schritt für Schritt
Du willst mit dem Spinnfischen anfangen? Gute Entscheidung. Hier ist dein Fahrplan.
Die erste Ausrüstung zusammenstellen
| Komponente | Budget-Empfehlung | Kosten |
|---|---|---|
| Spinnrute 2,40 m, 7–28 g | Daiwa Prorex XR Spin | ca. 100 € |
| Stationärrolle 2500 | Shimano Sienna FJ 2500 | ca. 40 € |
| Geflochtene Schnur 150 m | Spiderwire Stealth Smooth | ca. 15 € |
| Fluorocarbon-Vorfach | Seaguar Riverge 0,28 mm | ca. 8 € |
| Gummifisch-Set (10–12 Stück) | Keitech Easy Shiner 3″ | ca. 10 € |
| Jigköpfe sortiert (5–14 g) | Mustad oder VMC | ca. 8 € |
| Spinner 3er-Set | Mepps Aglia Gr. 2–3 | ca. 12 € |
| Zange + Abhakmatte | – | ca. 15 € |
| Gesamt | ca. 208 € |
Das ist ein solides Einsteiger-Setup, mit dem du sofort losangeln kannst. Kein Schnickschnack, nur das, was du wirklich brauchst. Wenn du weniger ausgeben willst, findest du einen günstigeren Einstieg in unserem Guide Spinnfischen für Einsteiger.
Wurftechnik lernen
Die Grundtechnik beim Spinnfischen ist der Überkopfwurf. In 5 Schritten:
Schritt 1: Vorbereitung. Rute im 45°-Winkel halten. Schnur mit dem Zeigefinger an der Rolle fixieren. Bügel öffnen.
Schritt 2: Ausholen. Rute kontrolliert über die Schulter zurückführen. Köder hängt 20–30 cm unter der Rutenspitze.
Schritt 3: Beschleunigung. Schnelle Vorwärtsbewegung aus dem Unterarm – nicht aus der Schulter. Das Handgelenk gibt den letzten Snap.
Schritt 4: Schnur loslassen. Zeigefinger bei der 2-Uhr-Position löslassen. Der Köder fliegt Richtung Ziel.
Schritt 5: Kontakt herstellen. Köder eintauchen lassen. Bügel schließen. Rute leicht senken, Schnur straffen – du spürst den Köder. Jetzt kann die Führung beginnen.
Uebe den Wurf zuerst auf einer Wiese mit einem bleischweren Uebungsgewicht statt eines Köders. 30 Minuten reichen, um ein Gefühl für Timing und Weite zu bekommen.
Köderführung: Die Basics
Die Köderführung entscheidet über deinen Erfolg – mehr als jede Rute oder Rolle. Wie Jens Bursell es formuliert: „Die Köderführung entscheidet über 80 % des Erfolgs beim Spinnfischen. Die teuerste Rute nützt nichts, wenn der Köder nicht lebendig geführt wird.“
Für den Anfang reichen drei Grundtechniken:
- Steady Retrieve: Gleichmäßig einkurbeln. Perfekt für Spinner, Blinker und Crankbaits. Einfach und effektiv.
- Jiggen: Gummifisch auf Jigkopf. Auswurf, absinken lassen, Rutenspitze anheben, absinken lassen. Der Köder hüpft über den Grund.
- Stop-and-Go: Einkurbeln, Pause, einkurbeln. Die Pause provoziert Nachläufer zum Biss.
Probiere am Anfang alle drei Techniken und wechsle, wenn eine nicht funktioniert. An der Havel habe ich die Erfahrung gemacht, dass Zander im Winter am besten auf extrem langsames Jiggen mit langen Pausen reagieren – manchmal 5–8 Sekunden Grundkontakt, bevor der nächste Sprung kommt.
Fortgeschrittene Techniken: Finesse und mehr
Finesse-Angeln: Drop Shot, Wacky, Neko
Finesse-Angeln ist die Königsklasse im Spinnfischen. Die Technik kommt aus Japan und den USA und hat seit den 2010er-Jahren auch Deutschland erobert. Die Idee: Leichte Köder, dünne Schnüre, subtile Präsentation. Drop Shot hat sich laut DAFV-Daten als dritthäufigste Finesse-Technik in Deutschland etabliert, nach Jiggen und Faulenzen (Raubfisch Magazin 2024).
Drop Shot: Ein Bleigewicht am Ende der Schnur, der Haken mit Gummiköder 30–50 cm darüber. Der Köder schwebt frei und zittert verführerisch. Absolut tödlich auf passive Barsche und Zander.
Wacky Rig: Ein Wurm (z. B. Senko) wird in der Mitte gehakt und sinkt wackelnd ab. Simpel, aber extrem fängig. Mein Geheimtipp für sommertrage Barsche an der Havel.
Neko Rig: Ähnlich wie Wacky, aber mit einem kleinen Nagel-Gewicht im Kopf des Wurms. Der Köder steht kopfüber am Grund und wackelt. Feinste Finesse.
Für Finesse-Techniken brauchst du feines Tackle: UL-Rute, 1000–2500er Rolle, Geflecht 0,06–0,08 mm. JDM-Gerät spielt hier seine Stärken voll aus – die Sensibilität einer Major Craft Finetail oder Shimano Soare ist mit Europa-Ruten kaum erreichbar.
Jiggen und Faulenzen
Jiggen und Faulenzen sind die Brot-und-Butter-Techniken für Gummifisch-Angler.
Jiggen: Auswurf → absinken lassen → Rutenanschlag nach oben → kontrolliertes Absinken → Repeat. Der Köder hüpft in Sprüngen über den Grund. Die meisten Bisse kommen in der Absinkphase.
Faulenzen: Eine deutsche Erfindung! Statt die Rute zu heben, machst du 2–3 schnelle Kurbelumdrehungen und lässt den Köder dann wieder absinken. Vorteil: Du hast immer eine straffe Schnur und spürst Bisse besser. An der Havel ist Faulenzen meine Go-to-Technik für Zander – die Steinpackungen und Buhnen bieten perfekte Strukturen dafür.
Dietmar Isaiasch, Raubfisch-Guide an der Havel, bringt es auf den Punkt: „Wer an der Havel auf Zander spinnfischt, muss den Gewässerboden lesen können. Steinpackungen, Kanten und Buhnen sind die Hotspots.“
Twitchen und Jerken
Twitchen: Kurze, rhythmische Schläge mit der Rutenspitze, die einen Wobbler zum Ausbrechen bringen. Perfekt für Minnow-Wobbler. Tipp: Twitch – Twitch – Pause. Viele Bisse kommen in der Pause.
Jerken: Ähnlich wie Twitchen, aber mit längeren, aggressiveren Schlägen. Wird hauptsächlich mit Jerkbaits auf Hecht gefischt. Jerken geht am besten mit einer Baitcastrolle – die Präzision und Kraftübertragung ist mit Stationär nicht erreichbar.
Die besten Zielfische beim Spinnfischen
Barsch: Der perfekte Einstiegs-Zielfisch
Barsch ist mit Abstand der häufigste Raubfisch in deutschen Binnengewässern. In Brandenburg werden jährlich über 200 Tonnen Barsch entnommen (Landesfischereiverband Brandenburg). Das heißt für dich: Barsche sind überall, sie beissen aggressiv, und du kannst relativ schnell Erfolgserlebnisse sammeln.
Barsche jagen in Schwärmen und sind neugierig. Kleine Gummifische (5–8 cm), Spinner (Größe 1–3) und Mini-Wobbler sind die Köder der Wahl. An der Havel stehen Barsche gerne an Steinpackungen, Stegen und versunkenen Bäumen.
Tackle: UL–Light-Rute, 1000–2500er Rolle, dünnes Geflecht. Kein Stahlvorfach nötig (außer in Hecht-Gewässern).
Wenn du Spinnfischen für Einsteiger lernen willst: Fang mit Barschen an. Kein anderer Zielfisch gibt dir so viel Feedback und so viele Bisse pro Angeltag.
Zander: Technik und Timing
Zander ist der Zielfisch für technisch orientierte Spinnfischer. Er ist lichtscheu, steht gerne am Grund und beisst oft extrem vorsichtig – manchmal spürst du nur ein leichtes „Tock“ in der Rutenspitze.
Die Havel zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel bietet auf rund 70 Flusskilometern erstklassige Zander-Reviere mit nachgewiesenen Beständen von über 15 Fischen pro Hektar (IfB Potsdam-Sacrow 2023). Die besten Zeiten: Dämmerung und Nacht, Frühling und Herbst.
Köder: Gummifische 10–15 cm auf Jigköpfen sind Nummer eins. Keitech Easy Shiner in 4″ ist mein absoluter Havel-Zander-Köder – Farbe Motoroil bei trübem Wasser, Natural Perch bei klarem.
Technik: Jiggen oder Faulenzen am Grund. Langsam, mit langen Pausen. Zander überrumpelst du nicht – du verleitest sie.
Hecht: Big Baits und Power
Hecht ist der Adrenalinkick im Spinnfischen. Aggressive Bisse, harte Drills, Fische bis 120+ cm. Dafür brauchst du kräftigeres Tackle und vor allem: ein Stahlvorfach. Immer.
Köder: Grosse Gummifische (15–25 cm), Jerkbaits, grosse Wobbler. Hecht mag Volumen – der Köder darf ruhig auffällig sein. An der Havel habe ich meine besten Hechte auf weiße Jerkbaits in der Winterzeit gefangen, langsam geführt über Krautkanten.
Tackle: MH–Heavy-Rute, 3000–4000er Rolle (oder Baitcast), Geflecht ab 0,15 mm. Stahlvorfach 7×7 ist Pflicht – ein Hecht beisst 0,35er Fluorocarbon in Sekundenbruchteilen durch.
Mehr zu Spinnruten im Test und wie du die richtige Rolle für deinen Zielfisch findest, haben wir in separaten Guides aufbereitet.
Häufig gestellte Fragen zum Spinnfischen
Was braucht man alles zum Spinnfischen?
Zum Spinnfischen brauchst du eine Spinnrute (2,10–2,70 m), eine Stationärrolle der Größe 2500–3000, geflochtene Schnur (0,10–0,14 mm), ein Fluorocarbon-Vorfach und Kunstköder wie Gummifische, Spinner oder Wobbler. Ein Einsteiger-Set kostet zwischen 150 und 300 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Spinnfischen und normalem Angeln?
Beim Spinnfischen wirfst du einen Kunstköder aus und holst ihn aktiv wieder ein, um Raubfische zum Biss zu verleiten. Beim klassischen Ansitzangeln legst du einen Naturköder aus und wartest passiv. Spinnfischen ist deutlich aktiver und mobiler – du läuft am Gewässer entlang und suchst die Fische.
Welche Fische kann man beim Spinnfischen fangen?
Die Hauptzielfische beim Spinnfischen sind Barsch, Zander und Hecht. Aber auch Forelle, Döbel, Rapfen und sogar Wels lassen sich mit Kunstködern fangen. Der Barsch ist der ideale Einsteiger-Zielfisch, weil er häufig vorkommt und aggressiv auf kleine Köder reagiert.
Welche Rute brauche ich zum Spinnfischen?
Als Allround-Spinnrute empfiehlt sich eine Länge von 2,40 m mit einem Wurfgewicht von 7–28 g und medium-schneller Aktion. Damit deckst du Barsch, Zander und kleinere Hechte ab. Für gezieltes Barsch-Angeln reicht eine Ultralight-Rute (1–7 g), für Hecht brauchst du eher 20–60 g Wurfgewicht.
Welche Schnur zum Spinnfischen?
Geflochtene Schnur ist beim Spinnfischen Standard. Sie bietet direkten Kontakt zum Köder, kaum Dehnung und hohe Tragkraft bei geringem Durchmesser. Empfehlung: 0,10–0,14 mm Geflecht (8–12 kg Tragkraft) mit einem Fluorocarbon-Vorfach von 0,25–0,35 mm.
Ist Spinnfischen für Anfänger geeignet?
Ja, Spinnfischen ist hervorragend für Anfänger geeignet. Du brauchst nur eine Rute, eine Rolle und ein paar Köder – und kannst sofort loslegen. Die Grundtechnik (Auswerfen und Einkurbeln) ist schnell erlernt, und Barsche als Zielfisch verzeihen viele Anfängerfehler. Mit einem Budget ab 150 Euro bist du komplett ausgerüstet.