S.W.O.R.D. Custom Shobu Nagai im Test

Freunde der gepflegten Barschmusik, es ist Zeit für einen Freudentanz! Trotz monatelanger Abstinenz habt ihr direkt aus der Kalten den am häufigsten kommentierten in der Geschichte des Blogs hervorgebracht. Als Belohnung wartet selbstverständlich eine Gegenleistung auf euch. Keine Banane sondern Lesestoff. Wie angedroht geht […]

Freunde der gepflegten Barschmusik, es ist Zeit für einen Freudentanz! Trotz monatelanger Abstinenz habt ihr direkt aus der Kalten den am häufigsten kommentierten Artikel in der Geschichte des Blogs hervorgebracht. Als Belohnung wartet selbstverständlich eine Gegenleistung auf euch. Keine Banane sondern Lesestoff. Wie angedroht geht es heute um die Verarbeitung meiner Eindrücke rund um den auf 6ft gekürzten Vollcarbon-Blank der S.W.O.R.D. Custom Shobu Nagai und das übliche Drumherum.

Letzteres ist insbesondere deshalb wichtig zu wissen, weil es neben der Quick & Skirty Premiere gleich noch eine weiter gab. Die zweite Tageshälfte habe ich nämlich nicht wie erwartet mit Skirted Jigs im Busch geklopft, sondern mit Hardbaits auf der nagelneuen und noch nicht für den öffentlichen Besucherverkehr freigegebenen Seeterrasse am Kongresshotel Templiner See in Potsdam verbracht.

Seeterrasse Kongresshotel Templiner See in Potsdam

Seeterrasse Kongresshotel Templiner See in Potsdam

Die exponierte, ca. 1,5m über der Wasserlinie liegende Wahl des Spots diente dabei weniger der zur Schaustellungen meines strandpfeffiartig gebleichten Astralkörpers, sondern viel mehr der Begutachtung des Laufverhaltens meiner wiederentdeckten Barschwobbler. Unterhalb der Seeterrasse blick ihr derzeit in glasklares, langsam auf ca. 2,5 Meter tief abfallendes Wasser. Der Spot ist maximal im Frühjahr auf Mini-Barsche, oder besser noch im Herbst auf Hecht zu beangeln.

Frontseitig erstreckt sich ein knapp 5 Meter breites und 30 Meter langes Seerosenfeld. Wer das Habitat jetzt noch mit Standard-Hardbaits unter Beschuss nehmen möchte sollte sich beeilen. Die Seerosenblätter streben bereits nach oben und durchbrechen vereinzelt die Wasseroberfläche. Seid aber bitte so gut und fragt an der Rezeption ob ihr auf die Terasse dürft. Argumentativ hilft die obligatorische Mülltüte. Die Plumsangler haben den Spot nämlich schon für sich entdeckt und hinterlassen dort regelmäßig ihren Müll. Befreit um die Hinterlassenschaften meiner Vorangler ging’s dann endlich an die ganz persönliche Einschätzung des 30 Tonnen Full-Carbon Blanks.

6ft Vollcarbon-Rute für die Sinne!

Persönlich deshalb, weil es in den einschlägigen Rutenbauforen und Blogs bereits unzählige Reviews zum Nagai Blank gibt und meine ersten Eindrücke womöglich etwas von dem abweichen, was sonst über den Zauberstab geschrieben wird. Zu meiner Verteidigung muss ich gestehen, dass ich mit einer Vollcarbon-Rute dieser Art noch nie in Kontakt gekommen bin und sich der Blank aus meiner Sicht komplett anders verhält als alles was ich bisher zwischen den Fingern hatte.

Ganz gleich ob Köderspektrum, Aufladung, Aktion, Drill oder Sensibilität – die Shobu Nagai ist eine Klasse für sich und bedarf einer viel detaillierteren Analyse als anfänglich vermutet. Damit dieser normalerweise recht kurz & knackig gehaltene Session-Bericht nicht in ein 10.000 Wörter umfassenden Testbericht ausartet, kümmere ich mich heute exklusiv um den Blank in Kombination mit meiner Hardbait-Familie.

Sebastian wird mir dafür zwar den A… aufreißen, aber egal. Wenn die Vertikalangler die zarte Nagai mit bis zu 20 Gramm Köpfen bestücken und Sócrates damit Topwaterbaits animiert, dann kann ich den mit Ex-Fast ge-rateten Blank auch zum Twitchen und Durchleiern verwenden.

S.W.O.R.D. Custom Shobu Nagai - Endstück

S.W.O.R.D. Custom Shobu Nagai - Endstück

Setup

Mehr schlecht als Recht besteht das aktuelle Rute-Rolle-Schnur Setup noch aus einer viel zu großen Shimano 3000er Vanquish und der Avani Seabass Premium PE. Bis zum großen Testbericht wird es eine Kombination aus der 160gr leichten Vanquish C2000HGS und einer A-Tec WX4 Power Eye PeeWee in PE 0.4 oder PE 0.5. Als Blank kommt bei meiner Nagai die auf 6ft gekürzte Version zum Einsatz. Wenn ihr euch im Netz über die Schwertlilien informiert, dann achtet darauf die Angaben als speziell auf den jeweiligen Aufbau bezogen zu interpretieren. Der Zusatz „Custom Rods“ steht schließlich nicht ohne Grund in der Firmenbezeichnung.

S.W.O.R.D. Custom
Shobu Nagai
6ft 6.6ft
Länge ~182cm ~198cm
Gewicht 46gr 59gr
Taper ex-fast ex-fast
Power ML L-ML
Wurfgewicht 3/16 – 7/16oz 1/8 – 3/8oz
Tip / Butt 1.4 / 6.6mm 1.2 / 7.0mm
Material / Finish einteilig, 30 Tonnen Vollcarbon mit 50 Tonnen Carbon-Ummantelung, i.d.R. seidenmatt geschliffen
Alle Werte abhängig vom jeweiligen Aufbau / der Länge des Blanks!

Auf die Idee doch mal wieder die Kunstköder der Kategorie Wobbler in den Snap zu klinken hat mich Steffen während des Testberichts zur S632ML gebracht. Die Hardbaits lagen bis dato knapp 1 bis 1 1/2 Jahre ungenutzt in der Tacklebox rum. Dementsprechend sehen natürlich auch die Drillinge aus. Zum Einsatz kamen Crankbaits, Stickbaits und natürlich eine Ladung Minnows / Twitchbaits.

Nagai meets Minnows

Nagai meets Minnows

Fire it up!

Basierend auf dem angegebenen Wurfgewichtsspektrum des 6 Fuß Blanks brachten es die getesteten Wobbler auf ein Gewicht von zwischen 4 bis 12 Gramm. Um die Performance mit Unter-/Überladung zu testen, hing ab und zu auch ein 2 oder gar 15 Gramm schweres Stück Plastik-, bzw. Balsa-Geschoss am Rütchen. Unabhängig von der Art des Wobblers lädt sich der Vollcarbon Blank im Bereich zwischen 5 bis 10 Gramm optimal auf. Unterhalb der 5 Gramm-Marke muss man(n) sich ganz schön ins Zeug legen. Wer gerne richtig durchzieht hat sicherlich auch mit 4 Gramm Spaß. Drunter würde ich jedoch nicht gehen, bzw. der 6.6ft Version mit feinerem Tip einen Platz im Rutenschrank reservieren. Nach oben hin fühle ich mich bis 10 Gramm am wohlsten. 2 Gramm mehr funktionieren auch, aber bei maximal 12 ist meiner Meinung nach Schluss und das dauerhaft werfbare Wohlfühllimit erreicht.

Die Kombination aus Wurfgewichtsspektrum und Aufladung ist ausgezeichnet! Wird die Shobu Nagai mit den passenden Hardbaits bestückt, ist im Nahbereich bis 30 Meter kein Spot sicher. Passend insofern, als das Bauform, Tiefgang und Länge der wobbelnden Kollegen ebenfalls auf die Rute abgestimmt sein sollten. Als Praxistauglich und mit dem entsprechenden Spaßfaktor versehen haben sich folgende Werte im Fieldtest ergeben.

Crankbaits: 30 bis 50mm, max. 1,5m Lauftiefe (sr), 5 bis 8gr
Twitchbaits: 50 bis 70mm, max. 1,5m Lauftiefe, 5 bis 8gr
Stickbaits: 50 bis 70mm, topwater, 5 bis 10gr

Innerhalb der min./max. Angaben des jeweiligen Ködertyps könnt ihr euch ohne Spaßverlust frei bewegen. Kratzt euer Bait bei einem der 3 Werte an der Obergrenze, nehmt ihr bei den beiden anderen ein paar µ weg. Andersrum das gleiche. Bei den Crankbaits gefiel mir beispielsweise der 38mm lange und 6gr schwere Mosa Fat Boy am besten. Bei den Twitchbaits die Yo-Zuri Sashimi & Pins Minnows und bei den Stickbaits der TP Little Stagger (70mm, 6,4gr.). Ob man die Wobbler an einer mit Ex-Fast angegebenen Rute fischen kann? An der Nagai auf jeden Fall! Der Vollcarbon Blank dämpft die Vibrationen von Mini-Cranks hervorragend ab. Minnows lassen sich selbst mit geflochtener Schnur + 1m FC-Vorfach geschmeidig am Barsch vorbei twitchen und zu den Führungsqualitäten unter Verwendung von kleinen Topwaterbaits hat Sebi Sócrates bereits alles gesagt: „sie animiert sie wie keine andere!“.

Hit & Run

So richtig, richtig spaßig wird die Angelei mit der Nagai erst dann, wenn die ersten Zielfisch am Haken hängen. Hier spielt der Blank in Sachen Power und Drillspaß nochmal in einer ganz anderen Liga. Glücklicherweise kam ich während dieser Session und den darauffolgenden Tagen mehrmals in den Genuß kurz hintereinander unterschiedlich großen Barsche und Rapfen drillen zu können. Egal was beißt, die Rute scheint sich vollautomatisiert auf jeden Gegner neu einzustellen und liefert selbst bei einem 20er Schniepel-Barsch genau den gleichen Funfaktor, wie bei einem hart einschlagenden 55er Rapfen. Je größer und stärker der Gegner, um so mehr Kraft entwickelt der Blank. In Worten lässt sich das kaum vernünftig beschreiben. Dafür brauche ich noch ein paar Einsätze am Wasser. Fakt ist, dass die Rute je nach Belastung wunderschön mitarbeitet und ein Ausschlitzen so gut wie unmöglich ist. Das gleiche gilt für die Kraftreserven. Die paar halbstarken Silberbarren haben die Shobu gefühlt noch nicht mal ansatzweise ans Limit gebracht.

Fifty-UP Silber auf Ecogear MW70S an der Shobu Nagai

Fifty-UP Silber auf Ecogear MW70S an der Shobu Nagai

Als Fazit dieser ersten, sehr intensiven Auseinandersetzung zwischen der Shobu Nagai, meinen Hardbaits und mir bliebt schlussendlich „nur“ ein breites Grinsen und die Gewissheit, dass der Vollcarbon Blank zu wesentlich mehr im Stande ist, als ihm zugesprochen wird. Die Rute kann viel mehr als nur leichte Grundanwendungen, und das sogar richtig gut! Wie sich die S.W.O.R.D. Custom beim angeln mit leichten Jigs & Rigs schlägt, erfahrt ihr in einem der nächsten Berichte. Heute bin ich erstmal bei der Neueröffnung der Gummitanke in Hamburg und morgen ab 6 mit’m Kapitän auf’m Kahn. Wer heute schon sein Schwert von morgen bestaunen will, kann hier einen Blick in Sebastians Showroom werfen.

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