Bevor ich zum eigentlichen Test der Tailwalk-Rute komme, zuerst ein paar einleitende Worte zu dem (für eine Baitcastaster) doch recht speziellen Einsatzbereich. Ich angle schon seit meiner Kindheit auf Bach- und Regenbogenforellen, bevorzugt geschieht dies hier in Thüringen an einem mittelgroßen Fluss (Saale) oder an verschiedenen Forellenbächen (z.B. Ilm). An der Ilm fand schließlich auch mein Test statt. Dieser Forellenbach ist hier in der Regel ca. 5 Meter breit und hat eine sehr abwechslungsreiche Struktur, starke Strömung, Wehre, beruhigte Bereiche, tiefe Gumpen, Kehrströmungen, Felsen, Totholz, unterspülte Wurzeln, Büsche, Bäume usw.. Ein echtes Paradies für die Forellenpirsch!

Tailwalk Del Sol C632L SP - Mit der Baitcaster am Forellenbach

Tailwalk Del Sol C632L SP - Mit der Baitcaster am Forellenbach

Das Köderspektrum, auf welches ich mich seit einigen Jahren eingependelt habe, besteht zu 80% aus Wobbler bzw. Minnows zwischen 5 und 8 cm, 15% Gummiköder und 5% Spinner oder andere Klassiker, die nachwievor ihre Berechtigung bei mir haben. Manch einer mag sich nun fragen wie man auf die Idee kommt mit der Baitcaster am Forellenbach zu angeln. Auch ich bin nicht ganz freiwillig auf diese Idee gekommen. Mitten in der letzten Saison zerstörte ich durch meine eigene Dummheit den Rollbügel meiner leichten Rolle, damit hatte ich für die nächsten Wochen (für die Zeit der Reparatur) ein Problem.

Kurzer Hand nahm ich meine, nennen wir es Gelegenheits-Barsch-Kombo, bestehend aus einer Shimano Scorpion XT 1001 und Okuma One Rod Trigger ML (7-20g) und legte los. Es folgten Tage der Verzweiflung und noch mehr Schnurnester. Der Bach hatte viel zu viele Tücken, die meisten meiner Köder waren zu leicht und außerdem war ich mit diesem Rollentyp nicht versiert genug. Aber irgendwie war da diese Begeisterung, die eine Baitcaster nun mal so ausstrahlt – und ich blieb dran, zumal typische Problemzonen einer Baitcaster am Forellenbach eine eher untergeordnete Rolle spielen: Wurfweite und Windanfälligkeit.

Es folgten diverse Verändungerungen an meiner Ausrüstung, ich wechselte die Schnur auf eine VARIVAS GANOA Vanguard 5 lb und bestellte in Japan bei Hedgehog Studio eine Tuning-Spule und Keramik-Lager (Avail Microcast Honeycomb Spool ALD0936RR & Spool Bearing Kit 1030AIR), die Rolle sollte schließlich noch geschmeidiger laufen – und das tat sie auch! Schnurnester nahmen merklich ab und das Ködergewicht konnte ich auch weiter senken.

Inzwischen war meine Stationärrolle längst repariert, aber ein zurück gab es bereits nicht mehr. Ich hatte inzwischen spezielle Würfe wie den Rollwurf oder Pitching nahezu perfekt drauf und traf in der engen Umgebung am Bach die schwierigsten Stellen, ohne Tüddel wohlgemerkt. Diese für eine Baitcaster typischen Wurftechniken sind eigentlich wie gemacht für den Bach und laufen einer Stationärrolle vor allem in puncto Genauigkeit deutlich den Rang ab. Lediglich die ganz leichten Köder um 3 oder 4 Gramm konnte ich nicht sicher beherrschen, dafür war die Rute einfach zu straff. Und hier schließt sich der Kreis zum Testbericht der japanischen Baitcaster-Rute:

Die Tailwalk Del Sol C632L SP

Del SOL Länge Wurfgewicht Schnurklasse
SP S632ML 1,91m 1,8 – 14gr 4 – 12 lbs
SP S672MH 2,01m 3,5 – 28gr 8 – 20 lbs
SP C632L 1,91m 3,5 – 7gr 6 – 12 lbs
SP C632ML 1,91m 3,5 – 14gr 8 – 16 lbs
SP C601H 1,83m 14 – 42gr 10 – 25 lbs

Die Tailwalk-Rute sollte alles ein wenig besser machen als meine Okuma One Rod und letztendlich das Köderspektrum meiner Stationär-Kombo zu 100% ersetzen. Nach dem Auspacken die ersten Annäherungsversuche: Die Rute macht einen hochwertigen Eindruck, alles ist sauber und stabil verarbeitet. Besonders gefielen mir die sehr stabilen Fuji SIC Guides; bei so einer feinen Rute ein echtes Plus am Bach. Zu oft verheddert man sich in Ästen, Brennnesseln usw. oder fällt am Ufer einfach mal auf die Nase, weil man wieder ein Stück Totholz übersehen hat.

Der Triggergriff liegt durch die angenehm lange “Nase” sehr gut in der Hand. Das habe ich bei anderen Ruten schon ganz anders erlebt. Ein genauer Blick auf den Griff offenbart auch ein Stück freigelegten Blank – das sieht vielversprechend aus! Auch die Länge des Duplon-Griffes passt wie die Faust auf’s Auge und liegt am Ende des Unterarms angenehm an – so beginnen gute Freundschaften!

Trockentest und die ersten Würfe am Bach

Aufgrund eines Hochwassers fanden die ersten Testwürfe leider nur im heimischen Garten statt. Der erste Eindruck war aber sehr positiv. Bisher problematische Kunstköder um die 4 bis 5 Gramm konnte ich nun deutlich besser werfen. Die Rute läd sich wunderbar auf und überträgt die Power des Blanks auf den Köder. Toll! Ein paar Würfe später deaktivierte ich einen weiteren Bremsstift meiner Fliehkraftbremse – wow, dass passt! Noch mehr Wurfweite (bis zu 35 Meter), noch leichtere Köder und weit und breit keine Schnurnester zu sehen.

Enorme Wurfweite dank deaktivierter Fliehkraftbremse

Enorme Wurfweite dank deaktivierter Fliehkraftbremse

Mich beschlich aber das Gefühl, dass die Rute für den Bach vielleicht doch zu sensibel ist. Schließlich muss sie neben dem Strömungsdruck der Kunstköder auch noch dem Strömungsdruck des Baches Stand halten. Auch wenn man (so wie ich) hauptsächlich nur mit oder quer zur Strömung angelt, kann dieser Druck stellenweise schon recht hoch sein. Das Hochwasser ging schließlich langsam zurück und ich wagte erste Versuche am Bach. Der große Ködertest musste aber noch warten, denn unter diesen schwierigen Bedingungen mussten erstmal diverse Spezialköder zum Einsatz kommen (Crankbaits, Gummifische, tieflaufende und auffällige Wobbler).

Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, zeigten aber schon in einer Hinsicht die obere Wohlfühlgrenze der Rute. Ein Crankbait wie der Illex Cherry 44 treibt die Del Sol unter den beschriebenen Verhältnissen (Hochwasser) an die Grenze des Machbaren. Es geht, aber das Gefühl für den Köder ist kaum vorhanden. Ein Illex Soul Shad 58 SP (5,5gr) machte hingegen eine ausgesprochen gute Figur und ließ sich auch beim twitchen zu einigen akrobatischen Kunststücken überreden.

DEL SOL im Test mit Illex Soul Shad Wobbler und Forelle im Drill

DEL SOL im Test mit Illex Soul Shad Wobbler und Forelle im Drill

Die Situation am Wasser besserte sich von Tag zu Tag und ich konnte im Laufe des verbleibenden Testzeitraumes mein Köder-Arsenal komplett durchtesten. Ich war insgesamt ca. 20 Angelstunden mit der Rute unterwegs und habe unzählige Forellen zwischen 20 und 44 cm fangen können. Die Rute stellte sich dabei als erstaunlich vielseitig heraus, sogar Gummifische am 7 gr Jigkopf konnte ich im Gumpen und Kehrströmungen sehr gefühlvoll kontrollieren und habe genau gespürt ob ich gerade an einem Stein oder Ast anklopfe, oder ob gerade eine Forelle danach schnappen wollte. Das hatte mich doch etwas überrascht.

Grenzbereich – Strömungsdruck am Forellenbach

Auf der anderen Seite ist dies ein Paradebeispiel für die “gefühlte Differenz” zwischen Ködergewicht- bzw. Größe und dem Strömungsdruck, über die man am Forellenbach gerade im Grenzbereich einer Rute schnell stolpert. Man kann unter diesen Rahmenbedingungen bei der Tailwalk Del Sol C632L SP nicht einfach die pauschale Aussage treffen, dass Kunstköder bis soundsoviel Gramm oder Zentimeter noch beherrschbar sind. In ihrem oberen Grenzbereich (Köder um die 8 cm bzw. 7-9 gr) ist eine erfolgreiche Führung am Bach stark von der Köderform abhängig. Neben dem Beispiel mit dem 7 gr Jigkopf möchte ich noch einen Vergleich nennen, der unterschiedlicher gar nicht hätte ausfallen können.

Ein Lucky Craft Pointer 78 SP mit seinem relativ wuchtigen Körper und für diese Größe hohem Gewicht fand ich zu viel des Guten, dass macht am Bach absolut keinen Sinn. Kaum Gefühl und die Rute am Limit. Ein schlanker (und auch leichterer) Bassday Sugar Minnow SG 80F z.B. macht sehr viel Spaß – absolut ideal. Bei diesem Vergleich merkt man deutlich den Unterschied der Körperform und wie die Rute beim Twitchen damit zurecht kommt.

Die untere Wohlfühlgrenze wird stark durch die verwendete Rolle bestimmt und ob man den Köder überhaupt akzeptabel werfen kann. In meinem Fall mit einer getunten Shimano Scorpion XT 1001, habe ich Köder um die 4-5 cm und ca. 3 gr noch sehr gut und sicher werfen können. Ein vergleichendes Beispiel auch hier: Ein Illex Tiny Fry 50 S mit seinen 3 Gramm lässt sich gut werfen und twitchen und stellt kein Problem dar. Ein Flat Fly 50 SP mit seinen 2,5 gr überschreitet hingegen die Grenze vom Wohlfühlgewicht hin zum Gerade-noch-so-möglich-Gewicht. Zur Not kommt man mit dem Flat Fly noch zurecht (kein Tüddel), doch wirklich gut Werfen lässt sich die Geschichte nicht mehr. Allerdings habe ich ja noch ein Ass im Ämel – der letzte aktive Bremsstift.

Ich habe ein Weilchen mit komplett deaktivierten Stiften und (wie immer) mit “offener” Spulenbremse gefischt, allerdings funktioniert dies nur unter idealen Bedingungen wirklich gut. Soll heißen, kein Wind und (zumindest bei meinem bescheidenen Wurfkönnen) im Ideallfall mit Pitching als Wurftechnik, dann bekommt man Köder um 2 gr bequem auf Weite und erntet keine Schnurnester als Dank.

Ich würde wohl dazu übergehen meinen letzten Bremsstift weiter aktiv zu lassen und nur für gewisse Momente zu deaktivieren, für den Alltag ist mir die Schnurnestgefahr aktuell zu hoch. Alternativ könnte es im Alltag auch funktionieren alle Bremsstifte zu deaktivieren und nur die Spulenbremse einen Tick anzuziehen. Aber ok, das ist Feintuning im Grenzbereich, wofür ich persönlich noch ein paar Angelstunden mehr gebraucht hätte.

Meine Wohlfühlköder an der C632L

Nachdem ich die obere und untere Grenze ausgelotet habe, nun noch ein paar abschließende Worte zu meinen echten Wohlfühlködern für diese Rute. Ich könnte es mir an dieser Stelle eigentlich recht einfach machen und müsste nur das von Tailwalk angegebene Wurfgewicht der Rute 1:1 auf das Gewicht des idealen Köderspektrums übertragen (als Faustformel für die nächste Hardbait-Einkaufstour sicherlich gar nicht so schlecht), aber auch hier nenne ich mal ein paar Beispiele mit der die Rute am Bach so richtig Laune macht.

Im Bereich der Minnows könnte es nicht besser passen, ich persönlich fische am liebsten mit Ködergrößen um die 55 bis 80mm. Deren typisches Gewicht und am Bach ausgeübter Strömungsdruck passt i.d.R hervorragend zu dieser Rute. Als Beispiel fallen mir da spontan folgende Kandidaten ein: ZipBaits Rigge 70F/SP, Duo Spearhead Ryuki 60S, Pontoon 21 Gaga Goon 55 SS-SR, Illex Squad Minnow 65 SP, Bassday Sugar Minnow SG 80F, Lucky Craft Pointer 65 SP, Rapala X-Rap 6 und noch viele viele mehr.

Bei den Gummifischen benutze ich fast ausschließlich um 1 cm gekürzte 3.25″ Lunker City Shaker. Aber egal welchen Gummifisch man bevorzugt, die Rute macht mit Köpfen zwischen 3,5gr (zum twitchen) bis 7gr eine super Figur. Unter den Spinnern sind meine Favoriten Lotto Spinner in der 6gr Version und 2er Mepps. Beide sind wie gemacht für die Rute. 3er Mepps gehen übrigens auch, sind aber schon sehr grenzwertig (Druck). 1er Mepps lassen sich auch vernünftig werfen, sind für meinen Geschmack aber eh etwas zu klein (Stichwort selektives Angeln). Crankbaits wie der Illex Chubby 38 laufen hervorragend, der Illex Cherry 44 hat (wie bereits erwähnt) in der Strömung so seine Probleme bzw. der, der die Rute hält und etwas von dem fühlen möchte, was der Köder so treibt. ;)

  • Tailwalk Del Sol C632L SP - Mit der Baitcaster am Forellenbach

Tailwalk Del Sol C632L SP - Mit der Baitcaster am Forellenbach

Last but not least noch ein Wort zu einem besonderen Köder, der noch recht neu in meiner Köderkiste ist und aufgrund seiner Laufeigenschaften am Bach nur recht selten (aber dafür mit viel Freude) zum Einsatz kommt. Es ist ein Oberflächenköder welcher in feinster “Walk the Dog” Manier geführt wird, der ZipBaits ZBL Fakie Dog CB (50 mm). Als ich diesen Köder mit der Rute ausprobiert habe, ist mir ehrlich gesagt das Herz aufgegangen. Der Fakie Dog lässt sich astrein werfen und die Führung ist schlichtweg fantastisch. So Stelle ich mir ein Werbefilmchen für diesen Köder vor. Es ist eine echte Wonne den aggressiven Angriff einer Bachforelle auf diesen Köder mitzuerleben. Trockenfliegenfischen ist dagegen Kindergarten!

Fazit

In den sieben Tagen Testzeitraum bin ich ein Fan der Rute geworden und den eingangs erwähnten Plan kann sie zu 99% erfüllen. Wenn es nach mir geht, könnte Tailwalk die Rute auch als reine Bachtwitche verkaufen, vorausgesetzt man hat eine potente Rolle. Eigentlich hätte ich die Del Sol C632L SP gar nicht an den nächsten Tester schicken dürfen. Wer sich für die C632L ebenso begeistern kann wie ich, der findet sie im Nippon-Tackle Shop.

Tight Lines!
– Sven

Wobbler, Gummiköder und Spinner im Test an der Tailwalk C632L SP

Wobbler, Gummiköder und Spinner im Test an der Tailwalk C632L SP

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