Testbericht: Tailwalk Fullrange S63ML (spinning, einteilig)

Testbericht: Tailwalk Fullrange S63ML (spinning, einteilig)

  1. Testbericht: Tailwalk FullRange S63ML (Spinnrute, einteilig)
  2. Spezifikationen
  3. Einsatzspektrum
  4. Unboxing
  5. Setup
  6. Testbericht
  7. Fazit

Pünktlich zum Start in die heiße Phase der Raubfischsaison ist die neue Tailwalk FullRange S63ML bei mir eingetroffen. Welche Herausforderungen es insbesondere in der B-Note zu bewältigen gab und wie meine neue Hardbait-Rute beim Einsatz von kleinen bis mittelgroßen Barschwobblern performt, das erfahrt ihr in diesem Testbericht. Um das Review rund zu machen habe ich gleich noch ihre Qualitäten beim Einsatz von Jigs und Rigs für euch mit getestet.

Spezifikationen

Herstellerangaben & Powermessung

Auf der Tailwalk Webseite lassen sich für japanische Verhältnisse zwar relativ viele Informationen zu den technischen Details der Fullrange S63ML entnehmen, so richtig zufrieden waren damit aber weder wir, noch der deutsche Vertrieb. Ein Blick in den NT-Shop genügt und schon sind die Mindestanforderung an ein halbwegs vollständiges Datenblatt erfüllt. Sollten sich im Laufe des Testzeitraums oder beim Unboxing grobe Abweichungen zu den Herstellerangaben erahnen lassen, reichen wir die 15° Powermessung nach und befüllen die leeren Felder mit den entsprechenden Information aus unserem Testaufbau.

Tailwalk FullRange S63ML Herstellerangaben 15° Powermessung
Typ Spinning
Länge 1,90 m
Power ML
Taper Fast
Wurfgewicht 1,8 – 10 g (1/16 – 3/8 Oz)
Empf. Schnur 3 – 8 lbs
Teilung einteilig
Transp. Länge 1,90 m
Gewicht 90 g
Ringe 7 + Tip, Tangle Free FUJI K Setting, Stainless Steel Frame, SIC Einlagen
Griff Split Grip, Duplon, schwarz
Grifflänge* 32,5 cm / 22 cm
Rollenhalter FUJI VSS
Blank unlackiert, 99% Kohlefaseranteil
Blank-Durchmesser 1,6 mm / 10,8 mm
Grundfarben Blank: mattschwarz, dunkelgrau
Applikationen: gold, silber
Zierwicklungen: gold
Schriftzüge: weiß, gold
Preis (UVP) 239 €
* mit Rollenhalter / ohne Rollenhalter
→ Alle Tailwalk Fullrange Ruten im Überblick

Einsatzspektrum

Spots, Zielfisch & Baits

Wobbler für die Fullrange S63ML von Tailwalk

Wobbler für die Fullrange S63ML von Tailwalk

Da ich mit meiner neuen Begleitung ins seichte, ca. 3 bis 4 Meter tiefe Potsdamer Havelmeer steche, spielen Kalkulationsfaktoren wie Strömungsdruck oder Monsterbarsche jenseits der 50 cm Marke keine Rolle. Sollte doch einmal etwas über 50 cm beißen, handelt es sich in fünfundneunzig Prozent aller Fälle um einen Rapfen – oder bockiges Restgeäst. Für beides sollte die Rute untenrum zwar genügend Kraftreserven bereitstellen, wirklich entscheidend war das bei meiner Vorauswahl nicht. Kümmern wir uns um die Kernkompetenzen.

Gesucht wurde meine neue Standardrute zum Barschangeln vom Boot – Hardbaits only. „Hardbaits only“ deshalb, weil die neue Barschrute nur noch in Kombination mit der Levante 6’10“ Stinger Shot – für gejiggtes – das Haus verläßt und sie dementsprechend fix & fertig vormontiert neben ihr auf dem Deck liegt. Und genau hier trifft die Tailwalk Fullrange S63ML voll ins Schwarze, denn mit 1,90 m Länge, Fast Taper und einem 22 cm kurzen Griff (ohne Rollenhalter), schreit das Datenblatt der leichtgewichtigen Japanerin förmlich nach „Twitch me baby!“.

Den nächsten Pluspunkt heimste die Schönheit nach einem Blick auf das „ML“ Power Rating nebst 1,8 – 10 g Wurfgewicht ein. Wer Tailwalk kennt, der weiß das hier i.d.R. etwas zu tief gestapelt wird und unten sowie oben 2 Gramm mehr drin sind. Basierend auf meinen Erfahrungen sollte die Fullrange theoretisch irgendwo zwischen 4 und 12 g optimal performen. Was widerum hervorragend zur 1/2 Unzen Levante passt und sich das ML-Brautpaar „Tailwalk für Hardbaits. Megabass für Softbaits“ ausgezeichnet ergänzen dürfte.

Jetzt möchtet ihr bestimmt noch wissen, wer auf der bevorstehenden Hochzeitsfeier mit der FullRange S63ML um den großen Barsch tanzen darf. Eingeladen wurden all meine minnow- und shadförmigen Wobbler mit 60 bis 90 mm Länge oder / und einer Lauftiefe von 0,2 bis 2 m. Einen groben Schnitt zwischen „muss mindestens fliegen“ bis hin zu „wäre schön, wenn der auch noch führbar ist“ findet ihr hier.

Modell Typ Länge Gewicht Lauftiefe
Illex / Jackall Soul Shad 58 Shad 58 mm 5,5 g 1,5 m
Lucky Craft Pointer 65 SP Minnow / Twitchbait 65 mm 5 g 1,5 m
Illex / Jackall DD Squirrel 67 SP Minnow / Twitchbait 67 mm 6,8 g 2,0 m
ZipBaits Rigge 70 Deep Minnow / Twitchbait 70 mm 5,0 g 2,0 m
ZipBaits Trick Shad 70 SP Shad 70 mm 7,8 g 1,8 m
DAIWA Double Clutch 75 Minnow / Twitchbait 75 mm 5 g 1,0 m
ZipBaits Rigge Slim 80 SS Minnow / Twitchbait 80 mm 4,5 g sinkend
Fish Arrow Three Shot Minnow 80 Minnow / Twitchbait 80 mm 6,4 g 1,2 m
Bassday Mogul Minnow 88 SP Minnow / Twitchbait 88 mm 10,5 g 1,0 m
Megabass FX Zero Minnow 90 mm 10,5 g 0,2 m
Megabass FX 9 Minnow 90 mm 10,5 g 1,0 m
Lauftiefe = maximale Lauftiefe, geworfen

Unboxing

Ausgepackt, Inspiziert & Trockengewedelt

Normalerweise präsentiere ich euch im Unboxing-Bereich nagelneues Tackle, um den Lieferzustand möglichst unbefleckt dokumentieren zu können. Im Fall der Tailwalk-Ruten muss ich mich für die Gebrauchtspuren auf den Bildern entschuldigen. Die Ruten kamen zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt bei mir an. Die Barsch hatten richtig Bock und ich war so heiß auf die S63ML, dass jede vorgelagerte Fotosession entweder durch schlechtes Wetter oder durch fehlende Zeit zunichtegemacht wurde. Fotografieren unmöglich. Angeln schon. Bissl poliert hab ich sie für den Fototermin dann aber doch nochmal.

Erster Eindruck

  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Futteral, Typenschild
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Futteral, Spitze
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Futteral, Verschluss
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Futteral

Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Futteral, Typenschild, Gesamteindruck

Die Lieferung der Fullrange S63ML erfolge standesgemäß im legendären PVC-Abflussrohr. Welche der insgesamt 4 Fullrange-Ruten ich als erstes aus ihrem Versteck geholt habe, kann ich euch nicht mehr genau sagen. Fakt ist jedoch, dass schon das samtig schwarze Futteral mit goldenem Fullrange-Schriftzug echt was her macht. Schützt die Rute vor Schmutz, Stoß, Kratzern und vermittelt sofort den Eindruck etwas Wertiges aus der Futteral zu ziehen. Genau so kam es dann auch. Klettverschluss vorsichtig geöffnet und dann: Ohh la la Seniorita, du siehst ja richtig edel aus!

Die Produktbilder haben definitiv nicht zu viel versprochen. Wie bereits erwähnt, haben die Tailwalk-Designer farblich ordentlich gewürfelt und am Ende doch ein wahnsinnig hübsches Rütchen in schwarz, gold und etwas silber kreiert. Haptisch fühlt sich die Fullrange S63ML nach wesentlich weniger Gewicht an, als ihr mit 90 Gramm attestiert werden. Die Digitalwage blieb beu exakt 89,6 Gramm stehen.

Griff & Rollenhalter

  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Griff & Rollenhalter
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Rollenhalter, Schraubverschluss
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Rollenhalter, Schraubverschluss 2
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Griff, Foregrip
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Rollenhalter, unten
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Rollenhalter
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Griff, Rear Grip
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Griff, Abschlusskappe / Butend

Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Duplon Split Grip, FUJI VSS Rollenhalter, Buttend

Mein persönliches KO-Kriterium bei der Auswahl einer Rute ist der Griff. Durchgehend ist toll, geteilt noch besser und Duplon – na ihr wisst schon – ist Plicht. Die S63ML ziert ein ausgezeichneter Duplon E/VA Split Grip der im hinteren Bereich von einer silbernen Manschette mit Tailwalk-Schriftzug in einem leicht kantigen, nicht ganz zum vorderen rundlichen Teil passenden Buttend abschließt. Da ich die Hardbait-Rute fast ausschließlich einhändig via Spock-Griff werfe, spielt der hintere Teil des Griffs nur eine untergeordnete Rolle.

Anstandslos gelungen ist die Komposition rund um den VSS Rollenhalter von FUJI! Angefangen beim ultraleichten Aluminiumschraubverschluss bis hin zum super griffigen, ergonomisch perfekt geformten Duplon rutscht die Fullrange S63ML förmlich in den Handteller und vermittelt dir auf Anhieb das Gefühl, die 100%ige Kontrolle über einen präziese dirigierbaren Taktstock haben. Ja, der Zeigefinger passt bei Bedarf locker auf den Blank. Viel besser hätte man den VSS Reel Seat meiner Meinung nach nicht einpacken können. Volle Punktzahl!

Blank & Ringe

  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Blank, Ringe
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Leitring
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - FUJI, Stripper Guide
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Spitzenring
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Blank, Spezifikationen
  • Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Blank, Technical SP

Unboxing: Tailwalk Fullrange S63ML - Blank und Beringung

In puncto Verarbeitungsqualität darf sich Tailwalk gleich das nächste Bienchen anheften. Lacknasen oder Kratzer sucht man an der Fullrange vergebens. Die 7 FUJI Ringe mit SIC Einlagen sitzen akkurat ausgerichtet per K-Setting auf einem schnurgeraden und unlackierten Blank. Apropos „K-Setting“. An der einteiligen Fullrange S63ML ist mir das erste Mal der sog. Rapid Choke Point aufgefallen.

Ausgehend vom Stripper Guide (Leitring) folgen zwei Stainless Steel Frames und schon wird die Schnur nur noch ein paar Millimeter vom Blank entfernt bis zum Tip-Guide durchgeführt. Wie wichtig das Tangle Free Setting an einer Spinnrute ist, merkt man spätestens bei viel Wind, leichten Ködern, dünner Schnur und überlangen FC-Vorfächern. Aber das nur am Rande (…)

Kommen wir zum Blank. Tailwalk selbst gibt der Fullrange S63ML die Typenbezeichnung „The Technical SP“ mit auf den Weg – was auch immer diese Kreation zu bedeuten hat. Der Blank fühlt sich jedenfalls um ein Vielfaches leichter, dünnwandiger und in Summe wesentlich ausgewogener an, als es bei einer DEL SOL 632ML der Fall ist. Die Angaben zum Blankdurchmesser bestätigen dann auch schnell den Anfangsverdacht. Unten etwas dicker (10,8 mm). Ober etwas dünner (1,6 mm). Satte 16 Gramm leichter. „Fast Taper“ und „ML“ Powerrating passen sehr gut. Beim Wurfgewichtsbereich muss ich obenrum um 2 Gramm korrigieren. 4 bis 10 Gramm passen trockengewedelt besser.

Wirklich gut zeigte sich der spitzenbetonte Blank unter Belastung. Passend zum Wurfgewichtsbereich sieht die Biegekurve im oberen Bereich sehr homogen aus. Ab dem 4. Ring (von oben) wehrt sich der Blank langsam und macht relativ zügig dicht. Die geschnippst interpretierte Rückstellgeschwindigkeit liegt bei „schnell“ bis „richtig schnell“. Was ich so nicht erwartet hätte und trotz meiner Vorliebe für super zackig geführte Twitchbaits eventuell etwas zu schnell sein könnte. Spritzig, bissig, flink beschreibt den Blank der Tailwalk Fullrange S63ML sehr gut.

Zwischenstand

Im Trockendock hat die Fullrange S63ML alle Erwartungen erfüllt. Qualitativ hervorragend verarbeitet gibt es vom Butend bis zum Spitzenring nichts zu beanstanden. Die doch recht flinke Rute wächst einem dank des FUJI VSS Rollenhalters förmlich aus der Hand und lässt sich mit knapp 90 Gramm Gesamtgewicht locker und fluffig aus dem Handgelenk fuchteln. Was den werkseitig angegebenen Wurfgewichtsbereich, das ML-Powerrating und das Fast-Taper betrifft, kann man dem Tailwalk Rating nach deutschem Maßstab vertrauen. Einzig im unteren WG-Bereich liegen sie meiner Meinung nach etwas zu tief. 4 bis 10 Gramm passen besser. Den Rest haben sie wirklich ausgezeichnet getroffen.

Setup

Rolle & Schnur

Die Suche nach einer passenden Stationärrolle war ein Albtraum! Ausgehend davon, dass die Fullrange S63ML primär in schwarz / gold und hinten raus dezent in Silber glänzt, sollte es anfänglich eine möglichst schwarze Statio mit etwas mehr Silberanteil aus meinem Rollenbestand werden, z.B. die 2000er Caldia SHA oder die Sustain 2500 FG. Für den Proportions-Check lagen weiterhin eine Vanquish C3000 und zwei neue Shimano Stradic CI4+ Rollen in den Versionen 1000 FB und 3000 HGFB bereit.

Die ersten Paarungsversuche waren in meinen Augen, mit allen drei Rollen, desaströs! Sah irgendwie immer nach Gulasch am Ärmel aus. Fehlte nur noch eine pinkfarbende „Uncle Sam“ Hose mit goldener Schrift und silbernen Ketten um den Stiernacken gewickelt. Stilbruch. So gehe ich auf keinen Fall aus dem Haus. Der Goldanteil im vorderen Bereich des Griffs überstrahlt dann doch alles. Also die Rollen wieder demontiert, das Netz umgegraben und bei der 2016er Twin Power stecken geblieben.

Wirklich sicher war ich mir bei der farblichen Gestaltung des TP Bodys jedoch nicht. Also ab zum Angeljoe in Potsdam und angeschnallt was da war. Patrick, der nette Typ der mir schon im Vorfeld fünf Spulen mit frischer Schnur befüllt hat, war auch am Start. Nachdem wir so ziemlich jeder hochwertigen Shimano Rolle eine Chance gegeben hatten stand fest: Wenn man auf ein technisch und farblich sehr gut abgestimmtes Setup wert legt, dann paßt die Shimano Stella ’16 FI wohl am besten zur Fullrange S63ML. Da sind alle Farben dabei. Gebongt!

  • Setup: Tailwalk Fullrange S63ML - Shimano Stella 1000 PGS FI
  • Setup: Tailwalk Fullrange S63ML - Shimano Stella 1000 PGS FI
  • Setup: Tailwalk Fullrange S63ML - Shimano Stella 1000 PGS FI
  • Setup: Tailwalk Fullrange S63ML - Shimano Stella 1000 PGS FI

Setup: Tailwalk Fullrange S63ML - Shimano Stella 1000 PGS FI, Stroft GTP R

Technisch habe ich mich für das kleinste Modell, die Stella 1000 PGS FI entschieden und die Spule mit einer dunkelgrauen STROFT GTP R 04 befüllt. Max. Drag der Stella und die 3 kg Tragkraft der geflochtenen Hauptschnur sind dann aber das absolute Minimum an der S63ML. Auf den Einsatz einer durchgehend monofilen Hauptschnur habe ich verzichtet. Der Test wäre ohnehin wieder in die Hose gegangen. Ich mag das einfach nicht.

Um die extrem bissige Spitze der Fullrange zu entschärfen kommt daher ein ca. 2 m langes Gamakatsu G-Line Fluorocarbonvorfach in 0,22 mm (3,1 kg) als Puffer zum Einsatz. Wird später ggf. durch ein etwas dehnungsfreudigeres FC ersetzt. Dann laufen die Wobbler auch schön rund – hoffentlich. Ob das super filigrane Rolle-Schnur-Setup hält was ich mir davon verspreche? Zeit für den Testbericht. Ran ans Wasser!

Damit der Verbindungsknoten sauber durch den Spitzenring rutscht, verbinde ich Hauptschnur und Vorfach mit dem „Jochen Knoten“. Ist einfach zu binden, hält und sorgt für die planmäßige zweite Sollbruchstelle. Den Jochen Knoten und ein paar nützliche FC-Tipps gibts im Artikel Fluorocarbon-Knoten für Vorfach und Hauptschnur.

Testbericht

Die Tailwalk FullRange S63ML im Test

Schnell nochmal auf die Rechnung geschielt und siehe da, das Fullrange-Rutenbündel muss irgendwann um den 25. Oktober rum bei mir eingetroffen sein. Der Testzeitraum erstreckt sich daher über mehr als 2 Monate (gefühlt sechs) in den ich wirklich keine einzige Gelegenheit ausgelassen habe, um den Havelbarschen das Fürchten zu lehren. Präsentiert wurde dabei das komplette Hardbait-Arsenal mit Fokus auf Minnows & Shads und eine Ladung Softbaits an diversen Jigs und Rigs.

Balance & Handling

Testbericht Tailwalk Fullrange S63ML - Balance und Handling

Als ehemaliger Vollzeituferangler sind mir die Vorteile eine kurzen Rute nur selten positiv aufgefallen. Bei der einteiligen S63ML spielt der 1,90 m kurze Blank in Kombination mit getwitchten Wobblern, die primär vom Boot gefischt werden, sein volles Potenzial aus. Nicht nur das mir die Rute schon im Trockendock sprichwörtlich aus dem Handgelenk gewachsen ist. Nein, der nur 22 cm kurze Rear Grip sowie der perfekt ausbalancierte Kohlefaser-Blank sind mit der 1000er Stella ein wahres Handling-Gedicht!

Kein Rear Grip der sich wegen Überlänge im Rippenbogen oder in der Jacke verfängt und Null Kopflast. Legt man den Zeigefinger auf den Blank und übt minimalen Druck aus, neigt sich die Rutenspitze mit Leichtigkeit in Richtung Wasseroberfläche und bietet selbst mir als Händehocheinsfufzig den perfekten Winkel, um meine Minnows am lockeren Arm, schön entspannt aus dem Handgelenk zu animieren. Und zwar ohne dabei permanent im Wasser stecken zu bleiben.

Für den Einsatz als klassische Barschjigge sind mir die 1,90 m hingegen etwas zu kurz. Das gleiche gilt für Finesse-Rigs die mit längeren Vorfächern gefischt werden, z.B. Kickback-Rig, Carolina Rig, DS-Rig etc. Hier fehlt es mir persönlich an genau den 20 Zentimetern, die ich beim Guffieren bevorzuge. Aber das ist Geschmackssache und ändert nichts an der Bestnote für Handling & Balance im Umgang mit Hardbaits.

Wurfgewicht & Aufladung

Es gibt zwei Dinge die ich bei Angelruten überhaupt nicht (mehr) mag. a) Eine Rute permanent am Limit zu fischen. b) Ein Rute dauerhaft mit zu leichten Baits zu bestücken. Dafür haben mich die letzten Jahre als Uferangler und „One rod for all“ einfach zu sehr geprägt / versaut. Ich bin ein Sensibelchen geworden und fische meine Taktstöcker nur noch ungern außerhalb ihrer Optimal-Performance. Bei Bootsruten gilt daher ab sofort: Je spezieller, umso besser!

Meine Unboxing-Schätzung von 4 – 10 Gramm Wurfgewicht hat sich beim Test zwar als „okay“ erwiesen, ist im Detail aber noch Verbesserungswürdig, da der straffe Blank speziell im unteren Bereich doch etwas mehr Gewicht benötigt, um aus den Puschen zu kommen. Oben geht etwas mehr, als drauf steht und führt mich nach 2 Monaten mit der Tailwalk Fullrange S63ML zu folgendem Résumé:

Minimum: 4 g
Optimum: 6 – 10 g
Maximum: 12 g

Fest steht das die S63ML erst bei 4 bis 5 g anfängt zu arbeiten und gewaltfreie Wurfweitendefizite, insb. beim Einsatz von sehr schlanken und leichten Wobblern, nur über eine möglichst feine Hauptschnur kompensiert werden können. Genau hier schließt sich dann auch der Kreis zur werkseitigen Schnurklassenempfehlung von 3 – 8 lbs und meinem zaghaften Griff zur SROFT GTP R04.

Im Bereich zwischen 6 und 10 Gramm könnt ihr im Grunde alles an die S63ML hängen, was euch gefällt und voll durchziehen. Der optimale Wurfgewichtsbereich ist zwar relativ eng, aber wenn ihr den Korridor genau trefft, lädt sich der Blank ausgezeichnet auf und arbeitet auch wirklich mit. Das Maximum liegt bei 12 Gramm. Was ziemlich genau einem 7 g Kopf + 4 er Flash-J Shad oder 4 Inch Easy Shiner entspricht.

Köderspektrum & Köderführung

Damit ihr die Gratwanderung zwischen „Was ist zu wenig, und was ist zu viel?“ möglichst ohne Absturz übersteht und die sensible Fullrange S63ML nicht durch unpassende Baits schon bei der Köderführung ins Backbone zwingt, hier ein paar Live-Beispiele direkt vom Notizzettel.

Wobbler

Testbericht: Wobbler an der Tailwalk Fullrange S63ML

Testbericht: Wobbler an der Tailwalk Fullrange S63ML

Naturgemäß wirken sich beim Wobbler primär die Bauform, Lauftiefe und Aktion auf den Strömungswiderstand, respektive auf die benötigte Power des Blanks aus. An der S63ML hatte ich je nach Ködertyp im Rahmen der folgenden Richtwerte richtig Spaß mit meinen Hardbaits. Der notierte Referenzwobbler beschreibt jeweils die goldene Mitte. Also den Wobbler, der sowohl bei der Aufladung des Blanks, als auch bei der Köderführung das beste Gefühl vermittelt hat.

Bauform / Typ Länge Gewicht Lauftiefe Referenz
Minnows 70 – 90 mm 6 – 10 g bis 2 m Fish Arrow Three Shot Minnow 80
Shads 50 – 70 mm 6 – 8 g bis 1,5 m DUO Realis Shad 59 MR
Crankbaits 40 – 50 mm 6 – 8 g bis 1,5 m Jackall Aska 45 MR
Mini-Jerkbaits 50 – 70 mm 6 – 10 g bis 1,5 m Westin Mini Jerk 65 SP
Stickbaits 60 – 80 mm 6 – 10 g Topwater Illex Water Moccassin 75
Popper 50 – 70 mm 6 – 10 g Topwater Ecogear PP 60F

Am Beispiel der Eingangs erwähnten Barschwobbler sieht das fischbare Köderspektrum an der Fullrange wie folgt aus. Im Bereich „Minimum“ kämpft ihr auf Grund des geringen Gewichts der Wobbler mit einer eher mäßigen Aufladung, aber rel. guter Köderführung. Beim Optimum passt alles (Aufladung & Köderführung). Im Bereich „Maximum“ wirkt sich die Lauftiefe nachteilig auf die Köderführung aus und bringt den Blank so an seine Leistungsgrenzen. Hier ggf. nicht ganz so hart Twitchen. Dann laufen auch die „großen“ Minnows.

Minimum (Etwas zu leicht. Köderführung okay.)

  • Illex Squirrel 61 SP
  • ZipBaits Rigge 70 Deep
  • DAIWA Double Clutch 75
  • ZipBaits Rigge Slim 80 SS
  • ZipBaits Rigge 70 SP / Deep
  • Lucky Craft Pointer 65 SP

Optimum

  • Jackall Soul Shad 58 SP
  • Lucky Craft Bevy Shad 60 DD
  • Illex DD Squirrel 67 SP
  • Fish Arrow Three Shot Minnow 80
  • Megabass FX Zero

Maximum (Gewicht ok. Widerstand im Wasser etwas to much.)

  • ZipBaits Trick Shad 70 SP
  • Bassday Mogul Minnow 88 SP
  • Megabass FX 9
  • DAIWA Double Clutch 90
  • Lucky Craft Pointer 78 SP

Jigs

Testbericht: Jigs und Chatterbaits an der Tailwalk Fullrange S63ML

Testbericht: Jigs und Chatterbaits an der Tailwalk Fullrange S63ML

Trotz der Kürze des Rütchens, und weil es sich für einen so schnellen Blank ja auch irgendwie gehört, habe ich die Tailwalk-Rute mit diversen Jigköpfen, Skirted Jigs und Chatterbaits plus Trailer beladen. Hierbei stand neben der Köderführung primär die Rückmeldung und Sensibilität im Vordergrund. Na ja, was soll ich sagen. Wer den vollständigen Bericht bis zu dieser Zeile gelesen hat, der wird sich über das folgende Feedback wohl kaum wundern.

Die hochmodulierte Kohlefaser und der dünnwandige Blank übertragen Anfasser und Änderungen der Bodenstruktur mit Leichtigkeit bis in den Zeigefinger. „Crispy“ scheint als Bezeichnung für solche fein aufgebauten und sensiblen Tubes gerade voll im Trend zu liegen. Der Fullrange-Blank fühlt sich jedenfalls fast schon an, wie der Resonanzkörper einer richtig teuren Violine. Zupft man an der Saite beschleicht einen das Gefühl, dass der Blank eine Art Verstärkerfunktion übernimmt. Vielleicht liegts aber auch nur daran, dass die alten und dickwandigen Röhren viel zu viel der köstlichen Barschmusik verschluckt haben. Ich für meinen Teil bin mit der Sensibilität / Rückmeldung mehr als zufrieden!

Head Gewicht Trailer Referenz
Jigköpfe 3,5 – 7 g 3 – 4 Inch 5 g + Bait Breath TT Shad 3.2
Skirted Jigs 3,5 – 7 g 3 – 4 Inch 5 g + Bait Breath U30 Fish Tail 3.3
Chatterbaits 3,5 – 5 g 3 – 4 Inch Fish Arrow KO Chatter 5 + Bait Breath U30 Fish Curly 3.5

Zu den Jigköpfen hatte ich oben bereits geschrieben, dass ein 7 g Kopf plus 4er Flash-J Shad oder 4 Inch Easy Shiner das Maximum an fishability darstellen. 5 g Heads mit Bait Breath TT Shad 3.2 fang ich optimal. Skirted Jigs sind leider nur außerhalb des Covers zum Einsatz gekommen. Bei Chatterbaits würde ich nicht über 5 g Kopfgewicht plus schlanke 4 Inch Trailer gehen. Bedenkt, dass bei Chatterbaits i.d.R. nur das reine Kopfgewicht angegeben wird und der Rüttler incl. Blade und Skirt ca. 10 – 20% mehr auf die Wage bringt. Dazu kommt dann noch der Trailer und der Strömungsdruck. KO Chatter 7 war beispielsweise schon etwas zu viel – egal mit welchem Gummitier.

Rigs

Testbericht: Finess-Rigs an der Tailwalk Fullrange S63ML

Testbericht: Finess-Rigs an der Tailwalk Fullrange S63ML

So lange die Fullrage S63ML nicht mit einem Texas-Rig im Heavy Cover gefischt wird, lassen sich Finesse-Rigs mit Weights zwischen 5 und 7 g plus 3er Gummiköder problemlos werfen & fischen (Carolina Rig, Kickback Rig etc.). An der Drop Shot Montage kann das Gewicht auch gerne bis zum Limit (12 g) ausgereizt werden. Das Spine-Rig lief mit 2,4 g Nail Sinker und 3 Inch Flash J Pintail super, konnte schön zackig gezupft werden und ist für mich die einzige Montage, die ich auch dauerhaft an der Rute fischen würde. Für alle anderen Rigs ist mir der 1,90 m lange Blank etwas zu kurz.

Aktion & Drillverhalten

Wie es sich für eine einteilige Spinnrute mit Fast Taper gehört, spielt sich ein Großteil der Rutenaktion im oberen Drittel ab. Spitzenbetont, keinerlei unharmonische „Brüche“ in der Biegekurve und sobald die S63ML mit den ersten Barschen im Bereich zwischen 35 und 40 cm kämpft, würde ich ihr für die sehr gute Mitarbeit beim Barschangeln sogar das Prädikat „Im Drill besonders einsteigerfreundlich!“ aufdrücken.

Macht man bei zwei so unterschiedlichen Ruten zwar nicht, aber ich vergleiche das mal schnell mit dem Drillverhalten an der 2,08 m langen Levante 6’10 Stinger Shot (X-Fast Taper). Wenn du an der Megabass-Rute einen Biss bekommst, musst du richtig schnell sein! Die Rute richtig hoch reißen und noch schneller Kurbeln, um den Druck konstant aufrecht zu halten. Bist du an der Levante auch nur eine Sekunde nachlässig, bestraft dich das X-Fast Taper nebst bretthartem Hinterteil mit Aussteigern und einer miserablen Bissausbeute.

Die Fullrange S63ML is das komplette Gegenteil. Was jedoch nicht nicht bedeutet, dass sich der Blank bei einem 38er Barsch bis zum Fore Grip biegt oder in irgendeiner Art & Weise als „langsam“ oder als „am Ende“ bezeichnet werden könnte. Viel mehr greift das Backbone nicht ganz so drastisch, aber doch bestimmt und kraftvoll zu. Nachlässigkeiten oder Fluchten puffert er sehr gut weg und bietet vom zappeligen 20er Barsch bis zum tockigen 60er Zander maximalen Drillspaß mit Reserven für mehr.

BTW: Die Barsche hingen fast ausnahmslos an den folgenden Hardbaits: DAIWA Double Clutch 75 (Hologram Mat Clear), DUO Realis Shad 52 MR (HR Ayu) und ZipBaits Rigge Slim 80 SS (826, 021). Zander gabs auf Keitech Easy Shiner 4″ (Bluegill Flash) und Fish Arrow Flash J Shad 3″ (Kosan Ayu / Silver).

Einer von vielen Havelbarschen an der Fullrange S63ML

Einer von vielen Havelbarschen an der Fullrange S63ML

Fazit

Das Testergebnis

Nach mehr als 2 Monten am Wasser, unzähligen Barschen und einer Handvoll Zander steht für mich fest, dass die Tailwalk Fullrange S63ML trotz ihrer schnellen Spitzenaktion genau die Twitchbait-Rute ist, die ich für meine zackig animierten Barschwobbler gesucht habe. Bewegt man sich bei der Auswahl der Köder im Rahmen des optimalen Wurfgewichtspektrums, gibts für vertretbare 240 EUR eine extrem gut abgestimmte Rute die ihrer Position am oberen Ende des aktuellen Tailwalk-Lineups mehr als gerecht wird. Fazit: Richtig geiler Tacktstock mit uneingeschränkter Kaufempfehlung. Die S63ML bleibt definitiv bei mir und kann auch dich ganz schnell glücklich machen.

Vielen Dank an die Jungs vom Angeljoe in Potsdam und das Nippon-Tackle Partnerprogramm, über das die Rute den Weg zu mir gefunden hat (www.nippon-tackle.com/Partnerprogramm).

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