Tailwalk Fullrange S67L im Test – Allround Light-Rute zum Barschangeln

Leichte Spinnruten gibt es wie Sand am Meer. Was die Tailwalk Fullrange S67L von ihren Mitbewerbern unterscheidet und warum sich der japanische Taktstock ausgezeichnet für das Angeln mit so ziemlich jedem erdenklichen Köder im angegebenen Wurfgewichtsbereich eignet, findest du in diesem Testbericht heraus.

Tailwalk Fullrange S67L im Test

Tailwalk Fullrange S67L im Test

  1. Tailwalk Fullrange S67L im Test
  2. Spezifikationen & Einsatzspektrum
  3. Unboxing & Setup
  4. Wurfgewicht & Aufladung
  5. Köderspektrum & Köderführung
  6. Aktion & Drillverhalten
  7. Fazit

Für den Testbericht zu meiner vorerst letzten Fullrange Rute habe ich mir bewusst etwas mehr Zeit gelassen, um euch das schwarze Schmuckstück passend zum nahenden Auftakt in die Light Tackle-Saison vorzustellen. Wie alle anderen privat eingesetzten Tailwalk-Stecken, fand auch die Fullrange S67L vor knapp zwei Jahren ihren Weg über das Nippon-Tackle Partnerprogramm zu mir. Das war in jedem Fall Zeit genug, um der Light-Rute über das komplette Barschköderspektrum hinweg die Sporen zu geben.

Spezifikationen & Einsatzspektrum

Leicht, schnell, hardbaits, jigs und rigs

Datenblatt Tailwalk Fullrange S67L
Typ Spinning
Länge 2,01 m
Power L
Taper Fast
Wurfgewicht 1,8 – 7 g (1/16 – 1/4 Oz)
Empf. Schnur 2 – 8 lbs
Teilung einteilig
Transp. Länge 2,01 m
Gewicht 95 g
Ringe 7 + Tip, Tangle Free FUJI K Setting, Stainless Steel Frame, SIC Einlagen
Griff Split Grip, Duplon, schwarz, Typ F
Grifflänge* 32,5 cm / 23,5 cm
Rollenhalter FUJI VSS
Blank geschliffen / unlackiert, 99% Kohlefaseranteil
Blank-Durchmesser 1,5 mm / 9,8 mm
Grundfarben Blank: mattschwarz, dunkelgrau
Applikationen: gold, silber
Zierwicklungen: gold
Schriftzüge: weiß, gold
Preis (UVP) 239 €
* mit Rollenhalter / ohne Rollenhalter
→ Alle Tailwalk Fullrange Ruten im Überblick

Basierend auf den bereits im Line-up befindlichen Modellen S63ML und S67MH sollte die neue Fullrange S67L hauptsächlich das Wurfgewichtspektrum unterhalb der Medium Light-Rute, also effektiv den Bereich bis maximal 7 g optimal abdecken und dort primär als Taktgeber für mein leichtes Hardbait-Arsenal, sekundär für das Angeln mit leichten Jigs und diversen Finesse-Rigs zum Einsatz kommen.

Da die Blanks innerhalb der Fullrange-Rutenserie von der Charakteristik her alle gleich schnell und kraftvoll abgestimmt sind, fiel der Griff zur einteiligen S67L nicht sonderlich schwer. Ehrlich gesagt war es sogar von Anfang an klar, dass ich meinen Spinnrutenwald mit keiner anderen Rute vervollständigen werde, als mit der S67L. Sie sollte ja nicht nur eine technische Erweiterung darstellen, sondern auch optisch zu den schon vorhandenen Ruten passen.

Unboxing & Setup

Du bekommst, für was du bezahlst!

  • Tailwalk Fullrange S67L - Unboxing
  • Tailwalk Fullrange S67L Rollenhalter und Fore Grip
  • Tailwalk Fullrange S67L Duplon Griff
  • Tailwalk Fullrange S67L Abschlusskappa
  • Tailwalk Fullrange S67L Leitring
  • Tailwalk Fullrange S67L FUJI SIC Ringe
  • Tailwalk Fullrange S67L Spitzenring

Tailwalk Fullrange S67L - Unboxing & Setup

Lieferung, Design & Optik

Die Tailwalk Fullrange S67L wurde wie gewohnt im PVC-Kunststoffrohr innerhalb von 48 Stunden nach Bestelleingang geliefert. Bei der weitestgehend stoß- und schlagfesten Verpackung haben sich die Damen und Herren von Nippon-Tackle dieses Mal noch mehr Mühe gegeben, so dass es geschlagene 10 Minuten gedauert hat, bis ich die Rute schlussendlich von ihrem hübschen Samtfutteral mit goldenen Fullrange-Lettern befreien konnte.

Optisch steht die leichtgewichtige S67L ihren größeren Geschwistern in nichts nach. Selbst nach der x-ten Unboxing-Session kann ich dem Erscheinungsbild der pechschwarzen Tackstöcken nur jedes Mal aufs Neue meine tiefste Zuneigung aussprechen. Wer eine zeitlos elegant gestaltete Rute sucht, dem kann ich die schnörkellosen und farblich sehr gut aufeinander abgestimmten Fullrange-Spinnruten – mit EVA-Griff – nur wärmstens ans Herz legen!

Komponenten & Verarbeitung

Im gehobenen Mittelkalssebereich kann man zu Recht die Verwendung hochwertiger FUJI-Komponenten und eine 1A-Verarbeitungsqualität erwarten. Beide Disziplinen sind seit je her eines der Steckenpferde der Japaner, und so verwundert es kaum, dass die Fullrange S67 von der Spitze bis zum Butt-End keinerlei Qualitätsmägel aufweist oder gar lieblos mit irgendwelchen 0815-Anbauteilen bepflastert wurde.

Die FUJI KR Guides mit SiC-J Inlays im rostfreien Edelstahlrahmen sitzen wie mit der Lotschnur platziert kerzengerade und in eine Flucht auf dem mit 99% Kohlefaseranteil angegebenen, unlackierten Tailwalk-Blank. Um die Gewichtsreduzierung der nur 95 g schweren S67L nicht durch einen übermäßig schweren Griffaufbau zu nichte zu machen, setzt Tailwalk wie gewohnt auf den FUJI VSS-16 Rollenhalter mit schwarzem Duplon Split Grip (Typ F) und EVA Abschlusskappe.

Damit der direkte Kontakt zum Blank via Zeigefinger in jeder Position sichergestellt ist, fällt der praktisch nicht vorhandene Fore Grip entsprechend kurz aus. Genauer gesagt besteht der Fore Grip im Grunde nur aus dem schwarz-goldenen Schraubrollenhalter, der Null stört und die montierte Rolle ohne versehentliches Öffnen sicher an ihrem Platz hält.

Trockenwedeln & Setup

Auf eine Sache kannst du dich bei Tailwalk wirklich immer verlassen: Wenn sich die Rute im Schwarzbarsch Line-up befindet und der Blank mit einem Fast-Taper angegeben ist, dann ist er auch FAST! Wenn man so will, könnte man die charakteristische Attribution fast schon als eine Art USP bezeichnen, der die Tailwalk-Ruten zuverlässig von den Modellen der Mitbewerber abgrenzt. Hier meine Notizen vom ersten Trockenwedeln der Fullrange S67L:

dünnwandiger / feinnerviger Blank, spritzig / hohe Rückstelgeschwindigkeit, straff abgestimmt / kein Schwabbeln, spitzenbetont, progressives Verhalten unter Belastung, verhältnismäßig kräftiges Backbone, leichtes Underrating

Das leichte Underrating gehört bei Tailwalk-Ruten ebenso zum „guten“ Ton. Zwar würde ich mir wünschen, dass die Japaner speziell bei der Angabe der Minimalwerte nicht ganz so optimistisch vorgehen, aber gut. Es ist wie es ist. Meiner Einschätzung nach sollten mindestens 3,5 Gramm an anderen Ende der Schnur hängen, um den Blank zur Mitarbeit zu bewegen. Aber das schauen wir uns gleich im Fieldtest genauer an (…)

Zu einer vernünftigen Light-Rute gehört natürlich auch eine vernünftige Rolle nebst passender Schnur. Wobei die Betonung im wahrsten Sinne des Worte auf „vernünftig“ liegt. Vernünftig ist zum Beispiel eine Rolle im mittleren Preisbereich bis max. 250 Euro. Persönlich hatte ich schon so gut wie jedes irgendwie infrage kommende Modell von Shimano und DAIWA an der S67L montiert. Das Resultat:

Shimano: Technisch und optisch liegst du mit einer 2500er Shimano-Rolle genau im optimalen Bereich. Von den Leistungsdaten würde eine 2000er Shimano zwar reichen, optisch würde dir dann aber der an der S67L doch recht klobig wirkende EVA-Griff einen Strich durch die Rechnung machen. Die 3000er Rollengröße steht nicht zur Diskusion – viel zu „fett“.

DAIWA: Du willst „best value for money“? Dann schau dich bei den aktuellen DAIWA-Rollen nach einer 25er Rollengröße aus dem LT-Sortiment um. Hört sich erstmal ziemlich „groß“ an, sieht aber durch den leicht geschrumpften Body hervorragend aus und ist technisch die derzeit beste Option für die S67L. Du willst es ganz konkret? Nimm die DAIWA Theory 2506 oder 2506H! Da passt jeder farbliche Akzenkt, der Formfaktor, das Gewicht, die Übersetzung und die Bremskraft.

Bei der Auswahl der passenden Schnur gibt Tailwalk eine Empfehlung von 2 bis 8 Pfund an. Zwei sind zu wenig, acht Pfund deutlich zu viel – je nach Schnurgewicht. Wenn du dich häufiger im unteren Wurfgewichtsbereich rumtreibst, geht es bei einer leichten 4 Pfund-Schnur los. Den besten Kompromiss gibt’s bei einer geflochtenen Schnur mit 5 Pfund Tragkraft. Fischst du die S67L dauerhaft im oberen Wurfgewichtsbereich, sind 6 Pfund okay. Tipp: Sunline Super PE oder mein neues Lieblingsgeflecht: Gosen W Hard Type.

Wurfgewicht & Aufladung

Bei 3 Gramm gehts los, ab 4 macht sie richtig Spaß!

Tailwalk Fullrange S67L - Wurfgewicht & Aufladung"

Tailwalk Fullrange S67L - Wurfgewicht & Aufladung"

Um den optimalen Wurfgewichtsbereich der Tailwalk Fullrange S67L zu testen, habe ich einfach eine Ladung Drop Shot-/Chebu-Sinker als Casting Weights zweckentfremdet und voll durchgezogen. Wirklich professionell, reproduzierbar oder objektiv ist diese Methode natürlich nicht. Aber es geht ja auch nicht um Laborwerte, sondern um die gefühlt bestmögliche Kombination aus Wurfgewicht & Aufladung des Blanks in freier Wildbahn. Feuer frei!

Minimum: Wie schon beim Trockenwedeln vermutet, sind die werkseitig angegebenen 1,7 g sehr otimistisch. Null Aufladung, keine Beschleunigung. Oder kurz: Da passiert einfach nix. Wirklich interessant wird die S67L ab einem Wurfgewicht von 3 Gramm. Hängt man noch ein Gramm mehr in den Snap, sind wir beim unteren optimalen Wurfgewicht abgekommen. Ab 4 g bewegt sich nämlich schon deutlich mehr als nur die Rutenspitze und feuer das Casting Weight mit Maximalbeschleunigung weit über den Zielkorridor hinaus.

Maximum: Bis zur 7-Gramm-Grenze vermittelt der Blank durchgehend das Gefühl, dass die Light-Rute auch dauerhaft mit der werkseitig angegebenen Höchstlast geworfen werden kann. Ein bis zwei Gramm mehr sind sicherlich auch noch drin, ab 10 g wurde es voll durchgezogen dann aber deutlich zu viel. Abzüglich meiner ggf. etwas zu sensiblen Wahrnehmung sehe ich die Tailwalk Fullrange S67L bis zu einem Wurfgewicht von maximal. 8 Gramm optimal bestückt.

Köderspektrum & Köderführung

Knackig, zackig, schön direkt!

Köderführung und Köderspektrum der Tailwalk Fullrange S67L

Köderführung und Köderspektrum der Tailwalk Fullrange S67L

Den ganzen Tag stumpfsinnig irgendwelche Gewichte durch die Gegend zu feuern, sieht nicht nur blöd aus, es ist auch todlangweilig! Damit ihr euch ein möglichst genaues Bild vom möglichen Köderspektrum an der Tailwalk Fullrange S67L machen könnt, habe ich meine Schatztruhen geöffnet und Querbeet alle irgendwie infrage kommenden Light-Köder durchgetestet.

Hardbaits

Erwartungsgemäß eignet sich der straffe Fast-Taper Blank tendenziell am besten für das Angeln mit kleinen Minnows / Twitchbaits. Hält man sich im Bereich zwischen 3 bis maximal 7 Gramm Ködergewicht auf, ist auch das restliche Hardbait-Arsenal von Stickbaits über Popper bis hin zu kleinen Crankbaits keine Herausforderung. Je nach Strömungsdruck lässt sich an der S67L so gut wie alles, was bis ca. 1,5 Meter tief abtaucht schön direkt, zackig und knackig führen. Mein Wohlfühlbereich nebst Lieblingswobbler sah wie folgt aus:

Typ Länge Gewicht Lauftiefe Lieblingswobbler an der S67L
Minnows 50 – 70 mm 3 – 6 g bis 1,5 m ZipBaits Rigge 70 SP
Stickbaits 40 – 60 mm 3 – 7 g Topwater ZipBaits ZBL Fakie Dog CB
Popper bis 50 mm 3 – 7 g Topwater Viva Mazzy Popper MP-50
Crankbaits bis 50 mm 3 – 6 g bis 1,5 m Yamaria MC-1 38DR

Jigs & Rigs

Beim Angeln mit Jigs & Rigs muss man die straffen Spitzen der Fullrange-Blanks wirklich mögen. Mir persönlich gefällt sie sehr gut, da ich speziell am Drop Shot- und Spine Rig extrem gerne mit hochfrequent wackelnden Pin-/V-Tails auf Brautschau gehe. An der Drop Shot Montage kann der Wurfgewichtsbereich mit einem bis zu 8 g schweren Sinker plus 2 bis 3 Inch Softbaits voll ausgereizt werden. Texas-/Carolina und andere Finesse Rigs mit Durchlaufblei lassen sich mit 3,5 bis 5 g schweren Bullets Weights zzgl. 5 bis 7 cm Trailer super entspannt werfen und führen.

Letzteres gilt im übrigen auch für Finesse-/Skirted Jigs! Werden die Gummis nicht all zu hart gejiggt, sind 5 g schwere Kopfgewichte mit 3 Inch Gummiköder noch machbar. So richtig wohl fühlt sich die S67L jedoch mit 2 bis 5 g leichten Jigs und einem 2 Inch Action-Shad. Bei der Gelegenheit sollte ihr auch mal einen 3,5 g Dart Jig (Illex Straight Jig, Decoy Delta Magic) mit 4 Inch DAIWA D-Tail an der Fullrange durchs Mittelwasser zupfen – Spaßbeschleuniger!

Aktion & Drillverhalten

Progressive Aktion, jederzeit kontrollierter Drillspaß!

Neben den rein technischen Voraussetzungen hinsichtlich des Köderspektrums und der Köderführung muss eine typische Light-Rute vor allem eins bieten: kontrollierten Drillspaß! Wie gut die Fullrange-Ruten beim gezielten Barschangeln abschnitten, wurde bereits ausgiebig in den vorangegangenen Reviews zur S63ML und S67MH notiert. Die Tailwalk Fullrange S67L reiht sich hier wünderschön ein und hebt den Spaßfaktor im handlangen Schniepelbarschsegment auf ein neues Level.

Wie gut sich die doch recht filigrane S67L unter Maximalbelastung fischen lässt, zeigte sich beim mehr oder weniger gezielten Rapfenangeln mit kleinen Stickbaits und Poppern. Ist die Rollenbremse vernünftig eingestellt, bietet die progressive Aktion in Kombination mit einem verhältnismäßig kraftvoll zupackenden Backbone genügend Puffer & Power, um das letzte Drittel im Drill eines halbstarken Havelrapfen noch irgendwie als kontolliert bezeichnen zu können.

Fazit: Ausgezeichnete Allround Light-Rute zum Barschangeln mit Jigs, Rigs & Hardbaits!

Viele Überraschungen gab es wenig!

Allround Light-Rute zum Barschangeln mit Jigs, Rigs & Hardbaits

Allround Light-Rute zum Barschangeln mit Jigs, Rigs & Hardbaits

Im direkten Vergleich zur nächstgelegenen S63ML reiht sich die Tailwalk Fullrange S67L erwartungsgemäß nur eine Nuance unterhalb der Medium-Light Rute ein. Wer also eine möglichst vielseitig einsetzbare, straff abgestimmte Allround Light-Rute zum Barschangeln mit Jig, Rigs und Hardbaits sucht, der kann ruhigen Gewissens zur einteiligen S67L greifen. Zwischen 3 und 8 g feuert die hervorragend verarbeitete schwarze Kohlefaserröhre so gut wie alles durch die Gegend und bietet Drillspaß in der gehobenen Mittelklasse.

Falls du noch Fragen zur S67L hast, kannst du mich gerne per Kommentarfunktion damit löchern oder direkt im Nippon-Tackle Shop vorbei schauen und die Light-Rute in dein Arsenal aufnehmen. Stay tuned!