Nach fast 3 Monaten Abstinenz und mehr oder weniger Null Neuigkeiten im Blog, werde ich von extern dazu gezwungen ein paar Zeilen zu schreiben. Zugzwang bedeutet in diesem speziellen Fall jedoch nur, dass ich die damals verpasste Chance einen Testbericht über Tailwalk DEL SOL S632ML zu verfassen kein zweites Mal ungenutzt an mir vorbeiziehen lasse. Lange Rede, kurzer Sinn. Der Rest der Geschichte dürfte dem Stammleser bekannt vorkommen. Ich suchte eine japanische Spinnrute im mittleren Preisbereich von 150 bis 200€. Fand das Objekt der Begierde nach elendig langer Suche bei Fabian im Shop und dachte knapp 3 Monate später „es geht bestimmt noch besser“. Die DEL SOL wurde schlussendlich viel zu früh, aber dennoch liebevoll in die Hände des Kapitäns übergeben. Torsten hat dann genau einen Monat gebraucht, um die Rutenspitze mittels Kofferraumdeckel einem Belastungstest zu unterziehen.

Tailwalk DEL SOL Special Edition

Tailwalk DEL SOL Special Edition

Quintessenz bis einschließlich heute: In der Preisklasse bis 200€ hatte ich bislang keine vergleichbare Japan-Spinnrute in der Hand, die für so „wenig“ Geld so viel Leistung bietet. Die alte DEL SOL S632ML war ein Glücksgriff. Alt deshalb, weil die Rutenserie bekanntermaßen dem extrem kurzlebigen Produktzyklus zum Opfer gefallen ist, und von den Japanern genau zu dem Zeitpunkt aus dem Tailwalk Sortiment entfernt wurde, zu dem sie hierzulande erst richtig bekannt wurde. Die Anzahl der DEL SOL Fans ist seither solide und der Review O-Ton fast immer der gleiche. Meiner wäre der folgende gewesen:

Review S632ML (2012)


Wer sich etwas ernsthafter mit der Raubfischangelei beschäftigt und erstmal ein Gefühl dafür bekommen möchte, was mit einer vernünftigen Japan-Rute möglich ist, der sollte nicht gleich zu den Sternen greifen und im mittleren Preisbereich anfangen. Stellt sich nach den ersten Würfen heraus, dass die Grobmotorik der Sensibilität des Blanks nicht das Wasser reichen kann, so ist man(n) mit den testweise investierten 180€ noch gut davon gekommen. Tritt jedoch der ehr wahrscheinlichere und entgegengesetzte Fall ein, so wird man bei der Tailwalk DEL SOL mit einem Preis-/Leistungsverhältnis belohnt, dem nur sehr wenige JDM-Ruten das Wasserreichen können!

– wunderschöner, griffiger EVA-/Duplon-Split-Grip
– zuverlässiger FUJI VSS Rollenhalter
– FUJI SIC Beringung nach „Tangle free K-Concept“
– sensibler Blank mit ausgeprägter Spitzenaktion und beeindruckender Rückstellkraft
– optimales Transportmaß dank mittiger Teilung
– zeitlos elegantes Design in schwarz/grau
– vom Rutenhalter bis zum Spitzenring qualitativ 1A verarbeitet

Fisch man die mit einem Wurfgewicht 2 bis 15 Gramm angegebene DEL SOL S632ML zum ersten mal am Wasser, wird schnell klar was die Spinnrute so erfolgreich macht. Wo die einzelnen Komponenten schon durch einen qualitativen Mindestanspruch punkten, legt der unglaublich gut arbeitende Blank die Messlatte nochmal 2 Klassen höher! Die S632ML eignet sich auf Grund ihres straffen Fast-Blanks perfekt zum Barschangeln mit Jigs & Rigs zwischen 5 und 10 Gramm. Sollten es die Umstände erfordern, geht auch mal ein Hardbait im angepassten Barsch-Format. Dann aber nach Möglichkeit unter Verwendung einer monofilen Angelschnur, da die Bewegungsabläufe sonst ziemlich unrund werden könnten.

Bei Auswurf, Biss und Drill verhält sich die DEL SOL Rute exakt so, wie es der Barsch benötig! Im optimalen Wurgewichtsspektrum von 5 bis 10 Gramm fliegen die Anbißstellen selbst bei minimalem Kraftaufwand zielgenau auch an die etwas weiter entfernten Spots. Egal ob der Barsch nur am Köder lutsch, normal beißt oder rein knallt als gäb’s kein Morgen mehr, es ist lediglich der Reaktionszeit des Anglers geschuldet, wie schnell Er den Anhieb setzt. Bisse und Bodenstruktur kommen sauber durch. Im Drill arbeitet dann primär das obere Viertel der Rute und bietet auch bei kampfstarken 40+ Gegnern noch mehr als ausreichend Kraftreserven, um das Traumschiff sicher zu landen.

Sofern es an der DEL SOL S632ML überhaupt etwas zu kritisieren gibt, so ist es der etwas zu lang geratene Fore-Grip und die Angebe des Wurfgewichtsspektum im unteren Bereich. Laut Tailwalk soll sie zwar ab ~1,9 Gramm werfen, aber wirklich optimal ist das nicht. Wer sich im Light / Ultra-Light Bereich austoben möchte, der greif besser zu einem DEL SOL Modell der Klasse L oder eben UL.

Tight Lines,
– Marco

Wie die Japaner auf die irrwitzige Idee gekommen sind, eine solche Rute aus dem Sortiment zu nehmen entzieht sich vollends meiner Vorstellungskraft – Scheuklappen? Einzig und allein den Hilferufen der unbefriedigten Kundschaft ist es zu verdanken, dass die DEL SOL 2014 ihr Revival erleben darf und seit Mitte April wieder im Nippon Tackle Onlineshop verfügbar ist. Sauber gemacht Herr Kraft! Bleibt nur noch eine Frage zu klären. Handelt es sich bei der exklusiv für den Feinkostladen hergestellten Special Edition um exakt das gleiche Modell, oder gab es grundlegende Änderungen in Aufbau und Blank? Um der Frage schnellstmöglich auf den Grund zu gehen habe ich mir eine neue S632ML SP geschnappt und ein paar Probewürfe gemacht.

DEL SOL S632ML Special Edition (2014er Modell)

In den technischen Spezifikationen unterscheidet sich die 2014er Special Edition nur minimal von ihrer Vorgängerin. Länge (1,91m), Teilung (mittig, Transportmaß 102cm), Aktion/Tapper (fast), Rückstellkraft (ausgezeichnet), Anzahl (7), Art (FUJI SIC) und Aufbau der Beringung nach K-Concept sind gleich geblieben. Einzig beim Griff-Typ gab es eine meiner Meinung nach ehr suboptimale, aber nicht wirklich tragische Entscheidung. Das aktuelle Modell wird nicht mehr wie vorher mit einem Split-Grip Typ B, sondern mit einem durchgehenden Duplongriff nebst VSS Reel Seat bestückt. Resultierend aus der geänderten Heckkonfiguration erhöht sich das Gewicht der neuen DEL SOL um 3, auf insgesamt 107 Gramm. Ok, eine kleine Änderung gab es noch. Die neuen Blanks sind „rau“ und mit Glanzlack überzogen. Die alten kamen matt geschliffen daher.

Testbericht: Tailwalk DEL SOL S632ML Special Edition

So weit so gut. Technisch hat sich nicht viel verändert. Das gleiche gilt im überigen auch für die Haptik. Beim trockenwedeln fühlt sich die 2014er exakt so an, wie ich die alte DEL SOL in Erinnerung habe – straff und schnell mit spitzenbetonter Aktion (fast taper). Gefühlt sind Japaner kein Risiko eingegangen und haben das Geheimnis der DEL SOL erkannt. Der mit 99% Kohlefaseranteil verbaute Blank lag ja ohnehin schon weit über dem, was man in diesem Preisbereich gewohnt war – sehr gut! Hier die Spezifikationen im direkten Vergleich. Achtet auf die Veränderungen unter dem Punkt „Schnurklasse“. Die häufig geäußerte Kritik über zu niedrig angesetzte Werte wurde zumindest dort schon Werkseitig, und im Nippon Tackle Shop vollständig in Bezug auf das Wurfgewicht berücksichtigt.

Tailwalk DEL SOL S632ML (alt) S632ML SP (neu)
Länge 1,91m 1,91m
Gewicht 102gr. 107gr.
Aktion fast fast
Wurfgewicht 1,8 – 14gr. 1,8 – 14gr.
Schnurklasse 3 – 12lb 4 – 12lb
Teile 2 2
Transportlänge 98cm 98cm
L1 / L2 320mm / 180mm 340mm / 165mm
Griff Duplon, Split-Grip Duplon, durchgehend
Rollenhalter VSS VSS
Lackierung (Blank) nein, geschliffen ja
Tec. specs aus 2011er Tailwalkkatalog und Nippon Tackle Shop

Field Test!

Für den Test am Wasser habe ich mir nur die Köder und Rigs rausgepickt, mit der die Rute auch wirklich zurecht kommt. Da es sich bei der S632ML jedoch um einen fast Alleskönnerin handelt, „dürft“ ihr natürlich auch kleine Cranks und den Rest eurer Tacklebox mit ihr fischen. Optimal ist zwar anders und stören tut’s so lange nicht, wie ihr die Rute nicht unter-/überfordert. Zwischen 5 und 10 Gramm + Trailer gibt’s eigentlich nichts, was beim Barschangeln nicht an der DEL SOL gefischt werden kann. Das Setup bestand aus einer 1000er Rarenium plus Nanofil. Die Kombination war meiner Meinung nach nicht ganz optimal. Eine 2000er JDM, oder 2500 DE Rolle sollte es an der ML-Version schon sein. Mehr aber auch nicht.

Jigs (mit und ohne Skirt)

Optimales Wurfgewicht für Jigs an der DEL SOL S632ML SP

Optimales Wurfgewicht für Jigs an der DEL SOL S632ML SP

In der Standarddisziplin der geworfenen Jigs ist die DEL SOL zuhause! Hält man sich an die Empfehlung von 5 bis 10 Gramm, so lädt sich die Special Edition genau wie das Vorgängermodell ab 5 Gramm vernünftig auf und feuert die Softbaits nebst Jigkopf bis 10 Gramm mit optimaler Performance gen Horizont. Sollten Skirted Jigs zum Einsatz kommen, darf bei großvolumig bekleideten Heads gerne ein Gang runter geschaltet werden. Korpulente Rubber Jigs wie der Fina Equip Hybrid 1/8 oz. ließen sich mit einem 4 Inch Worm noch sehr gut animieren.

Rigs (Texas, Carolina, Dropshot)

Optimales Wurfgewicht für Rigs an der DEL SOL S632ML SP

Optimales Wurfgewicht für Rigs an der DEL SOL S632ML SP

Ebenfalls eine Klasse für sich und unlängst zum Standard-Klimbim gehörend, muss sich die S632ML natürlich auch am Rig beweisen. Ob Dropshot, Carolina oder Texas Rig, mit 5 bis 10 Gramm schweren Bullets und Downshot Sinkern lässt sich Rute hervorragend fischen. Einzig das zur UL-Kategorie gehörende Split Shot Rig sollte besser im Kasten bleiben – viel zu leicht! Tipp: Der schnelle und straffe Blank eignet sich ausgezeichnet, um die Köder zitternd auf Beutefang zu schicken.

Chatterbaits (modern Blech)

Optimales Wurfgewicht für Chatterbaits an der DEL SOL S632ML SP

Optimales Wurfgewicht für Chatterbaits an der DEL SOL S632ML SP

Nicht ganz neu, aber dafür das erste Mal im Blog – Chatterbaits. Das moderne Blech lässt sich im Falle der Fish Arrow KO Chatter am Besten in der Gewichtsklasse von 5 und 7 Gramm fischen. Beim anjiggen mit 7 Gramm und 4 Inch Trailer merkt man aber schon, dass die Grenze bald erreicht ist. Hier kommt es einfach darauf an, wie viel Wiederstand euer Trailer mitbringt. Der 3,5 Inch „große“ SL-Remix von Bait Breath fischt sich am 7 Gramm Chatterbait problemlos.

Hardbaits (Minnows)

Optimales Wurfgewicht für Hardbaits / Wobbler an der DEL SOL S632ML SP

Optimales Wurfgewicht für Hardbaits / Wobbler an der DEL SOL S632ML SP

Last, but not weniger wichtig – Hardbaits! Sofern sich die Wobbler nicht in Tiefen jenseits der 1 1/2 Meter Marke aufmachen, ist die komplette Range der Barschwobbler zwischen 50 und 70mm bis max. 8 Gramm fischbar. Suspender-Klassiker wie Pointer 65SP (5gr.), Squirrel 61SP (4,5gr.) und ZipBaits Rigge 56SP / 70SP (4,5 / 5gr.) meistert der Blank mit Bravour. Bei Crankbaits würde ich auf Grund der Wasserverdrängung und der wenig puffernden Eigenschaften des Blanks maximal mit Shallow Runner bis 50mm anrücken. Wer noch etwas mehr aus dem Laufverhalten der Wobbler rausholen möchte, tut gut daran ein etwas längeres Mono-Vorfach zu verwenden.

Fazit

Das 2012er Review kann 1 zu 1 für die neue DEL SOL S632ML Special Edition übernommen werden. Mit der zweiten Auflage des erfolgreichsten Barschstäbchens unter den Tailwalk Ruten haben die Reanimatiöre bewusst Sorgfalt walten lassen und den sagen umwogenen Blank fast unangetastet gelassen. In Sachen Aktion, Sensibilität, Optik und Handling gibt es eine klare Kaufempfehlung für all jene Barschfetischisten, die eine qualitativ hochwertige und straffe Spinnrute bis zur halben Unze Wurfgewicht suchen. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt und mit ein paar zugedrückten Hühneraugen lässt sich auch der neue, durchgehende Griff verschmerzen.

Weitere Testberichte zur DEL SOL Rutenserie

Da es sich bei Testberichten dieser Art fast immer um rein subjektiv wiedergegebene Eindrück handelt, tut jeder interessiert Angler gut daran, sich vor der finalen Kaufentscheidung möglichst viele Reviews durchzulesen! Knapp 200€ sind und bleiben eine ganze Menge Holz. Bei Andi von den Barsch Junkies und der Rasselbande um Don vom Team Pro-Catch gibt es in kürze eine Artikelserie zum kompletten 2014er Line-up der Tailwalk DEL SOL Special Edition.

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